Journalisten gehören an die digitale Theke
Zwei Sätze bekam ich von meinem einstigen Lokalchef immer wieder zu hören: „Journalisten müssen einmal die Woche in die Kneipe“ und „Die Geschichten liegen auf der Straße“. Viele sahen in der Aufforderung eine Zumutung. Heute sind die Kneipen digital, die Straßenpflaster virtuell. Also müssen Journalisten dorthin. Doch auch das wird als Zumutung empfunden. Dabei ist Social Media, der Gang an die digitale Theke, eine nützliche Pflicht.
Mit dem Social Web verhält es sich wie mit der Kneipe an der Ecke. Die Mehrheit der Gespräche sind vorbeirauschendes Geplauder, lamentierende Sprachfetzen über das Spiel der Bayern, die Ehefrau, den Ehemann, Gott und die Welt. Dazwischen dann vielleicht das eine Raunen oder der geflüsterte Tipp in dem der Journalist eine Geschichte erkennt, vielleicht ist es auch nur eine hitzige Debatte über die Theke hinweg, die der Journalist als wichtiges Thema für seine Leser begreift. Storys, für die sich das Warten und der Zeiteinsatz lohnt.
Deshalb sollten Lokaljournalisten einmal die Woche in die Kneipe gehen. Nicht in irgendwelche natürlich, sondern dorthin, wo das Leben spielt oder sich Honoratioren beim Bier den Frust von der Seele reden. Die digitale Theke des Web, Facebook, Twitter und Co ist für Journalisten genauso ein Muss. Hier sind die Gespräche, hier wird lamentiert, diskutiert, hier werden die Geschichten von der Straße aufgegriffen. Ein Profil bei Facebook, Xing und Twitter gehört deshalb zum Handwerkzeug.
Genauso wenig aber wie Journalisten an der lokalen Theke zwingend Freibierrunden schmeißen müssen und durch große Reden auffallen müssen, geht es auch im Web zunächst einmal nicht um den großen Auftritt oder Hyperaktivität in den Netzwerken. Zuhören und Präsenz zeigen, das ist die Basisleistung. Dann mag man warten auf das Stichwort, das zur Story wird, mag man hoffen auf das digitale Schulterklopfen, das vom raunendem „Haste schon gehört“ begleitet wird. Die Präsenz an der digitalen Theken erhöht nebenbei auch die Erreichbarkeit für Leser, senkt Hemmschwellen, kürzt Wege ab.
Natürlich, journalistische Kneipenbummler wissen das, wird man eher wahrgenommen, wenn man selbst mal einen ausgibt, wenn man sich an den Gesprächen beteiligt und schlichtweg regelmäßig wiederkommt. So kann denn der regelmäßige Weg an die digitale Theke auch dazu beitragen, ein Stück weit mehr zur Marke zu werden. Denn Marke sein, eine mögliche Überlebensstrategie in den Tages des Zechensterbens und des Abgesangs auf die Kohlenhändler, ist neben etlichen anderen Dingen, auch eine Folge von ständiger Präsenz. Der britische Guerilla-Künstler Banksy hat es, wenn auch mit Blick auf Paris Hilton, in eine schlichte Formel gepackt:“ 90% of success is just showing up.“
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Sorry, aber das ist die Sorte Text, in der in jedem Absatz fast das Gleiche steht. Das merkt man übrigens auch ihrem Schreibstil an: Umständlich, schwer lesbar – Sie haben sich anscheinend beim Schreiben nicht wohlgefühlt. Die diversen Syntaxfehler sollten eigentlich einem Profi nicht passieren…
hm, nun ja, ich gehe in mich.
Aber das Bild ist klasse, da kommen Erinnerungen hoch
Man kann die Erinnerungen etwas auffrischen:
http://www.sarien.net/
hach.
Hm, dann entfällt auch das Brüderschafttrinken. Gefällt dem einen mehr, dem anderen weniger…
Ja ja, der Tresen. Solange ich mein Bier kriege, ist seine materielle Beschaffenheit oder sein realer bis virtueller Standort nur von nachrangigem Interesse für mich, Herr Wirt…
Aber einen Aspekt habe ich in dieser (gar nicht so schwer lesbaren) charmanten Journalismus-Enzyklika vermisst. “Zuhören und Präsenz zeigen” scheinen mir nur unzureichende Basisleistungen. Ein dritte gehört für mich dazu: Phantasie. Über Jahrtausende haben vorgetragene Geschichten, die wir heute noch formal etwa als Märchen kennen, die Geschichte des Nachrichtenwesens weltweit geprägt. Das Märchen war multimedial und multitask – wie ein Überraschungsei: Süß, Spaß und Spannung. Manchmal mit Gesang und/oder Musik untermalt, mitreißend erzählt, mit Metaphern bestückt und einer ziegruppenadäquat zurechtformulierten Kernaussage – moralisch, politisch, geistig, allgemeinverständlich.
Meine These: Ein Journalist, der heute nicht mehr “freihändig” ein Märchen erzählen kann, wird immer Probleme mit dem Storytelling-Ansatz haben.
Wobei es *ähem* natürlich um das Handwerk des Erzählens geht, nicht darum Märchen zu fabrizieren. Obwohl das Fabulieren im faktenfreien Raum bei so manch einem Medium durchaus zum Tagesgeschäft gehört
Natürlich ist das Handwerk gemeint. Das journalistische Format Märchen wurde in den vergangenen Jahren gründlich… überarbeitet.