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Spießer Alfons: Werbemärchen

16. Dezember 2009
von Spießer Alfons

Backofen.jpgWas hat Werbung gemein mit den Geschichten, die wir finden in den Märchenbüchern der Gebrüder Grimm? Und was unterscheidet die Slices of Life in den Bildern der Werbung mit den Storys, die uns der Baron von Münchhausen erzählt hat?
Alfons sagt es Euch: Werbegeschichten sind Märchen. Und genauso gelogen wie die Geschichten, die uns der Lügenbaron von Münchhausen aufgetischt hat.Holzschaufel.jpg

Hier ein aktuelles Corpus Delicti: Wir sehen in einem Spot für Saltletts, wie ein leibhaftiger Bäcker die knusprig gebackenen Chips mit einer Holzschaufel aus dem Steinbackofen holt!!! Wenn das der Baron von Münchhausen noch erlebt hätte — er wäre blass vor Neid geworden ob dieser Lügengeschichte, die uns die Werber hier auftischen. Fehlt bloß noch der Hinweis auf den biologischen Anbau des Getreides auf einer einsamen, von der Sonne verwöhnten Insel, wo die Ähren schonend per Hand geerntet werden von jungfräulichen Elfen im Schein des Vollmonds.Saltletsstoryboard.jpg

Klar, jeder durchschaut den Schwindel sofort. Und doch bleibt beim Konsumenten unterschwellig hängen, was hängen bleiben soll: natürlich gebacken von Bäckermeisterhand und sorgfältig auserlesen, Stück für Stück. Das ist gut für unsere Kinder.

Zum_Kacken.jpgSpießer Alfons ist prinzipiell gegen Werbeverbote. Aber wenn der Konsument ganz offensichtlich verscheißert werden soll, dann hört der Spaß auf. Ganz besonders dann, wenn es um Produkte für Kinder geht wie “Saltletts Junior-Farm”.

Oder was meint Ihr…?

(Storyboard: GWA AdZyklopädie)

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Werbemärchen ”

  1. Frank Meier am 16. Dezember 2009 um 11:03 Uhr

    Und bei der Rügenwalder Teewurst wird mir richtig schlecht. Es wird Zeit für eine neue Zeit der Aufklärung.

  2. Carla am 16. Dezember 2009 um 11:37 Uhr

    Aber bitte. So naiv kann doch gar niemand sein, ernsthaft zu glauben, dass Saltletts so gebacken werden, Lindt seine Pralinen von Hand füllt und drei Konditoren die komplette Produktion von Coppenrath und Wiese stemmen.
    Das löst in mir nur noch eins aus: Wenn Ihr, liebe Firmen, mich für so dumm haltet, dass ich Euch das abkauf, dann kauf ich Euch gar nichts mehr ab. Nicht in der Werbung und nicht im Laden.

  3. XinXed am 16. Dezember 2009 um 12:11 Uhr

    @Carla: Da gebe ich dir prinzipielle erst einmal recht. So blöd kann ja wohl niemand sein.
    Aber dennoch: Jeder deutsche Sender muss ja wohl nicht umsonst groß “Werbung” einblenden bevor die Werbung kommt (was ja auch noch recht neu ist .. 5-6 Jahre?)
    Kinder konnten da wohl anscheinend die Werbung oft nicht vom Cartoon, Popstar-Format etc.. unterscheiden.
    Was ja anscheined auch der Grund ist warum SuperRTL nicht mehr wie noch vor 2 Jahren mitten im Cartoon unterbrechen darf:
    http://www.movie-college.de/fi.....erbung.htm

    Bei einem produkt für Erwachsene würde ich auch nur mit den Schultern zucken. Denkt ja wohl auch keiner dass 20 Frauen mich verführen weil ich Axe nehme.
    Bei Kindern sehe ich dass dann doch etwas differenzierter.
    Bin da aber auch kein Fachmann…

    Grüße,
    XinXed

  4. Spießer Alfons am 16. Dezember 2009 um 12:36 Uhr

    @ Carla @ XinXed

    Mit dem Verstand sagt man: Blödsinn! Doch von der Suggestion, also der manipulativen Beeinflussung einer Vorstellung oder Empfindung, bleibt im Unterbewusstsein des Betrachters etwas hängen, was ich als “unterschwellig” (nicht ganz korrekt) bezeichnet habe. Und genau das ist es, was der Werbungtreibende mit seinem Märchen erreichen will. Lorenz/Bahlsen ist nur ein Beispiel von ungezählten, wie es oben ja schon erwähnt wird.

  5. flo am 16. Dezember 2009 um 12:52 Uhr

    Warum nicht mal ein Spot, der mir absolut ehrlich und ungeschönt zeigt, wie das Knabberzeug wirklich produziert wird? Nämlich computergesteuert und mit antiseptischer Präzision. Denn wer weiß, in welchen Körperöffnungen sich “Bäckerhand” eben nach der Mittagspause so rumgefummelt hat…?

    Andererseits: Bei 11 Saltletts pro Schaufel und Backdurchgang bräuchten die ja schon einige Bäcker. Vielleicht das Rezept gegen die Arbeitslosigkeit…?

  6. Frodo am 16. Dezember 2009 um 13:03 Uhr

    Ach: dann wird mir wohl auch die Piemontkirsche gar nicht von Claudia Bertani persönlich in den Mund geschoben!? Und die italienischen Omis, die angeblich die Bertolli-Saucen zusammenrühren und abschmecken – alle nicht echt?? Schockschwerenot! Nun sag’ mir bloß noch jemand, es gibt auch keinen Weihnachtsmann…

  7. Frank Meier am 16. Dezember 2009 um 13:41 Uhr

    @ Frodo
    Richtig! Die Stewardess schüttelt in der Regel das Kopfkissen nicht auf und die glückliche Bio-Kuh muss nicht zwangsläufig echt sein. Aber der suggerierte Wunsch, Landwirtschaft möchte insgeheim aussehen wie 1925 zu Urgroßmutterszeiten, auch wenn es diese Idealisierung niemals gab, der ist echt und wird vom Kunden gewünscht und honoriert. Man lügt sich gern selbst in die Tasche, unentwegt.

  8. comicfreak am 16. Dezember 2009 um 13:46 Uhr

    ..ich muss dem Spießer recht geben:
    als chronischer Inhaltsstoffedurchleser weiß ich zwar, dass 1 Becher Aldi-Joghurt 1/3 des Zuckerbedarfs vom Göttergatten deckt, trotzdem hab ich mich heute Morgen erwischt, wie ich dem Junior (5 Jahre) beinahe einen Becher “Monte” eingepackt hätte, mit dem Hintergedanken “damit er was gesundes dabei hat..”.
    Erst im letzten Moment hat sich das Gehirn wieder eingeschaltet und eine Birne eingepackt.

    Dieser süßlich-nostalgische Werbebrei setzt sich direkt an die für mütterliche Instinkte vorgesehenern Synapsen und wird dann wirklich instinktiv ohne Umweg übers Gehirn umgesetzt.

  9. Frodo am 16. Dezember 2009 um 14:26 Uhr

    @comicfreak:
    Das mit den Synapsen ist ja auch der Sinn der Sache ;-)

    Es ist doch legitim, wenn Werbung Wunschbilder projiziert und mit der Marke verknüpft. Nahezu jeder kann die Diskrepanz zwischen Werbung und Realität wunderbar einschätzen und weiß, wie diese Bilder zu verstehen sind. Gehen wir doch bitte nicht immer vom dummen Rotkäppchen-Verbraucher aus, der vor den “Lügen” des bösen Werbe-Wolfs beschützt werden muss!

  10. Thomas am 16. Dezember 2009 um 15:24 Uhr

    @XinXed

    Wenn ich aus § 44 Abs. 1 des Rundfunkstaatsvertrag zitieren darf: “Übertragungen von Gottesdiensten sowie Sendungen für Kinder dürfen nicht durch Werbung oder
    Teleshopping unterbrochen werden.”
    Das war vor zwei Jahren nicht anders.

  11. Raider am 16. Dezember 2009 um 19:16 Uhr

    Ich verstehe die Aufregung nicht. Das ist Werbung wie jede andere auch. In keiner Werbung wird die Wahrheit gesagt. Ich wüsste jedenfalls keine. Die einzigen Unterschiede sind die Grade der Verarsche.
    Wer glaubt, dass die Milchschnitte gesund und Media Markt saugünstig ist, verwechselt Werbung mit Information. Das passt aber so wenig zusammen wie Papst und Kondom.

  12. Klaas Kramer am 17. Dezember 2009 um 09:45 Uhr

    Man kann nicht nicht manipulieren.
    Jeder und immer. Mal unbewusst mal bewusst.

    Werbung ist grundsätzlich mit dem Stigma der Unglaubwürdigkeit besetzt — übrigens völlig unabhängig vom Bildungshintergrund.

    Die “geheimen Verführer” sind ein Märchen von James Vicary gewesen, der sich damit keinen Gefallen getan hat.
    Schon damals hat sich Lügen nicht gelohnt

    Mehr dazu:
    http://www.klaaskramer.de/cont.....enführung

  13. Hans P. am 17. Dezember 2009 um 10:44 Uhr

    Das eine ist bewusste Vernunft. Das andere ist (oft) unerkanntes Gefühl. Hier in der Diskussion wird beides wild durcheinandergeworfen. Befragt man Menschen, werden die meisten wohl sagen: “Werbung? Alles gelogen!” Befragt man sie dann nach Informationen zu beworbenen Produkten, wird es schon schlehter aussehen; bzw. aus Werbesicht besser. Testet man dann, welche Produkte sie bei einer konkreten Kaufentscheidung gefühlsmäßig vorziehen, wird man den Werbeeffekt deutlich sehen. Und im Supermarkt denken die wenigsten nach oder machen sich die Mühe, die Werbeaussagen durch Blicke auf die mikroskopisch klein gedruckte, dafür ellenlange Inhaltsstoffangabe zu überprüfen; was zudem höhere Kenntnisse erfordert, die NICHT von der Werbung vermittelt werden. Bei vielen Gerätschaften muss man gar erst die Gebrauchsanleitung aus der Packung holen (verpflcihtet zum Kauf!) und manchmal erhält man wesentliche Informationen auch erst nach dem Kauf (beliebt bei Elektronik).
    Mir ist es auch schleierhaft, warum offensichtliche Lügen nicht geahndet werden. Weil es Werbung ist, darf jede Schönfärberei sein? Es ist doch so, dass die meisten Leute Joghurtzubereitungen kaufen, die fortlaufend als “gesund und fruchtig” verkauft werden und schön teuer sind sowie süß und praktisch ohne Frucht, während im Regal daneben der wesentlich günstigere Joghurt pur steht, den man sich mit einem Klacks Marmelade oder etwas Obst schnell zu dem angeblich versprochenen “Gesundheitsprodukt” verwandeln kann – aber wie viele kommen auf die Idee?
    Der “mündige Verbraucher” ist bei weitem nicht so mündig, ud das liegt in der Natur des menschen. Wenn schon die Ethik des Getreidemumifizierers nicht ausreicht, dann müssen Gesetze und Regeln ran. Würde ich mich von einem Arzt behandeln lassen, der mich so schonugslos behumst (Werbspot: Todkranker im Rollstuhl wird in die Praxis geschoben, von drei hübschen Arzthelferinnen gestreichelt und hüpft geheilt und energiegeladen den Himalaya hoch)? Die Vernunft sagt Nein. Das gefühl sagt: “Nett wär’s schon … auch wenn’s ein bisschen mehr kostet. Verstand, warm gönnst du mir das nicht?”
    Ich persönlich gehe aus Beobachtung davon aus, dass alles, was groß und emotional beworben wird, reichlich überflüssig ist; denn hätte es wirklich Sinn, würde man es auch ohne solche Werbung mitnehmen (Mehl und Äpfel; wann werden die beworben? Doch nur, wenn irgendein Pseudonutzen den überhöhten Preis rechtfertigen soll?) Aber wer denkt schon so?

  14. ramses101 am 17. Dezember 2009 um 13:29 Uhr

    @Hans P.: Dass die Herausnahme der BDA zum Kauf verpflichtet, halte ich aber für ein Gerücht. Und wenn wesentliche Informationen vorenthalten wurden, tut sich der Hersteller schon mal keinen Gefallen. Denn dann legt er sich nicht nur mit dem Konsumenten an, sondern im Zweifel auch mit dem Händler.

  15. Klaas Kramer am 17. Dezember 2009 um 17:49 Uhr

    @Hans P.
    Social Media macht alle Daten verfügbar, Produkte und Unternehmen transparent.
    Niemand muss sich mehr auf offizielle Verlautbahrungen von Herstellern verlassen.

    Nur wollen wir Menschen nicht alles wissen.
    Vollständige Information ist auch ein Märchen, das die Philosophen schon vor 2000 Jahren als unmöglich und auch praktisch unnötig entlarvt haben.
    Nur möchten wir Menschen auch gerne an dieses Märchen weiter glauben.
    Ich glaube übrigens seit diesem Jahr wieder an den Weihnachtsmann ;-)

  16. emanuela am 19. Dezember 2009 um 02:19 Uhr

    Dummerweise ist es so, dass man, obwohl man die offensichtliche Lüge erkennt, unbewusst ein Wohlgefühl mit dem Produkt verbindet. Perfide, mich macht es regelmäßig sauer. Kommt einer mentalen Vergewaltigung gleich.

  17. Andreas am 27. Dezember 2009 um 18:58 Uhr

    Ich finde die nivea Werbung sehr gut, da dort auch einmal stabilere Frauen vorkommen.

  18. Garten am 25. Januar 2010 um 16:25 Uhr

    Jepp, kann ich 100%ig bestätigen. Endlich mal ein Schritt in die richtige Richtung

  19. Gartenzelt am 25. Januar 2010 um 16:27 Uhr

    Naja, kann man sehen wie man möchte.

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