“The Joneses” und die neuen kreativen Popstars
Werber vom Schlage eines David Ogilvy wird es künftig nicht mehr geben. Amir Kassaei oder Alex Bogusky sind die letzten ihrer Art. Die neuen Kreativen heißen Mark Zuckerberg (Facebook), Dennis Crowley (Foursquare), Sergey Brin und Larry Page (Google).
Denn die kreative Werbewelt von Morgen entsteht inmitten des Social Graph der Netzwerke.
Wenn TV und Print als Monstranz der Kommunikation an Bedeutung verlieren, weil die Markenkommunikatoren nicht in den Kreativagenturen sitzen, sondern meine Freunde, meine Follower, meine Nachbarn, mein Kollegen sind, die über Like Buttons und Engagement Ads über das Wohl und Wehe von Marken entscheiden, dann steht der Kreative plötzlich mit seinen Pappen da und stellt fest: TV-Werbung machen ist nicht mehr sexy. Sie ist nur noch das geschnittene Brot der Kommunikation. Die coolen Jungs, die die ganzen heißen Dates bekommen, basteln irgendwas mit Online-Aktionen und Netzwerk-Werbung. Die Agentur-Popstars von Morgen machen wahrscheinlich heute schon ihr Praktikum in der Online-Unit einer Agentur.
Übrigens: Freunde als Markenbotschafter – im Film „The Joneses“ mit Demi Moore und David Duchovny wird das gerade auf die absurde Spitze getrieben. In dem Streifen wird eine Vorstadt-Familie zum Product-Placement.
Was bleibt dann von der Klassik künftig noch: Die Ansprache der Medien-Komatösen? Die Aufhebung der kognitiven Dissonanzen nach dem Kauf?
Und die Bildung von Markenwelten, von Erlebniswelten, diesen großen Symphonien der Werbung? Nimmt die noch jemand wahr, wenn sich die Welt der Marke aus ihren Nutzern und meinen Freunden als Befürwortern oder Gegnern herausschält? Diese Marken-Universen, die sich aus fraktalen Aktionen und atomisierten Empfehlungen zu einem lebendigen Puzzle vereinen, sind doch, wenn man nicht neben einer Filmfamilie wohnt, viel lebendiger und authentischer und machen selbst hässliche T-Shirts zu einem Kult.
Schlimm? Im Gegenteil.
Aus Sicht des Marketing ist Social Media das Beste, was Marken je passieren konnte.
In der Welt des vernetzten globalen Dorfes erfolgt der Kaufdruck intensiver denn je über die Gruppe. Den Druck zu ignorieren, führt zur digitalen Isolation. Auf die Einladung zur Gartenparty bei den Jones könnten sie dann womöglich ewig warten.
Danke an @nico für den Tipp mit den Joneses




















Ich frag mich ja immer wieder, ob es wirklich Menschen gibt, die sich ein bestimmtes Produkt kaufen, nur weil es alle Freunde haben? Ich bin doch mein eigener Herr, kann meine eigenen Entscheidungen treffen, Vor- und Nachteile abwägen und dann selbst entscheiden, ob ich unbedingt ein iPhone/iPad/einen BMW/Markenklamotten brauche oder nicht!
Aber wahrscheinlich bin ich anders ald die anderen *Aluhut wieder aufsetz*
gruß, Frank
Halte ich für kompletten Blödsinn.
Natürlich spielt digital eine zunehmende Rolle im Leben. Aber deswegen werden Print TV und Kino Kampagnen nicht aussterben oder weniger cool. An dieser Stelle frage ich mich, wie cool überhaupt Leute sein können, die die meiste Zeit vor ihrem Rechner abhängen. Wichtig ist wie immer die Idee. Und da gibt es im Netz mindestens so viel Müll zu sehen, wie in anderen Medien auch. Der gepostete Stumpfsinn bei Twitter und Facebook ist ohnehin kaum zu überbieten.
Und man sollte sich auch nicht vertun. Das Gross der (normalen) Menschen da draußen interessiert sich weder für FB noch für Twitter oder sonst eine Social Community. Selbst die, die dort angemeldet sind, schauen nur ab und zu mal vorbei.
Um ehrlich zu sein habe ich im Netz noch keine Kampagne entdeckt, die bei mir ähnliche Emotionen und Begeisterung ausgelöst hätte, wie ein toller TV- oder Kino- Spot.
Frank, die Frage ist falsch gestellt, es geht nicht darum, ob du hinter deinen Freunden her läufst und alles haben musst, was die haben. Klar, das passiert auch, wenn man als Jugendlicher seinen Platz im Gruppenwesen sucht [Punks vs. Popper und so]. Viel interessanter ist aber doch, wie du dir deine Meinung bildest.
Keiner von uns hat zu einem gegebenen Zeitpunkt alle [notwendigen] Informationen für eine Entscheidung zur Hand, das macht Fehlentscheidungen, Fehler und am Ende auch Freien Willen aus. Wir verlassen uns sehr oft auf die Meinung anderer, z.B. auf Ergebnisse der Stiftung Warentest, auf Marken [weil wir gute Erfahrungen gemacht haben oder davon ausgehen, dass die sich keinen Mist erlauben können], natürlich auf Empfehlungen.
Mundpropaganda funktioniert so gut, weil wir auf andere hören, ihnen – je nach Vertrauensgrad – glauben, wenn sie uns erzählen, ‘diese Webcam hat ein richtige gutes Bild und selbst das eingebaute Mikrofon …’ Darauf basiert ja Testimonial-Werbung. Und in Zukunft sind das nicht irgendwelche Clementines oder Lieblingsanwälte, sondern deine Freunde und Bekannte und deren Freunde und Bekannte.