Spießer Alfons: Der “Focus” und die drei Waisen aus dem Medialande
Markwort gibt ab an Weimer. Noch nicht gleich, aber bald. Und nicht den alten „Focus“, sondern einen neuen. Hierzu äußern sich drei Mediaplaner, weil Mediaplaner ja am meisten von Redaktion verstehen. Mehr als Fachleute, aber logo! Und deshalb sagen die Gschaftlhuber Anzeigenmakler in wuv ihre Meinung zum bevorstehenden Personalwechsel an der redaktionellen Spitze des Magazins “Focus”.
Boris Schramm (Managing Director GroupM) meint: „Der Erfolg des nächsten Geschäftsjahres wird für Burda stark von den Maßnahmen abhängen, die jetzt rund um den ‚Focus’ eingeleitet werden.“ Eine tolle Aussage! So ähnlich wie: „Der Erfolg der deutschen Export-Wirtschaft wird stark von den Aufträgen abhängen, die aus dem Ausland kommen.“ Und Boris S. bestätigt dem Burda-Verlag nicht nur, dass Wolfram Weimer eine „gute Wahl“ ist, sondern er erklärt auch, dass es für seine Kunden wichtig ist, in den nächsten Wochen abschätzen zu können, wie es mit dem “Focus” weitergeht.“
Abschätzig meint Spießer Alfons: Wenn Anzeigendispositionen davon abhängig sind, dass man abschätzen kann, wie es mit einem Magazin weitergeht, dann wäre das ein ganz neues Planungskriterium.
Petra Kruse (Mediadirektorin Pilot Media) versucht sich in Satire und sondert folgenden Kommentar ab: „Markwort macht den Weg frei für neue Besen, die nicht kehren (dürfen)!“ Spießige Fragen: 1. Woher will die Anzeigenmaklerin das wissen? Vom Hörensagen…? Und 2. Was soll eine derartige Unterstellung aus dem Munde einer Geschäftspartnerin bedeuten?
Lars Kirschke (Managing Director Optimedia) meint: „Eine Wachablösung war beim ‚Focus’ überfällig. Mangels Alternativen wurde hier aber zu lange gezögert.“ Klar, wenn ein Schiff ins Schlingern kommt, sieht jeder klar, dass es an der Strömung liegt. Warum hat der Mediaplaner das nicht gesagt, bevor er seine Anzeigendispositionen für “Focus” gestoppt hat? Und woher weiß der Mann, dass es an Alternativen gemangelt hat? Werden Mediaplaner von Verlegern bei deren Personalsuche eingeweiht…?
Nun sollen die drei Waisen aus dem Medialande uns mal erzählen, wie viele Anzeigenseiten sie im kommenden Jahr in „Focus“ disponieren werden, wenn sie wissen, wie es mit “Focus” weitergeht! Bis dahin können sie sich in “Focus” informieren, was sie gegen die Schweinegrippe tun können – siehe Abbildung!



















Über die Sinnhaftigkeit dieser Aussagen kann man sicher streiten. Aber da muss sich die Fachpresse (für die ich z.T. ebenfalls tätig bin) auch an die eigene Nase fassen. In den frühen 90ern kamen Planer vor allem im jährlichen Horizont-Report Mediaplanung (und der entsprechenden Veranstaltung der Kollegen in München) zu Wort – und zwar vor allem zu planungsrelevanten Themen wie Intermedia-Vergleich, Preisentwicklung, Markt-Media-Studien und dergleichen mehr. Irgendwann riss es aber auch in den aktuellen Ressorts immer mehr ein, dass Planer zu allem möglichem befragt werden mussten. Und die haben irgendwann auch gelernt, dass sie nicht immer nur mit Sprüchen kommen können à la “am Ende des Tages zählt doch vor allem, dass der Tausendkontaktpreis stimmt und wir unsere Zielgruppe ohne Streuverluste erreichen” oder “Hm, das muss man je nach Kampagnenziel differenziert betrachten”. Das geht ja z.T. sogar so weit, dass Planer zur redaktionellen Mitarbeit an irgendwelchen “Todeslisten” genötigt werden von Zeitschriften-Titeln, die angeblich keiner mehr braucht. Da ist es doch kein Wunder, wenn Media-Experten auf Nachfrage inzwischen auch zu Chefpersonal-Rochaden und anderen Themen Stellung nehmen, die ihr Kerngeschäft allenfalls mittelbar betreffen.