Spießer Alfons: Wenn ein PR-Poet mit Zitronen handelt
Wir kennen Warsteiner, das Bier. Und der Spießer vermutet, dass dieser Gerstensaft nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wird, sprich: aus Hopfen, Malz und Wasser stammt. Was 100 Prozent Natur ist.
Heute hat Warsteiner einen Pressetext herausgegeben. Via Pregas, was “Ihr Bindeglied zwischen Presse und Gastronomie” ist. Die Brauerei lässt verkünden: „Neu! Warsteiner Radler mit “100 Prozent Natur“. Und weil diese “100 Prozent Natur” in Gänsefüßchen angeführt sind, keimte im Spießer ein Verdacht auf. Weshalb Alfons weiter gelesen hat im Wortlaut und dabei erfahren hat: Warsteiner Radler ist „die frisch-fruchtige Kombination aus Warsteiner und Zitronenlimonade“.
Diese Inhaltsangabe hat das Misstrauen des Spießers vergrößert. Denn: „Zitronenlimonade“ ist ein Pleonasmus, auch Tautologie genannt. Weil in der „Limonade“ bereits die „Limone“ enthalten ist, die im Italienischen „Zitrone“ bedeutet. (Der deutsche Begriff „Limone“ wiederum wird im Italienischen als „limetta“ bezeichnet.)
Zitronenlimonade ist keineswegs 100 Prozent Natur. Weil in einer Limonade immer Zucker enthalten ist bzw. ein Austauschstoff. Das scheint der PR-Texter von Warsteiner auch gemerkt zu haben, der kleine Pfiffikus, denn genau zwei Sätze danach ist ihm plötzlich eingefallen: „Statt Limonade wird natürlicher Zitronensaft verwendet.“ Aber erst ab 1. Januar 2010! Bis dahin müssen wir das alte, unnatürliche Gesöff schlucken.
Und der Textdichter posaunt: „Der einzigartige Produktnutzen “100 Prozent Natur“ wird auch auf dem Flaschen-Etikett mit der Abbildung einer Zitrone visualisiert.“ Was in der Tat bemerkenswert ist, denn wenn eine Zitrone „100 Prozent Natur“ visualisiert, dann geht der Verbraucher nicht mehr durch einen Supermarkt, sondern durch einen unberührten Zitronenhain.
Und dann ist da noch der Hammer: Warsteiner Radler ist völlig ohne Geschmack! Nicht mal riechen kann man das Zeug. Denn der Textdichter behauptet: „Außerdem ist das Produkt frei von jeglichen Aromen“. Gemeint sind damit also nicht nur chemische, sondern auch natürliche Aromen.
Auf diese Botschaft hin hat sich der Spießer erst mal ein Bier eingeschenkt. Seine Lieblingsmarke: Gröninger. Ohne Zitrone.
Twittern











Wenn man das so liest, hat man gar keine Lust mehr auf unsere besch***ene Branche. Werbung, PR… sind doch eh alles nur Lügen!
Tja, sowas kommt raus, wenn einer meint, die Aneinanderreihung marketingüblicher Dummbatzereien ergäbe eie Presse”information”.
Mich erstaunt immer am meisten, dass die Kunden, bei denen man ja doch mindestens ein gewisses Fachwissen vermutet (wenn die Agentur das schon nicht hinbekommt), solche Schwurbeleien abnimmt.
Übrigens: Auch Zucker ist Natur. Die künstlichen Aromastoffe nicht.
Hm: ein Bier mit ein wenig Zitronensaft, etwas preiswertem Zucker und noch preiswerterem Sprudelwasser. Vermutlich zum gleichen Preis oder teurer als ein normales Bier. Ein Schelm, wer “Abzocke” dabei denkt.
Abgesehen davon, dass ich mich immer wundere, warum die Markenbierbrauereien erst soviel Wert auf das Reinheitsgebot legen, um dann Zitronensaft und Zucker reinzukippen … Das spricht nicht unbedingt vom Glauben ans eigene Produkt.
Heutzutage muss man ja eh fast dankbar sein, wenn man ein Bier ohne irgendwelche XXL/Grapefruit/Limonaden-Zusätze bekommt. Wenn ich Radler wollte (mag ich garnicht) würd ich mir die Limo(nade / ne) selber kaufen und reinmachen. Aber ist ja heutzutage modern und die Jugend steht drauf.
gruß
Das Reinheitsgebot gewinnt in Deutschland wieder an Boden. Der Umsatz von Biermixgetränken ist im Jahr 2009 um 3,1% zurückgegangen. Dieser Rückgang ist höher als der Rückgang des gesamten Bierabsatzes (2,4%).
Na also, weiter so!