HORIZONT.net HORIZONTjobs HORIZONTstats

Oliver Voss und die Jugendgewalt am Sonntag

1. März 2010
von

Oliver Voss ist wieder da. Das las der Spießer in der Fachpresse. Und Oliver Voss hat eine Werbeagentur gegründet. Die trägt den Namen Oliver Voss. Startkunde von Oliver Voss ist die „Welt am Sonntag“ aus dem Verlagshaus Springer. Und die erste Anzeige von Oliver Voss für die WamS ist soeben erschienen. Sie trägt oben links quergestellt den Namen Oliver Voss – siehe die Abbildung!

Besagte Anzeige Reklame-Annonce ist dem Spießer aufgestoßen. Zuerst mal die Schrift, die ins Bild hineinragt. So was machen die Kunstdirektoren immer dann, wenn ihnen nix Kreatives eingefallen ist. Das Foto ist ziemlich undeutlich. Man erkennt bei näherem Hinsehen zwei Menschen im Liegestuhl im Garten. Im Garten. Im Liegestuhl. Im Winter. Darüber ist eine Käseglocke gezeichnet, in der ein Handy liegt.

Daneben die Headline: „Mal nichts erleben. Sondern alles erlesen.“ Dazwischen ein Störer: „I (Herz)SONNTAG“. Sehr originell. Und im Kleingedruckten lesen wir: „SONNTAG Es ist der Tag, an dem uns niemand einen ‚Schönen Tag’ wünscht, und wohl auch deshalb der schönste von allen: der Sonntag. Genießen Sie ihn mit einer Zeitung, die für diesen Tag gemacht ist. Vier Exemplare kommen kostenlos zu Ihnen und werden – fast – direkt bis an den Liegestuhl geliefert.“

Aha. Direkt an den Liegestuhl im Grünen. Im Winter. Und am Sonntag sollen wir nichts erleben – nicht mal die Ruhe in der Natur, kein schönes Essen, keinen Besuch von Kindern, Freunden, kein Konzert, Theater. Nicht mal telefonieren sollen wir. Sondern wir sollen am Sonntag faul rumliegen und alles erlesen. Aus der WamS. Draußen im Liegestuhl im Garten. Was auch der Grund ist, warum der Spießer die WamS nach jahrzehntelangem Abo abgestellt hat: Wenn Alfons die Zeitung  am Sonntagmorgen vor sich hatte, dann las er schon auf der Titelseite soviel Horrormeldungen, dass ihm der Sonntag total verhagelt war. Auch Oliver Voss weist ausdrücklich darauf hin, zeigt unten das Blatt mit dem Aufmacher: „Jugendgewalt“. Das stimmt den Leser am Sonntagmorgen richtig fröhlich, so dass der Tag erlesen wird.

Und der Höhepunkt: Die Anzeige Reklame-Annonce ist als ganze Seite im „Hamburger Abendblatt“ erschienen. Eine ganze Seite Murks von Voss.




Facebook und Co: Teilen und aufbewahren Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • TwitThis
  • LinkedIn
  • del.icio.us
  • email
  • MisterWong
  • Y!GG

Ähnliche Artikel

Tags: , , , , , ,

Kommentare zu “ Oliver Voss und die Jugendgewalt am Sonntag ”

  1. Peter am 1. März 2010 um 10:54 Uhr

    Bisschen wenig Inhalt für eine ganzseitige Anzeige, oder?

  2. Spießer Alfons am 1. März 2010 um 11:01 Uhr

    Genau. Der Herr lobt den Sonntag, nicht aber die Zeitung. Vermutlich hat er sie selber noch nie gelesen. Oder er kann nichts Lobenswertes an dem Blatt finden. Vielleicht sollte der Herr Chefredakteur mal ein Wort unter vier Augen mit seinem Werbemann führen, bevor es zu weiteren Annoncen dieser Unart kommt.

  3. seven am 1. März 2010 um 17:34 Uhr

    ??? Hä?

    Der Sonntag ist ein schöner Tag, fragt sich nur, was die Zeitung damit zu tun hat, außer dass sie am Sonntag erscheint. Und das mit dem Liegestuhl…mannomann, dann kann ich ja noch ein halbes Jahr warten, bis ich bestelle.

    Zum Layout sag ich jetzt mal nichts.

  4. gggg am 1. März 2010 um 18:29 Uhr

    hab mir doch gleich gedacht, dass das der selbe Button ist den ich auch schon mal verwendet habe ;-)

    http://deutsch.istockphoto.com.....-badge.php

  5. mike am 2. März 2010 um 09:59 Uhr

    ich kenn herrn voss nicht, finde die anzeige aber gut und kann micht mit der aussage identifizieren. versteh die aufregung nicht, haben wir schon sommerloch?
    btw die welt als axel springer produkt würde trotzdem nie auf meinen frühstückstisch kommen.

    • Spießer Alfons am 2. März 2010 um 10:34 Uhr

      Wenn wir schon das Sommerloch hätten, dann wären wenigstens die Liegestühle im Garten passend. ;)

  6. seven am 2. März 2010 um 18:45 Uhr

    @mike:

    Die Anzeige sorgt auch nicht für Aufregung. Das ist ja gerade das Problem. Denn das einzige was von dieser Werbung übrigbleibt ist ein großes Fragezeichen im Gesicht.

    Das mit dem Sonntag ist schon klar. Aber was hat das mit der Zeitung zu tun? Und wieso die Strichzeichnung und wieso Liegestühle zu dieser Jahreszeit und wieso dieser Button und häh? Was will uns diese Werbesendung sagen?

    Naja, Springer kommt auch mir nicht ins Haus. Und schon gar nicht bis zum Liegestuhl. Auch nicht fast…

  7. Läufer am 4. März 2010 um 16:30 Uhr

    ich hätte auch gerne eine sonntagszeitung, die keine schlechten nachrichten enthält aber dann müsste die zeitung wahrscheinlich auf 3/4 der nachrichten verzichten. die anzeige finde ich gar nicht mal so schlecht, sie macht halt mehr aus dem produkt als da ist. das versteht man doch unter werbung, oder? sonst müsste man wohl auch in der werbung oft 3/4 des produkts weglassen….

  8. Spirou am 4. März 2010 um 18:53 Uhr

    Schon seit Jahren macht die Presse Werbung mit Dingen, die nichts mit ihrer eigentlichen Kompetenz zu tun haben. Ausnahme vieleicht “Der Spiegel”. Und international “Newsweek” und “Time Magazine”. Da ist die Nachricht = die Botschaft = die Werbung.

    Wie traurig und sinnlos war z.B. dieser Schwalbenschwarm-Spot für die kompakte “Welt”. Und ob es nun Voss oder jemand anderes ist: Sie alle haben keine Ahnung, was Journalismus bedeutet und wie man ihn verkauft. Die Journalisten (oder Verleger, die meistens “Kaufleute” sind) lassen sich von den Werbern an der Nase herumführen und glauben, sie müssten dem (Achtung, 80er-Jahre-Wort!) “Zeitgeist” folgen.

    Wann besinnen sich deutsche Journalisten wieder auf ihre wirkliche Kompetenz und lassen Werber nicht sinn- und planlos (aber natürlich durch Fokus-Tests und Analysen “bestätigte” Ergebnisse) walten und schalten?!

    Wer hat denn ein Produkt, dass so (!) für sich selbst spricht, wie Journalisten mit wirklich guten, exklusiven, gut geschriebenen Nachrichten!?!

    Braucht’s da noch dümmliche Anzeigen wie die vom Spießer aufgespießte? Meiner Meinung nach geht der Spießer nicht weit genug mit seiner Kritik. Er “spießt” Voss auf. Dabei sollte er die ganze Branche aufspießen, die sich in die Fänge von Werbern begeben hat, die keine Ahnung von der wahren Bedeutung von Journalismus hat.

  9. ramses101 am 4. März 2010 um 19:19 Uhr

    @Spirou: Ein Spiegel-Plakat kann aber mit dem aktuellen Titel eine Woche irgendwo hängen. Aber wie und wo soll denn “Schlagzeilenwerbung” für eine Zeitung erscheinen, die nur am Sonntag aktuell ist? Bliebe ja nur die Konkurrenz. Und dann kann es auch wieder nur Imagewerbung sein, denn so gut, dass ich mich am Sonntag nochmal aufraffe, um eine zweite Sonntagszeitung zu kaufen, kann die Geschichte gar nicht sein.

ivw