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Feuilleton gehegemannt

16. Februar 2010
von


Technoprosa aus dem Berghain


Es wäre schön, wenn man jetzt einfach noch mal von vorne anfangen könnte. Kein Kuscheln, kein Anfassen, nur unauffällig und regelmäßig durch die Nase ein- und ausatmen und im Kopf die schlimmsten, blutigsten Unterwerfungsphantasien hin- und herwälzen.

Ein bisschen von dieser gigantischen Hegemann-Aufmerksamkeit abbekommen. Man muss nicht einmal mehr denken oder argumentieren, um dem Feuilleton seine Verachtung ins Gesicht zu schleudern. Vielleicht ist es zu dumm. Vielleicht zu verlogen, vielleicht zu wahr.

Locker die literarische Ahnenreihe des Plagiats aufrufend, sich mehr oder weniger ungeniert bei anderen zu bedienen und das dann Inspiration zu nennen, und die mächtigste Konvention diejenige ist, dass es keine mehr gibt. Das wäre eine großartige Lese- und Schreiberfahrung – und ein riesiges Marketingproblem für die verwertende Industrie.

Möglicherweise wird die Rezeptionsgeschichte des Feuilleton nun allerdings auch davon handeln, wie nahtlos der Übergang von Opfer zu Täter sein kann und so einen Reifeprozess gerade in jenem Bereich einläuten, wo bisher in Urheberrechtsfragen nur Chaos herrscht – im Feuilleton – Plateau der Darstellung und Selbstdarstellung. Eine richtige Geschichte mit Konflikt, Katharsis und süßer Schlussmelancholie.

Es wäre schön, wenn jetzt alle einfach noch mal von vorne anfangen könnten. Helene Hegemann. Aber auch das Feuilleton.


Kursive Stellen sind literarische Eigenleistung.

Alles andere ist bei den Feuilletonisten gehegemannt.

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Kommentare zu “ Feuilleton gehegemannt ”

  1. drikkes am 16. Februar 2010 um 15:07 Uhr

    Sehr bezeichnend auch, daß der bislang beste und trotzdem durchschnittliche Zeitungsartikel (FR) in dieser Diskussion von jemandem verfasst worden ist, der lieber anonym bleiben will. Da hat wohl einer Angst, keine Rezensionsexemplare mehr zugeschickt zu bekommen.

  2. Olaf Kolbrück am 16. Februar 2010 um 17:19 Uhr

    Mindestens ebenso bezeichnend, dass der dauerergriffene und sonst so unverlegene maxim biller inzwischen gar nichts mehr zum Thema kommentieren mag.

  3. Robert am 16. Februar 2010 um 17:26 Uhr

    Das schlimme daran ist nämlich nicht, dass und wie sie es getan bzw. nicht hat, sondern dass sie es genau so gelernt hat.
    Bei den Kidz in der Schule ist das doch an der Tagesordnung – und wird auch vom dortigen System gar nicht anders gefordert. Wer sollte ihr verdenken, dass sie genau das angewendet, was sie die vergangenen 12 Jahre tagein tagaus an Fähigkeiten und Kenntnissen hinzugewonnen hat? Das Motto ist: Auswendig lernen und wieder käuen.

    Bravo! Da beisst sich doch der Hund in den Schwanz.

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