Sascha Lobo und die Friedhofsgärtner
Wenn man hört, dass die Friedhofsgärtner eine Werbekampagne laufen lassen, dann bereitet man sich innerlich ja schon darauf vor, mit Hohn und Spott zu reagieren. Dann aber stellt man fest, dass der Auftritt Es-lebe-der-Friedhof gar nicht mal so unkreativ geworden ist. Auch wenn man sich gar nicht ausmalen mag, in welche Lebensbereiche der Einfluss von Sascha Lobo noch alles bereits hineinragt.













Total kreativ.
Allerdings hat die Konzeption einen gewaltigen Haken: Davon ausgehend, dass mit dem Metier des Friedhofgärtners zum großen Teil ältere Menschen in Berührung kommen, hätte ich die Website mit deutlich weniger Barrieren versehen.
Ich würde sogar sagen: Total kreaplagiatief: Der Website-Titel erinnerte mich, schon fast bevor ich ihn gelesen hatte, sofort an den alten Wolfgnag-Ambros-Titel: “Es lebe der Zentralfriedhof” (und alle seine Toten. Der Eintritt is’ für Lebende heit ausnahmslos verboten. Weil der Tod a Fest heit gibt, die ganze lange Nacht. Und von die Gäst’ ka anziger a Eintrittskarten braucht …)
@Berufskommunikator: Schon mal dran gedacht, dass die Älteren werrblich vielleicht anderswo und anders abgeholt werden? Ich finde, dass das eine respektable Herangehensweise ist. Und: Ich finde, Stichwort “Barriere”, dass es andere Barrieren abbaut.
Jetzt noch “Es ist Deine Zeit” auf den Grabstein und dann ist das mal geiles Crossmarketing….
gähn. ja, so verarscht man kunden, die dringend kunden brauchen.
die breiten und älteren zielgruppen, die kein bezug haben zu friedhofsgärtnern, werden so mit sicherheit nicht angesprochen – aber dafür junge jury-mitglieder bei kreativwettbewerben. und das dürfte das ziel sein.
die hirschen feiern sich also selber und untermauern den oft schlechten ruf der werber als selbstinszenierer. das braucht die branche aber gerade gar nicht – und die zunft der friedhofsgärtner auch nicht.
die zugegeben wirklich gute grundidee stirbt so grundlos und aus eitelkeit im ansatz. fremdschämen.
Mich spricht die Kampagne an, mich hat sie mit neuen Informationen versorgt und im Gegensatz zu anderen hier lebe ich nicht im Rosa-Regenbogen-Land, in dem man erst im biblischen Alter mit dem Tod konfrontiert wird. Oder wie soll ich das Pochen auf die “ältere Zielgruppe” verstehen? Habt ihr nur euer eigenes Sterben im Kopf?
Schön das der Tod in dieser Kampagne endlich mal modern und dennoch mit Pietät behandelt wird.
Ich verstehe nur nicht warum der Tod immer mit älteren Zielgruppen in Zusammenhang gebracht wird (@Berufskommunikator & Peter). Grabpflege wird ja schon manchmal mit 30 ein Thema wenn ein Familienmitglied stirbt.
Schicke Seite über ein Zunft von der ich bisher nicht viel wußte.
@Micha
schon klar, dass der Tod keine Sache für die Alten ist. Die Ads find ich auch gar nicht schlecht gemacht, aber die dazugehörige Website ist schrottig. Ich finde da keine relevanten Infos ausser reiner Selbstdarstellung und mal ehrlich WER packt sich ein Wallpaper der Friedhofsgärtner auf seinen Monitor, ausser vllt. ein Friedhofsgärtner?
Die Kampagne war gut angedacht, aber beim Zieleinlauf dann versemmelt.
@Peter: Welche Infos fehlen dir denn? Das ist eine Verbandshomepage. Das, was ein Friedhofsgärtner gemeinhin anbietet, wird vorgestellt. Zusätzlich kriegst du noch was über Pflanzen erzählt und etwas über den Verband selbst. Solltest du irgendwelche Preislisten, Angebote oders sonstiges brauchen, wirst du dich schon an einen Gärtner wenden müsen.
Für mich warjedenfalls die Info, dass man auch Gräber durchaus “anders” gestalten kann, schon Info genug. Das mit dem Tümpel auf dem Grab hätte ich jedenfalls nicht gewusst.
Zu den Downloadmotiven: Stimmt. Gilt aber für 99.9% aller Werbewallpaper auf kommerziellen Websites.
Nachdem ich gestern den spot im tv gesehen habe bleibt mir nur eins zu sagen: molto bene! denn dort holt die kampagne aber auch den letzten verdammt gut ab….
@jonny:
“die hirschen feiern sich also selber und untermauern den oft schlechten ruf der werber als selbstinszenierer.”
Wie auch immer du darauf kommst, wir haben mit dieser Kampagne überhaupt nichts zu tun.
Und nur nebenbei, von allen Agenturen sind wir die letzte, die Werbung für “junge jury-mitglieder bei kreativwettbewerben” machen würde.
Sorry, bin spät dran.
Ehre wem Ehre gebührt. Die Kampagne ist von Schwind:
http://www.schwind.de/index.php
@ramses101
sorry, da hab ich mich unklar ausgedrückt. Die Ads machen Interesse. Die sind gut gemacht und was neues. Das macht Interesse auf mehr. Dann schau ich mir die Website an und ob ich den Grunge-Look passend find oder nicht, dann kommt nur noch langweiliges Marketing-Blabla…
Klar, jeder will Geld verdienen, aber das was da nachgelegt wird ist nur der verzweifelte Kampf den Totenkult auszubauen um an die Kohle der Hinterbliebenen zu kommen und das mekrt man meiner Meinung nach ziemlich deutlich. Nach dem Vorwort war ich ziemlich bedient und hatte auch keine Lust mehr mich weiter mit dem Thema zu beschäftigen.
Meiner Meinung nach reissen die mit ihrer Seite das mit dem Arsch ein, was sie mit den Händen in ihrer Kampagne aufgebaut haben.
Der Hekel PM bekommt ein Beet mit Persil-Logo und der Metzger ein grinsendes Schwein mit Messer im Rücken, oder wie? Gott schütze mich vor kreativen Friedhofsgärtnern, inspirierten Bestattern und anderen lustigen Aasgeiern.
Hekel PM. Schon klar. Meinte natürlich Henkel PM. :-/
@Peter: Seh ich halt anders. Ich hatte Friedhofsgärtnerei nicht in dem Maße auf dem Zettel, jetzt schon. Ich behaupte ja gar nicht, das die Seite eine Offenbarung ist. Mir hat es an Informationen aber gereicht – ich weiß jetzt, dass man nicht aus einem Kranz-Blumen-Baukasten auswählen muss, sondern eine ganze Menge mehr machen kann.
@Ralf: Wenn du deinen Gärtner für dich entscheiden lässt, darfst du dich natürlich auch nicht beschweren. Das ist so ähnlich wie beim Friseur.
@ johnny
diese arbeit ist mit sicherheit nicht für jurys gedacht — und wird auch ganz sicher nirgendwo etwas gewinnen.
die hirschen schicken übrigens gar nicht bei wettbewerben ein (was sollten sie auch einschicken…)
diese werbung spricht vielleicht nicht die generation an, die schon mit einem bein im grab steht. aber dafür die generation, die sich um die nächsten beerdigungen kümmert — und den friedhofsgärtner buchen soll!
ich finde die kampagne nicht sonderlich orginell, aber für so ein schwieriges thema schon in ordnung und sehr passend.
@kawumm:
“die hirschen schicken übrigens gar nicht bei wettbewerben ein (was sollten sie auch einschicken…)”
Richtig. Wir verschwenden nämlich weder unsere Zeit noch die unserer Kunden mit eitlem Schischi. Von schwarzen Zahlen haben unsere Kunden schließlich mehr als von goldenen Nägeln.
@ Goldhirsch
man kann sich auch die größte scheisse gold reden.
@kawumm: Da du ja den absoluten Plan hast, braucht man mit dir auch nicht zu diskutieren – oder?
@ Goldhirsch
doch, du darfst gerne mit mir diskutieren. wir können auch gerne über die hirschen sprechen. aber zu dieser agentur kann ich leider nicht viel gutes zu sagen. schwarze zahlen kann man übrigens auch mit guter werbung schreiben.
Ich finde die Werbung super und mal komplett anders als man sich “Grabwerbung” vorstellt! Gerade diese spricht doch vor allem junge Leute an, die sich in den meisten Fällen keine Gedanken über ihren Tod machen. Und Vorsorge ist das beste, denn es kann immer was passieren.