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Spießer Alfons: Kacken mit Tempo für einen guten Zweck?

27. November 2009
von Spießer Alfons

Im Dezember-Heft von GEO finden wir auf Seite 23 die Anfrage einer Leserin, welche von der Redaktion wissen möchte: „Macht mich nicht recyceltes Toilettenpapier zum Umweltsünder?”

geotempo.jpgHierzu erst einmal der Hinweis von Spießer Alfons, dass Toilettenpapier normalerweise gar nicht recycelt — sprich: wieder aufbereitet — wird. Abgesehen davon, dass man dieses Papier aus der Kanalisation fischen müsste, um es wieder aufzubereiten, so lassen sich auch Papier und Kot nur schwerlich voneinander trennen. Recycelt dagegen wird beispielsweise Zeitungs- und Packpapier sowie Kartonagen und Zeitschriften wie z. B. GEO, woraus u. a. auch Toilettenpapier gemacht wird.

Und dann folgt der Hinweis der GEO-Redaktion an die Leserin, dass “extraweiches, mehrlagiges” Toilettenpapier sehr umweltschädlich ist, weil dafür nicht nur Wälder abgeholzt werden müssen, sondern auch wegen der Chemikalien, die bei der Herstellung zum Einsatz kommen.

Das aber nur am Rande, und zwar der linken Seite von GEO. Auf der rechten Seite daneben sehen wir eine redaktionell gestaltete Anzeige von Tempo, wo gerade für dieses umweltschädliche Toilettenpapier geworben wird, und zwar extraweich und vierlagig — siehe die Abbildung!

Doch nicht genug damit: Tempo erzählt uns in seiner Anzeige: „Tempo Toilettenpapier engagiert sich für bessere Hygienebedingungen in Entwicklungsländern“. Warum? Vermutlich, um das schlechte Gewissen wg. Umweltschädigung zu erleichtern. Doch nirgendwo steht in der Anzeige, dass „Tempo Toilettenpapier“ — wer immer das sein mag — dieses Geld aus der Firmenkasse ohne Gegenbedingungen spendet. Sondern es steht dort: „Für jede verkaufte Aktionspackung Tempo Toilettenpapier spendet Tempo bis Ende Februar 2010 10 Cent an den Partner WaterAid.“ Und im Internet brüstet sich Tempo mit den bereits erfolgten Spenden von WaterAid, zu denen das Tempo Toilettenpapier nach dem Verständnis des Spießers nichts beigetragen hat.

werbewort.jpgSpießiges Fazit aus der Tempo-Werbung:

Nur, wenn wir kräftig kacken und uns anschließend das Hinterteil vierlagig mit extra weichem Tempo Toilettenpapier aus der Aktionspackung auswischen, bekommen afrikanische Kinder bessere Hygienebedingungen.

Und pro Aktionspackung (Achtung: Aktionspackung — bloß nicht verwechseln!) werden nicht etwa 2010 10 Cent gespendet, sondern nur schäbige 10 Cent, und zwar bis Ende Februar 2010. Und dafür erhält das Unternehmen vermutlich auch noch eine Spendenquittung, um die eigenen Steuern zu reduzieren.

Wenn der törichte Konsument also glaubt, es handele sich bei Tempo um ein gemeinnütziges Unternehmen und darum vielleicht sogar über Februar 2010 hinaus sein Geschäft mit diesem Unternehmen macht, dann ahnt der Kunde möglicherweise nicht, dass sein Wischen nur dem eigenen Arschloch dient. Und der Firmenkasse von Tempo, natürlich.

Frage des Spießers an die deutsche Wirtschaft:

Kann nicht mal ein Unternehmen so gutherzig sein und für einen guten Zweck spenden, ohne dass man dieses vom Kauf der Produkte durch uns Kunden abhängig macht…?!

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Kacken mit Tempo für einen guten Zweck? ”

  1. Chris am 27. November 2009 um 09:20 Uhr

    Eindringlich geschrieben. Leider ist es nach wie vor so das viele Unternehmen bei den “neuesten” Marketingtrends, wobei ich soziales Engagement jetzt nicht unbedingt als brandneu bezeichnen würde, mitmishen wollen aber dabei kein Fingerspitzengefühl haben, dies richtig anzuwenden (vgl. auch Social Media). Eine kräftige Spende und die dazugehörige Berichterstattung würde mit Sicherheit mehr den Abverkauf fördern als diese Aktion.

  2. Der B aus H an der E am 27. November 2009 um 09:32 Uhr

    Da die ganze Tempo-Arschwisch-Kampagne ohnehin ein Griff ins Klos ist, spende ich zu ihrer Rettung eine Headline:

    “Jetzt wird gekackt!”

    Werbung mit erpresserischen Elementen dieser Art führt bei mir regelmäßig zu Magenverstimmung. Wir sollen saufen für den Regenwald, wickeln für die Zukunft der Kinder (wer ernährt eigentlich später all die Kinder, die Babsi Becker da unten rettet?), scheissen für den Umweltschutz — ein riesiger Haufen Bullshit ist das. Gutes tun und darüber reden, meinetwegen, aber bitte nicht dieser halbgare, völlig durchsichtige Mist.

  3. Gerd am 27. November 2009 um 15:23 Uhr

    Tempo Nase ist ohne Frage prima, Tempo Hintern aber ist fürn Arsch.

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