Wenn die Blogger Trauer tragen
Eigentlich wollte ich einen Beitrag schreiben, dass dieses Geweine über verlorene Social Media Träume so überflüssig ist. Dieses Glockengeläut gegen die neue dunkle Seite der Macht namens Facebook viel zu schrill ist. Diese Friedhofsstimmung, die den Begriff Social Media für beerdigt erklärt, weil man ihn nicht mehr hören kann, während ihn weite Teile der Welt nicht einmal begriffen haben, viel zu novembermäßig daherkommt. Willkommen in der Ebene des Lebens.
Dann wollte ich schreiben wie ich ein wenig von der kleinen Trauer nachfühle, die Martin Oetting empfindet, ohne den ich vom Internet nur die Hälfte verstehen würde. Ich dachte kurz darüber nach, angesichts seiner angekündigten Passivität bei Facebook über Kosten-Nutzen-Relationen zu schreiben, über nötige Aufklärung und die blaue Seite der Macht, die nur solange existiert, wie die Rechnung für den Nutzer aufgeht. Wenn nicht, dann kommt eben etwas anderes. Vielleicht ist es auch schon da.
Und ich wollte darüber schreiben, dass für jeden die Rechnung anders aufgeht. Manch einer ist schon zufrieden, wenn er im Netzwerk Farmville spielt. Der nächste freut sich über ein paar virtuelle Geschenke, was andere Onliner grübeln lassen mag, was das denn für ein Menschenschlag sein muss, der sich über solche Kleinigkeiten so unreflektiert freut. So ist das mit der Avantgarde. Sie wundert sich darüber, wie der Massenmarkt sein Spielzeug nutzt. Jeder kann damit nach seiner Fasson selig werden.
Und ich wollte darüber schreiben, dass das Internet vielleicht eben doch nicht das digitale Woodstock ist, nicht der große Gesellschaftsentwurf, nicht die neue Welt, sondern nur eine große Stadt, in der eben auch diese kleinen Dinge, die digitalen Torten, die Ads zum „liken“, das bisschen rumstöbern, der verknappte Email-Ersatz, das rumdiskutieren in drei Sätzen ihren Platz haben. Jeder bekommt das Internet, das er verdient.
Und dann wollte ich darüber schreiben, dass meine Facebook-Angaben nahezu alle (man blickt da ja nicht durch) auf öffentlich stehen, weil ich eh nur das veröffentliche, was ich selbst einem flüchtigen Bekannten erzählen und zeigen würde. Und selbst das ist noch so einiges, weil es mir viel zu mühselig wäre, ein Geheimnis daraus zu machen, dass ich als Kind Heiligenbildchen gesammelt habe.
Und dann dachte ich, das sind alles so lose Gedanken, da wäre es vielleicht netter ein paar Leuten, die das freut, ein virtuelles Geschenk zu machen oder die Katze zu streicheln. Mach ich dann jetzt auch.
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Ich habe mich an die 90er jahre und die Aufbruchstimmung damals zurück erinnert. Alles schien möglich, eine neue Welt sollte gestaltet werden. Kein Excel-Sheet zu kompliziert, um nicht die Zahlenkolonnen, die sich als Wunschdenken heraustellen sollten, aufzunehmen. Was blieb? In letzter Konsequenz die Marktmechanismen, die es schon immer gab, angepasst auf das neue Medium.
Wunderbarer Stoff zum Nachdenken… danke, Elisabeth