Spießer Alfons: Werbung mit langer Leitung
Gute Werbung zu gestalten, ist nicht unbedingt einfach. Und Werbung zu schalten, das ist nicht gerade billig.
Was versteht man eigentlich unter âWerbungâ, geschäftlich gesehen? Der Spießer definiert in Kurzform: Werbung ist die Darbietung von Botschaften mit dem Ziel, Einstellungen und Handlungen der Adressaten zum Vorteil eines Unternehmens zu steuern.
Gerade ist Alfons eine Werbung ins Auge gefallen, die in der Stormarn-Beilage vom âHamburger Abendblattâ erschienen ist. Also im Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein. Es handelt sich um eine Anzeige von E.ON Hanse â siehe die Abbildung! Damit will der Stromanbieter die Hauseigentümer im Landkreis Stormarn dazu animieren, dass sie ihren Strom von eben dieser Gesellschaft beziehen sollen. Ein Anliegen, welches aus Sicht des Werbung treibenden Energieunternehmens verständlich ist. Das aber mit der Werbebotschaft, die E.ON Hanse aussendet, total im Meer der Einfalt versinkt. Denn Ihr wisst ja: Zwischen Einfall und Einfalt ist es nur ein kleiner Strich.
E.ON Hanse hat eine so genannte Image-Anzeige geschaltet. Und sagt damit: Wir geben uns für unsere Kunden soviel Mühe, dass wir eine besonders lange Leitung gelegt haben. Im Kleingedruckten steht dazu geschrieben: âE.ON Hanse ist nicht nur der größte, sondern auch der einzige Netzbetreiber in Schleswig-Holstein, der Seekabel in Nord- und Ostsee und sogar in Binnenseen betreibt. In diesem Jahr haben wir die Insel Helgoland mit einem 53 km langen Seekabel an das europäische Stromnetz angebunden, Eine technische und finanzielle Höchstleistung.â
Was lesen die Bürger im Kreis Stormarn hieraus ab? Sie lesen: Das Unternehmen macht gewaltige Projekte, die sehr teuer sind. Wer bezahlt das alles? Logo: Die Kunden des Unternehmens müssen letztendlich dafür löhnen. Wenn diese Kunden aber nicht auf Helgoland oder sonst einem Eiland leben, sondern im Kreis Stormarn …
… dann geht es Ihnen am Arsch vorbei, ob da von einem Energie-Lieferanten irgendwelche Unterwasserleitungen durch Meere und Seen gelegt werden. Dann wählen sie lieber einen Stromanbieter, der seine Kunden vor Ort hat und dadurch mit wenig finanziellem Aufwand arbeitet und somit den Strom preiswerter anbieten kann als derjenige, der so stolz ist auf seine lange Leitung.
Ja, Werbung geht nicht einfach. Und manchmal geht sie auch einfach daneben.



















Lieber Spiesser.
Stell dir mal vor, du würdest was mit Werbung machen.
Und jemand kommt mit seiner Marke zu dir.
Zum Beispiel EON.
EON liefert Strom. Keine Botschaft?
Dann mach halt ne Nebenbaustelle auf. Und erzähl, was das Unternehmen dafür alles auf sich nimmt.
Beim Kosumenten kommt an: “Mensch, die tun was. Die sind groß. Die kennen sich aus.”
Und zack haste ein Stück Werbung geschaffen, das wirklich langweilig ist.
Aber jedem deiner undurchdachten Vorwürfe standhält.
@ Frau Kolossa
Wahrscheinlich lebt Ihr auf Helgoland. Wir Stormarner sehen das anders, und zwar genau so, wie ich es geschrieben habe.
Hätte E.ON geworben: Wir haben Helgoland autark gemacht mit einem Windkraftwerk auf der Insel … dann wäre es für mich eine Botschaft gewesen, die auch für Stormarner Energieverbraucher von Interesse wäre. So ist es in meinen Augen nur eine Dummheit der Werber.
“Werbung ist die Darbietung von Botschaften mit dem Ziel, Einstellungen und Handlungen der Adressaten zum Vorteil eines Unternehmens zu steuern.”
… Wobei Werbung nicht mit PR verwechselt werden sollte.
Jepp, hier hat der Spießer mal uneingeschränkt recht.
Gesendet wird: Toll, was wir alles können und machen.
Wir sind ein kompetenter Partner und engagieren uns auf vielen Gebieten, um Menschen zu versorgen.
Und an kommt: Oje, was die alles machen können. Vergraben Millionen im Meer, um irgendwelche Inselchen mit Strom zu versorgen, der eigentlich durch Wind- und Wasserkraft und vor Ort gewonnen werden könnte. Und ich muss es bezahlen. Da wechsel ich lieber zu meinen Stadt- oder Gemeindewerken vor Ort. Die tun wenigstens was für uns.
@ Stefan
Stimmt. Und stünde diese Anzeige im “Helgoländer Boten” â falls es den gibt â dann wäre es PR. Weil PR dem Empfänger der Botschaft immer etwas Positives berichten sollte. Sonst ist es Negativ-PR.
Nur zum Verständnis: War Helgoland bis zum Anschluss durch das R… ‘tschuldigung, passiert mir manchmal … also, war Helgoland bisher stromlos? Ich weiß es wirklich nicht.
@ Dierk
Auf jeden Fall kann man die Nordsee nicht als Strom bezeichnen, da die See ja ein Meer ist.
Also mal ganz von den “versenkten Kosten” abgesehen, die HL lese ich so: “Schleswig-Holsteiner haben eine lange Leitung, und wir haben für einige sogar eine besonders lange Leitung gelegt”. Was eine dreiste Kundenbeleidigung ist.
Oder wie soll man das Wortspiel mit dem Ausdruck “lange Leitung” interpretieren?
Hehe, Dr. Pflichtfeld, nettes Gedankenspiel. Aber soviel bewusste (dazu negative) Kalauerei kann ich beim besten Willen beim Betrachten dieser Anzeige nicht erkennen.
Vielmehr jedoch die plumpe Aussage, dass E.ON ne RICHTIG lange Leitung legen kann, und dass als nur einer von wenigen Stromkonzernen.
In diesem Zusammenhang würde ich eher vermuten, dass E.ON (oder der verantwortliche Marketingfuzzi) auf die potente Größe seines Gemächts hinweisen möchte….
Sei`s drum, das jute alte Rätselraten ist hiermit offiziell eröffnet!