Spießer Alfons: Überstunden für den ADC
Kürzlich hat Spießer Alfons einen Freund getroffen. Berufsfußballspieler in der Bundesliga. Der Mann sah ziemlich kaputt aus. Grund: Überstunden. Weil die Mannschaft im letzten Spiel über 90 Minuten nicht gut genug gespielt hatte, haben die Spieler freiwillig Überstunden gemacht. Danach siegte das Team zwar mit 41:39, aber das Spiel hat drei Stunden und 45 Minuten gedauert.
Tja, von nix kommt nix. Und reicht die offizielle Arbeitszeit nicht aus, um genügend Tore zu schießen, dann müssen die Mitarbeiter des Vereins eben in die Verlängerung, sprich: Überstunden machen.
Aber kommen wir zum eigentlichen Thema: Der ADC verschickt ein Plakat. Auf diesem Plakat steht gedruckt: „Dafür haben Sie ein Jahr Überstunden gemacht.“ Und danach folgt der Hinweis auf den Einsendeschluss für den ADC-Wettbewerb 2010.
„Ein Jahr Überstunden…?“ Wie viele Überstunden sind ein Jahr…? Und wer hat ein Jahr Überstunden gemacht, damit er was beim ADC einreichen kann? Das klingt für den Spießer wie: Zwölf Monate lang Bohnensuppe gegessen, um am Jahresende mal richtig pupsen zu dürfen.
Wenn dieses Plakat in der Werbeagentur aushängt, dann sieht der Agenturchef, warum seine Mitarbeiter so viele Überstunden auf dem Zettel haben: Weil sie zu unbegabt sind, gute Ideen in der Normalzeit zu entwickeln. Oder benötigt man für das Aufziehen auf Pappen so viele Überstunden…?
Ja, womöglich bekommt man gute Ideen nur nach Feierabend? Und was ist mit den Arbeiten, die ohne Überstunden entstanden sind? Darf man die auch einreichen beim ADC? Und: Wer bezahlt eigentlich die Überstunden? Der ADC? Oder der Kunde? Oder niemand, weil das, was nach Feierabend gemacht wird, mit den Kunden der Agentur gar nichts zu tun hat…?
Spießers Empfehlung: Statt das ganze Jahr lang Überstunden für den ADC zu machen, wäre es sinnvoller, die normale Arbeitszeit für die Kunden der Agentur zu nutzen. Vielleicht fällt dabei ja auch was für den ADC ab.
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Das mit der Work-Life-Balance haben die wenigsten Unternehmen bisher begriffen. Stattdessen langatmige Meetings. Und dann Überstunden. Meine Freundin war gestern auch bis 22 Uhr im Büro. Total unnötig…
@ Gagmed
In meinem Büro hing ein Plakat mit der Aufschrift: “Meetings sind der Triumph des Sitzfleisches über das Gehirn!”
In den Anfängen des ADC (ein paar wenige unter euch werden sich noch erinnern) wurde von der Jury nur das gesichtet und bewertet, was für “gewöhnliche” Kunden außergewöhnlich gut war. Das war früher. Und dem Wort früher haftet ja etwas längst Vergangenes, Überlebtes, Unmodernes, ja Verstaubtes an. Und so gibt es eben zwei Wege: Das Jahrbuch der Werbung mit den im Aufrag des Kunden entstandenen Werken — und das ADC Buch, das zeigt, was möglich ist, wenn Agenturen sich was für (mitunter die eigenen) Kunden einfallen lassen. So ne Art IAA der Werbung — denn dort sieht man ja auch oft genug Prototypen. Aber ich schweife ab. Überstunden sind oft genug zu vermeiden. Aber nicht jede Idee entsteht in der künstlich geschaffenen Arbeitnehmerzeit von 9 – 18 Uhr. Und danach heißt jede Betätigung dann eben Überstunden.
Hihi, eben habe ich das Plakat in meiner Postmappe gefunden.
Und direkt überlegt, ob ich dem Spießer einen Tipp geben soll.
Aber er war schon schneller…
Bei einem bin ich mir ziemlich sicher: Für diese Werbung hat sicher keiner Überstunden gemacht!
Meine Freundin muss neuerdings auch immer Überstunden machen. Aber sie findet das nicht so schlimm. Ihr Kollege ist ja immer dabei – gemeinsam kommen die immer auf die Besten Ideen – sagt sie….