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Digitale Identitäten

20. Mai 2010
von

„Wer bin ich, wenn ich online bin?“ fragt ein Buch des Technologie-Autors Nicholas Carr, das im Herbst erscheint. Dabei geht es darum, wie das Internet unser Denken verändert, doch der Titel offenbart ein Dilemma vieler Onliner: Die digitale Identität. Zwischen Dialogen und Profilen auf Twitter, Facebook und Co stellt sich vielen die Frage, wie sehr ihr Online-Leben und das der anderen mit dem realen Selbst noch übereinstimmt.

Hinzu kommt womöglich der Stress, all die Rollenmuster unter einen Hut zu bekommen. Bin ich der, der ich bei Facebook bin auch bei Twitter? Wie rede ich wo und mit wem und was habe ich letzte Woche noch gesagt? Und erkenne ich mich im realen Leben noch wieder?

Denn ein bisschen Narzissmus, ein wenig Selbstdarstellung, manche Beschönigung ist immer dabei. Da können schnell kognitive Dissonanzen zwischen analogem und digitalem Dasein entstehen.

“Schwächen zugeben, Fehler eingestehen, Schwierigkeiten haben, traurig sein, sich ohnmächtig fühlen, all diese menschlichen Gefühls- und Verhaltensvariationen schicken sich nicht für einen Menschen, der in der Online-Welt zu Hause ist”, vermutet Ibrahim Evsan.

Aber macht uns das nicht gerade interessant?

Authentisch sein, Mensch sein.

Ein Online-Motto “Nerv mich nicht mit deinem wahren Leben” wäre fatal.

Nur: Langeweilern hört keiner zu. Pimpen wir unsere virtuelle Existenz also auf? Und machen wir das nicht eh auch im normalen Leben immer ein wenig? Aber online geht das leichter, weil es niemand sehen kann, wenn wir nicht mehr stylisch auf der Next10 herumstehen, sondern uns über eine ereignislose, langweilige Woche freuen und in schlabbrigen Unterhosen twittern. Kein schönes Bild. Selbst bei Chatroulette will das niemand sehen.

Fest steht: Authentisch sein und bleiben macht weniger Mühe. Gut für den Long tail. Und wer nur an unserer digitalen Hperventilierung interessiert ist, an dem hätte man vermutlich auch im analogen Leben wenige Freude. Im Zweifel also lieber weniger perfekt. Dafür bequemer und echter. Die Unterhosen sieht ja keiner.

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Kommentare zu “ Digitale Identitäten ”

  1. Timo Lommatzsch am 20. Mai 2010 um 08:12 Uhr

    Vielleicht liegt es ja daran, dass ich Digital Native bin, dass ich das Gestalten und Leben meiner online Identitäten immer nur als natürlich intuitiv und seltenst problematisch gesehen und erlebt habe? Vielleicht aber auch daran, dass ich nicht verstehe warum mancher zwischen online und “realem Leben” unterscheidet. Online ist immer Teil meines realem Lebens. Da gibt es keinen Unterschied, das eine beinhaltet das andere.
    Ich glaube aber, das Menschen die “Probleme” mit ihrer online Identität haben auch oft offline Probleme haben z.B. mit der Gestaltung oder auch Kongruenz ihre beruflichen und privaten Identität(en).

  2. Thomas K. am 20. Mai 2010 um 08:55 Uhr

    …um so wichtiger das Du es bist: authentisch!

    Authentizität spielen wird schwierig ;-) – Spätestens beim Aufeinandertreffen von Menschen die, jeder für sich, auch eine virtuelle Indentität haben.

    Da fällt mir der Spruch meiner Oma ein (Gott habe sie seelig): Sprich so wie Dir das Maul gewachsen ist. (Aber möglichst mit Herz)

  3. Timo Lommatzsch am 20. Mai 2010 um 09:06 Uhr

    Wobei auch ganz wichtig ist, dass authentisch sein, nicht umbedingt bedueten muss immer gleich, logisch oder stringent zu sein. Einzelne Menschen haben viele unterschiedliche Facetten, Leidenschaften, machen Erfahrungen, lernen, verändern sich, werden zuweilen unberechenbar, überraschen sich manchmal selbst mit Ihre Gedanken und Gefühlen etc. Das kann, darf und soll man auch mit seinen Identitäten/Rollen on- und offline verbinden und leben können.

  4. Nicole Haase am 20. Mai 2010 um 11:16 Uhr

    Klar, ohne Authentizität, sprich einer Prise Persönlichkeit, kein wirklich anregender Austausch, der auf lange Sicht fesselt.
    Doch trotzdem sollte man, meiner Ansicht nach, schon in gewisser Form ein Rollenbild in Form von Grenzen für sich festlegen. Es eignen sich nunmal nicht alle Hobbies und Lebenbereiche zum Veröffentlichen (unter realem Namen ;) ).

  5. René Artois am 20. Mai 2010 um 15:51 Uhr

    Endlich werden hier die wichtigsten Fragen der Menschen diskutiert, als da sind:
    1) Wo komm’ ich her?
    2) Wo geh’ ich hin?
    3) Wo gibt’s Freibier?

  6. Lea am 21. Mai 2010 um 15:25 Uhr

    Lesetipp in Sachen digitaler Identität: http://www.amazon.de/Digitale-.....038;sr=8-1

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