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Was Verlage von Apple lernen können

28. April 2010
von


Medien-Community 1840 noch ohne Like-Button aber mit Zeichen von Sharing


Mit dem iPad und der App-Welt, so die Klage, ende die Offenheit des Web. Statt Interaktion nur Konsum. Übersehen wird der Vorteil, der sich aus der Wunderflunder ergibt: Apple reduziert die Komplexität, bietet Convenience. Menschen lieben das.

Unverständlich, dass es Zeitungen mit ihrer Übersichtlichkeit und bequemen Abgeschlossenheit nicht gelingt, dieses Pfund umzumünzen. Jede Zeitung liefert in ihrer Endlichkeit schließlich das Versprechen, alle wichtigen Informationen abzubilden. Gelesen, informiert, fertig. Alles wichtige ist gesagt: “All the News That’s Fit to Print.”

Apple-Lehre Nummer 1 für Verlage: Convenience betonen

Doch Zeitungen sterben. Immer weiter. Manche machen noch als Zombie weiter. Das liegt nicht nur am Zeitmangel, am Wettbewerb um die Aufmerksamkeit mit Web, TV, Buch, Freibad, Yogakurs, Facebook, Playstation 3.

Ein womöglich weitaus wichtigerer Grund: die falschen Apps, Pardon, Inhalte, die an den Bedürfnissen und Lebenswelten vorbeigeschrieben sind. Vor lauter Nachrichten also keine Welt? Heißt das, die Blattmacher kennen ihre Leser und deren Bedürfnisse nicht? Ja. Sie kennen aus den Copy-Tests zwar die Wünsche, nicht aber die (Achtung Marketing-Sprech) Needs. Wenn Apple sich an Kundenwünschen orientieren würde, gäbe es auch USB und austauschbare Akkus undunundund beim iPhone. War es Henry Ford der sagte, hätte er seine Kunden gefragt, dann hätten die sich schnellere Pferde gewünscht?

Apple-Lehre Nummer 2 für Verlage: Höre nicht auf deine Leser, lese ihre Träume.

Blogs erreichen ja ihre Leser nicht, weil sie plötzlich den Qualitätsjournalismus neu erfunden hätten oder weil es sie kostenlos im Web gibt. Sie treffen den Nerv ihrer Leser. So wie Vice, so wie Landlust, so wie Neon. Geht also doch. Merken Sie etwas? Gefragt ist Fokussierung und ein deutliches Profil. Und damit auch der Verzicht auf manche Leser. So wie Apple eben auch auf alle verzichtet, die gerne Flash hätten, Porno-Apps oder es zumindest etwas billiger möchten.

Apple-Lehre Nummer 3 für Verlage: Reduktion.

Die publizistische Wundertüte mit verschwommenem Image tut es nicht mehr. Man kann eben nicht von allen geliebt werden. Hat Harald Martenstein also Recht, wenn er die publizistische Mitte für ein verschwindendes Phänomen hält? Fast. Denn nicht die Mitte ist tot, sondern die langweilige Mitte. Wenn schon Wundertüte, dann mit einem verdammt guten Markenwert und Qualitätsversprechen.

Vielleicht müssen sich Zeitungen auch noch stärker als Lifestyle-Signal positionieren.
Dirk Liedtke, Redakteur beim Stern erzählte* jüngst die Geschichte, wie er in Hamburg Menschen begegnet, die Neon derart demonstrativ unter dem Arm tragen, als hätten sie das iPad in der Hand.
Das müssen Zeitungen künftig wieder sein. Ein klares Statement zum eigenen Selbstverständnis des Lesers und zur Position im Leben. Genau wie manch einer sagt „Ich liebe Apple und ich hasse Microsoft“ braucht es auch in der Printwelt mehr Abgrenzung. Mit dem Lesen eines Blattes muss wieder mehr Bekenntnis verbunden sein.

Apple-Lehre Nummer 4 für Verlage: Mach das Blatt zu einem Statement des Lesers.

Und dann wäre da noch die Apple Lehre Nummer 5: Ein verteufelt gutes Produkt machen.

*Auf einer kleinen Diskussionsveranstaltung der Good School von Simone Ashoff mit Andrea Rungg (FTD), Dirk Liedtke (Stern), Thomas Knüwer und meinereinem.

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Kommentare zu “ Was Verlage von Apple lernen können ”

  1. DerQuerulant am 28. April 2010 um 15:44 Uhr

    Lieber Olaf,

    … ist ja alles schön und gut aber in Punkto “Apple-Lehre Nummer 4″ outest Du Dich zum schnöden Promoter.

    Schöne Grüße vom Querulanten

    • OlafKolbrueck am 28. April 2010 um 16:34 Uhr

      Meinst Du nicht auch noch Nummer 5. ;)

      Fühle mich zudem in bester Gesellschaft. Amir Kassaei: “Ich bin eine lebende Litfaßsäule von Apple. Weil ich dankbar bin dafür, dass sie mein Leben in den letzten 25 Jahren ein wenig schöner, besser, einfacher und effizienter gemacht haben.”

      Liebe Grüsse

  2. Herbert am 29. April 2010 um 08:19 Uhr

    Bei dem Bild handelt es sich offenbar um eine frühe Form der Re:publica im St. Oberholz. Statt in die Zeitung zu starren, blicken halt nun alle gebannt ins iPhone oder ins Laptop. Im übrigen spricht mir der Beitrag aus der Seele. Ich liebe Zeitungen, weil sie einen Anfang und ein Ende haben. Ich will keine vertiefenden Links klicken. Auch in diesem Blog nicht.

  3. Hugo E. Martin am 29. April 2010 um 10:19 Uhr

    Lehre No. 2: Und ich dachte immer, Apple gestaltet die Träume seiner tatsächlichen und präsumtiven Fans und lerne jetzt, Apple “liest” … Wer’s glaubt ;)

  4. Robert am 29. April 2010 um 12:26 Uhr

    Danke Olaf. Dein Wort in Burdas/Döpfners/you-name-him Ohr!

    Ein wichtiger Punkt in diesem ganze Copy-Test-, Markt- und Trendforschungs-Quatsch ist: wenn ich die Leute frage, was sie wollen, antworten sie mir was sie denken, das sie wollen. Was aber nicht das ist, was sie dann letztendlich auch wirklich kaufen.

    Wichtiger wäre, die Nähe zur Leserschaft (ich kann diese Floskel selbst nicht mehr hören weil sie vollkommen überstrapaziert und immer falsch interpretiert wird) mal endlich wirklich herzustellen, sich unter sie zu mischen. Damit ließe sich in Erfahrung bringen, was sie wirklich interessiert. In manchen Redaktionen – so habe ich das Gefühl – wird nicht geschrieben, damit es die Leser lesen, sondern der Anzeigenkunde, der Chef oder sonst irgendwer. Viele Blätter werden einfach nur noch zum Selbstzweck produziert (“Wir machen das, weil wir das schon seit Jahren machen und das machen wir gut.”) und nicht um irgendein Bedürfnis zu befriedigen oder Convenience zu bieten.

  5. Frank Schenk am 29. April 2010 um 15:19 Uhr

    > Apple-Lehre Nummer 2 für Verlage: Höre nicht auf deine Leser, lese ihre Träume.

    Ist es nicht eher umgekehrt? Apple erklärt seinen Nutzern/Fans, was sie zu träumen haben?

    gruß, Frank

  6. gnarf am 30. April 2010 um 14:42 Uhr

    Zu der “reinen Lehre” gehört auch die Kritik -> http://de.engadget.com/2010/04.....le-zuruck/

ivw