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Warum ich kein Fan von Agenturen bin

2. März 2010
von

Sie kennen das sicher. Noch keine 24 Stunden bei Facebook, bekommen Sie schon die ersten Anfragen und Bitten doch Fan von diesem oder jenem zu werden. Oftmals abstruse Aktionen und Gruppen, wie aus dem Sumpf der StudiVZ-Vergangenheit, machmal sinnige Aktionen, zuweilen Marken und in meinem Fall auch viele Agenturen, die mich als Fan anwerben wollen. Ich mag aber nicht Fan von Agenturen sein.

Der Grund lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Neutralität. Ich glaube nicht, dass es eine gute Figur macht, sich zum Fan einer Agentur zu erklären, wenn man sich als Journalist im Bereich Marketing,  Werbung und Medien bewegt. Ich glaube auch nicht, dass es einem politischen  Journalist (die ohne Parteibuch jedenfalls) gut zu Gesicht steht, wenn er sich zum Fan einer Partei erklärt. Es geht ein Stück weit Unabhängigkeit und Überparteilichkeit verloren. (Gleichwohl ein Fanbekenntnis bei einigen politischen Journalisten ein wenig mehr Transparenz herstellen würde).

Nach welchen Kriterien sollte ich auch zum Fan einer Agentur werden? Weil sie die kreativsten Kampagnen macht? Weil sie die schicksten Büros hat und den besten Kaffee für Besucher bietet? Und was mache ich, wenn ich ihre Arbeit kritisiere? Die  Fan-schaft aufkündigen?

Und auch wenn ich mein Involvement, meine Rolle als  Multiplikator und meine Bedeutung für das Empfehlungsmarketing und den Image-Transfer (*hüstel*)  nicht hysterisch übersteigert darstellen will -  könnte mein Fan-tum  nicht doch das Geschäft beeinflussen? Positiv bei jenen, deren Fan ich bin? Negativ bei  jenen, die ich ignoriere? Zumindest ein bisschen? Zumindest vielleicht?

(Aus diesen Gründen bin ich auch bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen bei Facebook kein Fan von Medientiteln -abgesehen von Blogs- oder von Marken. Zuweilen kommt ein zeitweiliges Fan-Sein  da und dort aus Recherchegründen hinzu.)

Gehts auch ein bisschen weniger überheblich? Klar. Also: Auch wenn dank Facebook der Begriff Fan zunehmend verwässert wird, bin ich doch Freund einer strengen Definition (siehe Wikipedia):

“Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen oder abstrakten Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert.”

Ehrlich jetzt, ich habe zu keiner Agentur eine emotionale Beziehung – weder positiv, noch negativ.

Mir sind allerdings in vielen Agenturen viele Mitarbeiter sympathisch. Manche sogar sehr. Einigen von ihnen folge ich auch bei Facebook.

PS. Außerdem bin ich als Fan sowieso eine untreue Seele. Ich war mal ein großer Fan von R.E.M. und habe ein Konzert backstage nahezu knieend verbracht, aber ich habe mir noch nicht einmal mehr die letzte CD gekauft.

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Kommentare zu “ Warum ich kein Fan von Agenturen bin ”

  1. nilsn am 2. März 2010 um 16:35 Uhr

    Wenn man Fan auch als solchen definiert, liegst Du damit wahrscheinlich sehr richtig. Ich halte es aber gerade für einen Journalist im Bereich Marketing, Werbung und Medien für – nun, nicht für einen Fehler – aber für schade.

    Denn für mich bedeutet Fan sein, dass ich Interesse an den Neuigkeiten habe. Eine gutgemachte Facebook-Page kann auch einen Magazincharakter haben, der weit über Eigenwerbung hinausgeht. Denn es stehen echte Insider hinter den Gruppen, die viele tolle Arbeiten, auch von anderen Agenturen, ans Licht befördern.

    Und keiner würde deshalb erwarten, dass du singend mit einem Agentur-Shirt und Schal durch die Gassen deiner Stadt ziehst. ;)

    (Nicht ganz ernst gemeinter Tipp: Fan werden, und die Meldung gleich wieder aus deinem Profil löschen. Merkt dann kein Mensch…)

  2. drikkes am 2. März 2010 um 16:43 Uhr

    Ich denke auch, daß bei Facebook “Fan” einer Agenturseite nicht dasselbe wie Fan einer Fußballmannschaft ist, auch wenn man Deinen besonderen Fall natürlich berücksichtigen muß. Mit der Recherche hat Nils schon recht. Also entweder eine oder keine.

  3. Olaf Kolbrück am 2. März 2010 um 16:56 Uhr

    @Nils
    @drikkes
    hm,hm
    Das Rechercheargument ist nicht ganz von der Hand zu weisen.
    Aber ich unterstelle mal, dass derartige Inhalte auch zugleich über Twitter von den Agenturen verbreitet werden. Und dort folge ich etlichen. Und schließlich – Totschlagargument :-) – erreicht mich die News im Fluss des Web ja sowieso.

    Und: “Singend mit einem Agentur-Shirt und Schal durch die Gassen” ziehen, das würde ich glatt machen und dazu das Video in den Blog stellen. Alles eine Frage des Honorars ;-)

    • Martin Drust am 2. März 2010 um 20:47 Uhr

      @Olaf Kolbrück
      wie viel stellen Sie sich denn so vor an Honorar?

      • Olaf Kolbrück am 3. März 2010 um 08:58 Uhr

        Ganz klar: Verhandlungsache, die dann off-the-record ist. ;-)

  4. Ulrike Langer am 2. März 2010 um 17:18 Uhr

    Das Problem liegt im Begriff. Während man keine Sekunde zögert, “Abonnnent” eines Twitterfeeds zu sein, über den vielleicht haargenau die gleichen Inhalte verbreitet werden wie auf einer Facebook-Fanseite, klingt “Fan” gleich nach Anbetung (kniend, backstage).Wer möchte schon professionell in einer Teenie-Pose erwischt werden? Ich ziehe mich dadurch aus der Affäre, dass ich sage: Nicht ich habe mir diesen dämlichen Begriff Fan (mit dem übrigens auch Sascha Lobo hadert) einfallen lassen, sondern Facebook. Zuminindest die Leute, mit denen man häufiger zu tun hat, wissen aber auch, wie es gemeint ist. Meine eigene Facebook-Fanseite (vor einer Woche eingerichtet) hat jetzt über 100 Fans. Ich erwarte aber nicht, dass auch nur einer auf die Knie fällt, schon gar nicht backstage ;-)

    • Olaf Kolbrück am 2. März 2010 um 17:40 Uhr

      Klar ist der Begriff dämlich. Aber ich habe den Verdacht, dass er mit Blick auf eine zumindest unterschwellige Marketingzielsetzung auch bewusst so gewählt ist. Es gibt ja auch Nutzer, die Fanseiten genau dafür nutzen, nämlich zum Personal Branding wie das Logo auf dem Shirt oder weiland die Adding-Rallye bei den Xing-Gruppen. Natürlich kann sich das Verständnis des Begriffs “Fan” durch das Selbstverständnis der Nutzer und die Art wie man ihn einsetzt wandeln und verwässern. Klar, bei menschen mit denen man häufiger zu tun hat, da weiß man das Fan-Gedöns einzuordnen und zu gewichten. Aber was ist mit denen, die eher unbedarft vorbeischauen und nicht die semantischen Feinheiten und philologischen Metadebatten eines Netzwerks bemerkt haben?

  5. mark793 am 2. März 2010 um 17:19 Uhr

    Ich kann die Zurückhaltung gut nachvollziehen. Als mark793 bin ich zwar sozusagen privat unterwegs und nicht auf journalistischer Dienstreise. Aber das Motto von Hajo Friedrichs, der Journalist mache sich mit keiner Sache gemein, auch keiner guten, habe ich doch ziemlich stark verinnerlicht.

    Davon abgesehen tauge ich auch sonst nicht zum Fan, somit wüßte ich nicht, warum ich das bei facebook anders halten sollte als im realen Leben.

  6. gsohn am 2. März 2010 um 18:19 Uhr

    Das Wort “Fan” ist genauso irreführend wie “Freund”. Bei Facebook geht es ja wohl eher um Interessenten. Ich bin Fan von Hertha BSC seit dem Beginn meiner “Fußballkarriere”. In guten und in schlechten Tagen. Da hängt mit Leidenschaft, Erinnerungen und den gemeinsamen Erlebnissen mit meinem Vater zusammen. Unter Facebook sehe ich das Fan-Dasein ein wenig nüchterner.

  7. Jan am 3. März 2010 um 10:12 Uhr

    Neben allen Unterschieden sehe ich auch einige Parallelen zu Facebook-Fan-Sein und dem echten Fan sein. Fan-sein bedeutet ja nicht automatisch, Objektivität aufzugeben, im Gegenteil qualifiziert es einen doch nur, besonders viel über eine Sache zu wissen. Die Fans eines Fussball-Vereins sind doch auch meist die deutlichesten und lautesten Kritiker.

    Gerade in der Musik bedeutet Fan doch auch, nach außen zu tragen, was sich sonst nur in den Ohren abspielt. Man erkennt sich unternander am Bandshirt. Ich bin auch Fan von Dingen auf facebook um meinen “Freunden” zu zeigen, dass ich das gut finde oder und um anderen Fans der Sache zu zeigen, dass ich “dazugehöre”. Es kann also gar nicht wichtig sein, von welcher Agentur man Fan ist, es ist nur wichtig, dass man Fan von Agenturen ist, denn dann ist man ein Medien-Insider.

    Als Agentur finde ich Fans. Wir machen das doch alles nur für unsere Fans und denen verdanken wir auch alles!

  8. Nicole Haase am 3. März 2010 um 11:42 Uhr

    Richtig, der Begriff “Fan” ist bei Facebook für diese Markierung wirklich schlecht gewählt oder müsste ergänzt werden.
    Sowie einige Bereiche aus meiner Sicht noch überarbeitungswürdig sind.

    Ich bin dort auch, über einen Klick auf genau diesen Button, mit etlichen Geschichten verbunden, die ich eigentlich bloß ein Weilchen verfolgen will.
    Hoffentlich dichtet man mir dort nicht in allem eine leidenschaftliche Verbindung an.

ivw