Spießer Alfons: Schafe im Wolfskin
Wenn ein Goliath einen David angreift, dann sind die unbeteiligten Zuschauer in aller Regel auf Seiten des Davids. So ist es auch in Bloggersdorf: Hört man hier, dass ein Großer einen Kleinen in den Schwitzkasten nimmt, dann helfen die Blogger dem Kleinen mit Blogs und Kommentaren, damit dem die Luft nicht wegbleibt. Und das ist auch gut so.
Gerade passierte die Geschichte mit Jack Wolfskin. Doch da wurde auf den Großen noch eingeprügelt, nachdem der schon lange die weiße Fahne gehisst und auf sein gesetzliches Recht verzichtet hat. Und hier unterscheidet sich der Blogger vom Journalisten, der weiß, dass Nachtreten ein Foul ist. Darum gibt Spießer Alfons Euch den Link zu AMENDEDESTAGE.COM, wo Christian einen gescheiten Kommentar geschrieben hat.



















Weiße Fahne? Wo?
Faires Tackling von beiden Seiten nenn ich es – auf dem Spielfeld, was nicht nur Spieler, sondern um ein vielfaches mehr Zuschauer hat, die letztlich darüber bestimmen, wie es den Vereinen geht. Man sollte zwar nicht unbedingt auf den Pöbel hören, aber wenn auch die gemäßigten Stimmen pfeifen, dann sollte sich der Verein ernsthaft Gedanken machen.
KeinFoul, kontrollierte Offensive also von uns. Und das sollte ein Blog auch tun. Auch und besonders, wenn es sich mit Marken beschäftigt.
In der “hidden Agenda” vermisse ich ganz stark unter A den Punkt:
- persönliche Entschuldigung der Damen bei JW
immerhin haben DIE erstmal die Markenrechte von JW verletzt mit der Absicht damit Geld zu verdienen…
JW war in dieser Geschichte sicher nicht ganz geschickt, aber die Sache als böse Schikane eines Großkonzerns gegen ein Strickkränzchen darzustellen ist BILD-Niveau. Über Dawanda wird genug Umsatz generiert, damit ist das nichts weiter als ein normaler Geschäftsvorgang…. Unternehmen A verletzt Markenrechte von Unternehmen B, Unternehmen B wehrt sich…
“Jack Wolfskin – Dies ist erst der Anfang”
Die Bären-Community hat Ärger mit JW:
http://skorpionstich.wordpress.....er-anfang/
Tja, da unterhalten sich Menschen und nutzen für ihre Kommunikation technische Möglichkeiten, die sie zu Multiplikatoren machen. Und die PR-/Werbebranche hat das immer noch nicht gemerkt. Rechtsabteilungen und Buchhaltung ohnehin nicht.
Ja, auch Jack Wolfskin hat ein Recht – bis zu einem gewissen Grad sogar die Pflicht -, ihre Markenrechte zu schützen. Dafür gibt das deutsche Recht eine Reihe von Möglichkeiten, die aber nicht unbedingt genutzt werden müssen. Die Abmahnung wurde eingeführt, weil Gerichte entlastet werden sollten, bestimmte Rechtsstreitigkeiten einfacher zu lösen sein sollten. Als erster Schritt war sie aber nicht gedacht, schon gar nicht mit willkürlich festgelegten Streitwerten, die zu horrenden Anwaltsgebühren führen.
Ich zumindest werde den Verdacht nicht los, dass einige [spezialisierte] Anwälte hier recht schnell mit wenig Arbeit einiges an Geld machen wollen. Firmen wiederum sehen die Gebühren oft eher als Strafen für die Abgemahnten, was natürlich nicht der Sinn der Sache ist.
Inwieweit JW nun das Recht hat, jede Form stilisierter Tatzenabdrücke als Markenrechtsverletzung zu sehen, mal dahingestellt, verwässerte es tatsächlich die große Outdoor-Bekleidungsmarke, wenn meine Nachbarin ihre drei Handvoll kitschigen Handtäschchen mit Katzenmotiven und deren gestickten Pfoten über eBay verscherbelt?
Ansonsten sollte klar sein, dass ein halb eingekniffener Schwanz – ‘Wir nehmen die Kostennoten zurück, bleiben aber beim Verbot des Angebots.’ – im Nachgang die Unterhaltung der Menschen nicht einfach beendet. Natürlich werden auch diejenigen weiter darüber schreiben [bzw. ihre Inhalte nicht löschen], die mehr Publikum haben als meine Nachbarin. So ist das, wenn man Mist baut, je größer er ist desto mehr fliegt auf einen zurück.
Wer grundsätzlich als erstes zum Anwalt läuft, droht und einschüchtert, gilt als unangenehmer Zeitgenosse, als Grantler, als Streithansel. Außer es handelt sich um eine rein juristische Person, eine Institution. Wie albern.
Ich kann nur jedem Unternehmen empfehlen, erst einmal auf mögliche Markenrechtsverletzer zuzugehen, ihnen zu schreiben [z.B. per E-Mail], mit ihnen zu reden, eine Lösung zu finden. Zum zukünftigen Markenschutz reicht das, es muss ja nur nachgewiesen werden, dass sich um die Marke bemüht wurde. Abmahnungen oder gar gerichtliche Schritte sind doch nicht die ersten, die man geht, sie stehen am Ende zwischenmenschlicher Interaktion.
Das Wort „Abmahnung“ ist ja nicht ganz ohne Grund dermaßen negatv besetzt, dass jeder „der abmahnt“ – ob zu recht oder nicht – den Schwarzen Peter bekommt.
Darüber sollten sich die Hersteller und Firmen, die sich mit „Freiheit“, „Progressivität“ oder „Kuschelprodukt“ definieren wollen, allmählich mal klar werden.
Wenn „böse Blogger“ jetzt dafür gesorgt haben, dass vielleicht der eine oder andere Hersteller in Zukunft erst einmal nachdenkt, bevor er seine Rechtsabteilung bemüht, dann gibt es dafür nur ein Wort: großartig!
Kann man so sehen, dass die Formulierung “wir fordern einen Paradigmenwechsel…” etwas übergeigt war vom Werbeblogger, aber nach meinem Empfinden war das nicht nachgetreten. Da solte man das Posting und die Kommentare dazu nicht über einen Kamm scheren.
Angesichts mancher Kommentare habe ich mir freilich auch gedacht, fehlt nur noch, dass gefordert wird, Jack Wolfskin solle als Zeichen seiner aufrichtigen Buße die Bohrinsel Brent Spar vom Meeresgrund bergen oder am besten gleich die USA-Flagge vom Mond holen. Aber gut, wenn ein Unternehmen so unverhältnismäßig ins Web-Wespennest hineinstochert, muss es mit den Stichen leben. Da hält sich mein Mitleid wirklich in Grenzen.
Sowas wie diesen Artikel wollte JW doch mit der Rücknahme erreichen. Dass Blogs & Co. sich damit zufrieden geben und alles wieder JW kauft.
Letzten Endes liegt das Problem jedoch in der Nutzung eben des Instruments “Abmahnung” in solchen Fällen. Man schießt mit Kanonen auf Spatzen, weil’s ja nichts kostet. Eine E-Mail mit Androhung der Folgen wäre ebenso schnell, oftmals ebenso effektiv und für den Betroffenen wesentlich billiger. Was also spricht dagegen?
Aus diesem Grunde müssen solche Abmahnungen für die Unternehmen richtig weh tun.
(Das Risiko, dass mal kein Werbeblogger da ist, der den Fall in die Blogosphäre trägt, ist außerdem schon sehr groß.)
@ Mario H.
Der Werbeblogger hat einen guten Job gemacht und sicherlich dazu beigetragen, dass viele Firmen die Zeichen der Zeit erkannt haben und umdenken werden. Es geht hier nicht um Recht (das JW ja hat), sondern die Mittel, dieses Recht durchzusetzen. Und wenn ein großes Unternehmen auf ein kleines einprügelt, dann sollte dieses Unternehmen die Meinung seiner Kunden zu lesen und zu spüren bekommen. Punkt.
Wenn ich einen Werbungtreibenden aufspieße, der sich zum Beispiel in einer Anzeige vergriffen hat, und der das dann einsieht und die Anzeige nicht mehr wiederholt, dann ist der Fall für mich in diesem Moment erledigt.
Anderes Beispiel: Ein Fußballer, der foult, bekommt die Gelbe Karte. Damit ist er für sein Foul bestraft und darf weiterspielen. Erst wenn er wieder ein krasses Foul begeht, dann bekommt er Gelb-Rot und muss vom Platz.
Also: Warten wir ab, wie JW sich in Zukunft zeigt, bevor wir weiterhin auf das Foul von gestern hinweisen!
Lukrative Sammlung von Unterlassungserklärungen seitens JW?
http://kadekmedien.com/2009/10.....omment-169
Zweischneidig. JW muss seine Marke schützen, unbenommen. Aber: Der Abmahnwahn muss in aller Deutlichkeit abgewatscht werden. Ansonsten ziehen wir Katzen & Hunden bald Socken an, damit sie im Garten keine Markenrechtsverletzung hinterlassen. Diese Vorgehensweise hat einfach keine Art.