Spießer Alfons: Wer hat Kerner doppelt gerner?
Ob Johannes B. „Kerner jetzt in SAT.1“ ist oder in Urlaub, interessiert Alfons genauso wenig wie der Hinweis, dass in der Nacht alle Katzen grau sind. Denn beim Spießer startet die Woche nicht mit Kerner, sondern mit Montag.
Was Alfons aber interessiert: Warum wirbt SAT.1 in dieser Woche für Kerner im „Spiegel“ mit einer Doppelseite, in „Focus“ dagegen mit nur 1/1…?
Grundsätzlich ist es so: Wenn der Werbungtreibende auf 1/1 Seite nichts zu sagen hat, dann blasen die Werber, die kreativen, dieses Nix gern zu doppelter Größe auf. Motto: Auch Insekten werden unter dem Mikroskop erst interessant. Klar, wenn der Inhalt so groß ist, dass er auf eine Seite allein nicht passt, dann benötigt der Gestalter natürlich mehr Platz, so dass der Mediaplaner eine Doppelseite einplanen muss.
Vergleicht man aber die Doppelseite von Kerner mit der 1/1 Seite von Kerner, dann ist der Inhalt hier wie dort derselbe. In Wahrheit ist die doppelseitige „Spiegel“-Anzeige nur ein vergrößterter Ausschnitt aus der einseitigen “Focus”-Anzeige. Und für diesen Ausschnitt bezahlt SAT.1 beim “Spiegel” nahezu den doppelten Anzeigenpreis. Das stellt die dreifache Frage in den Anzeigenraum: Warum? Wieso? Weshalb?
Wie schrieb doch Dichter Nebel im Vorwort zu seinem Werbeflachleerbuch, betitelt: „Das kleine 1×1 der Mediaplanung“? Er schrieb: „Was die 1/1 von der Doppelseite unterscheidet: Die Doppelseite überblättert der Leser schneller, weil keine nebenstehende Redaktionsseite ihn davon abhält!”



















Vielleicht findet sich die Erklärung für diese “Spende” ja im Hamburger Abendblatt vom 26. September 2009. Dort heißt es im Zusammenhang mit dem Umzug einer Kerner-Produktionsgesellschaft nach Ottensen:
“Bisher produziert die Firma ihre Sendungen im Studio am Rothenbaum. Nicht betroffen von dem Umzug ist Johannes B. Kerners neue Show bei Sat.1 . Sie wird von Spiegel TV Entertainment hergestellt. Die ersten Folgen will die “Spiegel”-Tochter bis Jahresende bei Studio Hamburg in Tonndorf produzieren.”
Und damit würde das Geld ja sozusagen in der Familie bleiben, oder?
Keith Richards Konkurrenz im Centerfold. Larger than life but twice as ugly.
Was ist denn eine 1/1 Seite?
@ andi
In der Anzeigenfachverkäufersprache ist 1/1 Seite das Doppelte von 1/2 Seite
Neben den Banken und Politikern dürfen nach wie vor nur klassische Mediaagenturen Geld verbrennen, das ihnen nicht gehört – was ist daran neu?
@ Volker Dowidat
Ich denke, in diesem Fall ist es ohnehin ein Tauschgeschäft Anzeigen gegen Spots.
Danke Spießer, das klingt logisch
Noch eine Zwischenfrage: Müsstest Du Deine Headline nicht selbst aufspießen (“gerner”)? Bzw. hättest Du es (nicht) getan, wenn es nicht Deine Headline sondern eine Werbe-Annonce gewesen wäre?
@ andi
Der Reim “Kerner – gerner” fällt unter die so genannte dichterische Freiheit. So etwas würde ich niemals aufspießen.