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Spießer Alfons: Post an Wagner (46)

9. März 2010
von

Lieber Gossen-Goethe,

heute kommt Euer Merkwürden uns BILD-Lesern von hinten, sprich: Ihr schreibt auf der Rückseite. Und informiert darüber, dass Ihr im Laufe der Zeit numehr 2000 Briefe für die BILD-Leser geschrieben habt. Der Spießer hat das nicht nachgezählt, aber gelesen hat er sie, Eure 2000 Briefe.

Ihr berichtet heute aus Eurer Schreibstube, großer Gossen-Goethe, was ein bisschen erinnert an Euren Namensvetter, den Johann Wolfgang. Und Ihr erzählt dem Volke, dass Ihr vor dem Schreiben die Vorhänge ein Stück aufzieht, „damit etwas Himmel auf den Schreibtisch fällt“. Womit Ihr zum Ausdruck bringen wollt, dass von oben herab etwas Göttliches in Eure Worte fällt. Stimmt’s?

An Eurem Schreibtisch sitzt Ihr zusammen mit “Mördern, Kindesmissbrauchern, Machtmissbrauchern, Trinkern, Oscar-Gewinnern, Kanzlern, Ministern” und  erklärt: „Ich schreibe ihnen täglich Briefe“. Woraus des Spießers Frage resultiert: Warum druckt BILD täglich nur einen dieser Briefe? Werden die anderen, die Ihr täglich schreibt, den Betroffenen direkt zugestellt? Oder landen sie womöglich in der Rundablage des Chefredakteurs…?

Euer Schreibtisch, so erzählt Ihr, hat „4 Beine wie Eichen“. Dass Eichen Beine haben, war dem Spießer bislang nicht bekannt, er hätte auf Wurzeln getippt. Und dass die Beine einer Eiche vierkantig sind, das ist in der Tat bemerkenswert, großer Dichterfürst!

Ihr klärt uns Leser auf, dass Euer Schreibtisch nicht wackeln darf, wenn Ihr an einen Mörder schreibt. Wohl aber beginnt er zu wackeln, „wenn man an die Opfer des Erdbebens von Haiti schreibt“. Frage: Was ist das für ein Nachbeben unter Eurem Schreibtisch? Steht das Möbel vielleicht in Haiti?  Oder hat das Tischwackeln parapsychologische Ursachen, was so Vieles erklären würde…?!

Auf Eurem Scheibtisch liegt, so berichtet Ihr,  „ein kleiner, weißer Stein“, den Ihr geklaut habt aus dem Garten Eden von Einstein. Womit Ihr uns Lesern suggeriert, dass es sich hier um den Stein des Weisen handeln könnte, der für Eure tägliche Erleuchtung sorgt, wenn Ihr Eure Briefe fabuliert.

Und neben einem kleinen Elefanten – „Rüssel nach oben“, klar! – steht eine Uhr, die Euch die Zeit anzeigt: “in Caracas”. Mit diesem Geständnis bekennt Ihr, großer Goethe der Gosse, dass Ihr fernab unserer mitteleuropäischen Zeit lebt, weshalb Ihr vermutlich auch so oft die Nacht mit dem Tag verwechselt und umgekehrt.

Ha, und dann Euer nächstes Geständnis: „Eigentlich ist der tägliche Brief eine Flaschenpost, in der Hoffnung geschrieben, dass ihn jemand findet und liest“! Das spricht von großer Einsamkeit. Denn der Volksmund weiß:

Eine Flaschenpost ist ein Hilferuf. Den verschickt der Mensch im Allgemeinen, wenn er sehr allein ist. Zum Beispiel auf einer kleinen Insel. Von dort schreibt der Gestrandete seinen Hilferuf, steckt ihn in eine Flasche und hofft, dass jemand diese schwimmende Botschaft findet und ihn, den Schiffbrüchigen, rettet.

Franz Josef Wagner, großer Goethe der Gosse, jetzt endlich weiß Spießer Alfons, warum Ihr so viele Flaschen Rotwein leert: Ihr seid ein einsamer Mann.

Schmerzlichst,

Euer

Spießer Alfons

PS: Ihr vergaßt in Eurem Beitrag zu erwähnen, wann Ihr Euer Weihnachtsgehalt an die armen Babys in Afrika geschickt habt. Schließlich wartet Philip Lahm darauf, dass Ihr ihm die Summe nennt, damit er endlich Gleiches tun kann, um seine Wettschulden zu begleichen.

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Post an Wagner (46) ”

  1. seven am 9. März 2010 um 17:37 Uhr

    Mal was ganz anderes: Ich finde für Deine “Post an Wagner” ist das Porträt von Dir als Motiv zwar passend. Aber es ist als Anspielung auf den Briefempfänger irgendwie nicht abgefuckt genug. Kannst Du nicht mal ein Foto von Dir machen, nachdem Du 12 Stunden in kompletter Kleidung und mit dem Gesicht auf einer Plastiktüte geschlafen hast?

    Nur so als Vorschlag.

    • Spießer Alfons am 9. März 2010 um 17:42 Uhr

      Hm, Du hast schon Recht.. Eigentlich aber müsste ich es genauso machen wie Wagner und ein Foto aus meiner Schulzeit nehmen… ;)

ivw