Spießer Alfons: Orgie bei Daimler
Autohersteller haben zur Zeit nicht besonders viel zu lachen, denn auf dem Absatzmarkt rollt es nicht mehr so ungebremst wie ehedem. Stau auf allen Fertigungsstraßen. Selbst bei unserem Nobelkarossenbauer Mercedes ist Sand ins Getriebe geraten. Von Stellenabbau ist dort die Rede. Und von Verlagerung ins Ausland.
Konträr zum Krisengerede steht allerdings eine Party, die der Vorstand von Daimler kürzlich in Sindelfingen gefeiert hat. Genauer: Es war eine nackte Orgie. Die Herren hatte ihre Nadelstreifen abgelegt und trieben es mit Weibern und Champagner in eindeutiger Situation. Und weil die Vorstandsmitglieder mal für ein paar Stunden die bedrückende Gegenwart vergessen wollten, wurde die Fete im Stil der 30er Jahre arrangiert — siehe die Beweisfotos!
Fotos…? Welcher Paparazzo hat denn wohl diese scharfen Fotos geschossen? Nach spießiger Recherche war es der Starfotograf David LaChapelle. Und zwar im offiziellen Auftrag von Daimler.
Nun werdet Ihr bestimmt fragen, liebe otr-Leser, was der Autohersteller sich wohl dabei gedacht hat. Und genau dieses kann Alfons Euch erklären: Der Vorstand von Daimler dachte nicht daran, die Kosten für diese Orgie aus eigener Tasche zu bezahlen, sondern man wolle sie als Betriebsausgaben — sprich: Werbungskosten! — durch die Geschäftsbücher laufen lassen. Aus diesem Grunde deklarierte man die interne Fete als offizielle Werbeveranstaltung, sprich: Event, und zwar für das limitierte Sondermodell Maybach Zeppelin, welches man aus eben diesem Grunde auch ins Bild gefahren hatte … allerdings den berühmten Oldtimer aus den 30er Jahren.
Ja, so kann sich der geplagte Manager auch in trüben Zeiten ein paar schöne Stunden machen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Denn selbstverständlich wurden die Bilder öffentlich gezeigt, und zwar im Rahmen der Art Basel Miami Beach 2009.
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Irgendwie eine ziemlich lahme Nummer diese Orgie. Lädt mich nicht ein…
Ich sehen in den Bildern eher eine sublime Kritik am Großkapitals und Kapitalismus an sich. So wie in den Bildern vieler alter Meister die Symbolik versteckte Kritik an den Auftraggebern beinhaltete.
Da ist der vom kapitalistischen Maybach überfahrene Passant, die vergessene und desorientierte Rentnerin, das an Hieronymus Bosch und den Garten der Lüste gemahnende Setting und und und. Das macht das Auto und die Marke somit zum Inbegriff für Dekadenz und Apokalypse, das nicht selbst im Glorenschein steht. Stattdessen ist es eine teuflische Lilith, die sich im Lichte manifestiert.
Auf Dekadenz und Apokalypse verweist auch das Jahresbanner 1932. Der Dow Jones lag 1932 mit einem gigantischen Tief nahe der Nullllinie ebenso am Boden wie die müden Buben, die NSDAP stellte die stärkste Fraktion im Reichstag. Danach gings nur noch bergab. Und auch die Ruinen des Krieges finden sich schon angedeutet in der zerbrochenen Säule neben der Tür, durch die das hungernde Volk hereinbricht.
@Â Gagmed
Wenn bei einer Orgie eine gewisse Befriedigung stattgefunden hat, ist sie immer lahm.
@ Olaf
Aaah – jetzt verstehe ich das auch! Und deshalb soll ich mir einen Maybach Zeppelin kaufen…?
Eine interessante Wendung dank Olaf. Vielleicht also doch ein echtes Kunstwerk und mutig von Maybach dem Künstler freien Raum zu geben und ihre Marke ehrlich zu präsentieren.
@Olaf: Respekt. Das klingt (ernsthaft!) glaubwürdig.
Großartige Bilder. David LaChapelle halt.
@ Olaf: auch von mir Danke für die Interpretation!
@spiesser alfons
klar. der motor kann unter solchen bedingungen noch ganz nützlich werden: http://de.wikipedia.org/wiki/S.....3%BCtz_III
ich finde es immer Schade, dass solche “Entwürfe” nie richtig an die breite Öffentlichkeit kommen. Oder täusche ich mich dar?
Solche abgedrehten und genialen Sache finde ich immer nur in Blogs oder Fachmagazinen…
Gruß
Mark
@Mark: stimmt. leider.