Die Räuber der Werbung. Eine Tragikomödie frei nach Schiller.
Wenn Werbung plagiiert wird, dann hat der geistig Bestohlene fünf Möglichkeiten, um darauf zu reagieren. Diese Möglichkeiten sind folgende: 1. Er reagiert gar nicht. 2. Er schreibt dem Plagiator einen Brief und bittet um unverzügliche Unterlassung. 3. Er schickt dem Plagiator eine Rechnung für die Übernahme einer gebrauchten Arbeit. 4. Er schaltet einen Rechtsanwalt ein. 5. Er schaltet Spießer Alfons ein. Die letzte der genannten Möglichkeiten ist erfahrungsgemäß die effektivste, weil es für den Plagiartdirektor die härteste Strafe ist, vor allen Kollegen und Wettbewerbern aufgespießt und damit der Branche inkl. Kunden vorgeführt zu werden.
Manchmal jedoch hat Alfons das ungute Gefühl, dass er auf den Arm genommen werden soll. So schickte Ulli Müller von der Hamburger Werbeagentur MKK dem Spießer einen Plagiatsvorwurf folgender Art: MKK hatte im Januar dieses Jahres im Auftrag der Grünen Landtagsfraktion in NRW eine „Bilanz der schwarzgelben Regierungsarbeit“ erstellt mit dem Titel: „Die Räuber in Schwarz-Gelb. Ein Trauerspiel in sieben Akten.“ Hierzu bedienten die Hamburger Werber sich – frei nach den Räubern von Friedrich Schiller – eines fremden Layouts, nämlich des von Reclam. Was Ulli Müller auch ungeniert eingesteht, da er sich vermutlich von dem betreffenden Verlag die Genehmigung eingeholt hat.
Und dann reagierten die Angegriffenen, und zwar die Landtagsfraktion der FDP, in nahe liegender Weise: Sie machten eine Replik der gleichen Art mit dem ebenfalls an Reclam angelehnten Layout – wenn Ihr Euch die beiden Werke bitte mal vergleichsweise vor Augen führen wollt!
Und nun kommt die Pointe bei diesem Stück: Herr Müller beschwert sich über dieses vermeintliche „Plagiat“ und moniert, dass das kein „Respekt vor geistigem Eigentum“ ist. Was man bei Reclam möglicherweise ähnlich sieht.
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Äh, …die Currywurst wurde glaube ich auch mal plagiiert. Man sollte doch tatsächlich mal alle Printmedien durchforsten, ob da nicht irgendwo voneinander abgekupfert wurde. Das werden gute Zeiten für Typografen.
Nicht nur die Currywurst, sondern auch die Cola, der Hamburger und der Müsli-Riegel!
Aber im Ernst: Das Design von Reclam ist eigenständig und unverwechselbar. Wer es für Werbezwecke klaut, könnte mit dem Verlag durchaus Ärger bekommen.
Da hat der Werber wohl vergessen, dass es sich hier um eine im weiteren Sinne der Satire zuzurechnenden Replik handelt – die gestalterische Aufmachung somit zwingend ist. Wohlgemerkt, die Gestaltung des FDP-Teilchens gegen das ausgeblichene Grün; inwieweit Reclam sich hier auf Plagiat beziehen kann, bleibt außen vor*.
*Ich schätze mal eher nicht, da es hier nicht um Konkurrenz, sondern wiederum um Referenz/Reverenz sowie Satire geht.
Die Replik hätte ich im Leben nicht freigegeben. Zeigt doch eigentlich nur, dass sie den Schwarz-Gelb-Kalauer nicht verstanden haben.
Die erste Idee ist genial. Der Bezug zu Schwarz-Gelb liegt zuerst mal in den Farben, dazu kommt noch die Anspielung an “Die Räuber”, die die meisten Leser wahrscheinlich in ihrer Schulzeit und damit als billiges bzw. günstiges Reclamheft gelesen haben. Ob diese Anspielung an das Reclam-Design bereits ein Verstoß gegen irgendwelche Rechte des Reclam-Verlags ist weiß ich nicht, das muss vermutlich ein Jurist bzw. ein Gericht klären. Ich würde tendenziell davon ausgehen, dass keine Rechte berührt werden, weil es keinerlei expliziten Verweis auf ein den Reclam-Verlag gibt. DIe einzige Verbindung ist die Gestaltung und die ist wirklich nicht besonders kreativ, möglicherweise aber geschützt.
Die “satirische” Antwort von Schwarz-Gelb ist mehr als schlecht. Das Buch-Cover ist immernoch schwarz-gelb und nicht wie eine passende Adaption rot-grün. Dazu kommt auch noch, dass die Reaktion eher einem Kind gleicht, dass gerade beleidigt wurde: “Selber doof”. Kreativitätsfaktor = 0
Ich denke mal, der FDP kam es bei ihrer Antwort nicht auf “Kreativität” an, sondern auf Wiedererkennung, sprich: Verständlichkeit der Replik. Das ist nicht sonderlich originell, aber warum muss es denn auch originell sein?
Ich erinnere mich dunkel, dass Reclam auch mal eine Reihe hatte [noch hat?], die mit Grün und Orange arbeitet. Tatsächlich hätte eine Änderung der Farben hier aber ohnehin nicht geschadet.
@Klecks: Weil das souverän gewesen wäre. Wenn man locker aus dem Handgelenk ausgekontert wird, steht man nämlich mit seiner eigenen Idee plötzlich ziemlich blöd da. Das da oben ist in der Tat, wie Bernd schrieb, “Selber-doof-Niveau”. (Wobei der Plagiatsvorwurf das Ganze leider auch wieder runterzieht. Insgesamt wohl eher eine Lose-Lose-Situation.)