Wir Diebe
Beim Streit zwischen der FAZ und ihrem Ex-Blogger mspro geht es auch um die Missachtung von Bildrechten. Der Fall ist nur ein weiterer Beleg für den zumindest sorglosem Umgangen mit Urheberrechten im Web. Denn die Missachtung der Rechte anderer wird im Web nur zu gerne als Kavaliersdelikt gesehen. Tschuldigung. Schwamm drüber.
Bleiben wir im Moment noch einen Augenblick beim konkreten Fall. Offensichtlich hat mspro, auch noch nach einem entsprechenden Hinweis der FAZ doch bitte künftig Obacht walten zu lassen, wiederum Bilder verwendet, die zwar unter CC-Lizenz, aber nicht für die kommerzielle Verwendung erlaubt waren. So etwas kann teuer werden. (Aber es soll hier nicht um mspro gehen. Er ist nur der Anlass für dieses Posting.)
Man darf von Fußgängern erwarten, dass sie die Ampelphasen kennen. Genauso darf man von Bloggern erwarten, dass sie den No-Brainer CC-Lizenz verstehen. Man sollte zudem von Bloggern und Internetveröffentlichern – schon aus Selbstschutz – ein wenig gesunden Menschverstand in Sachen Urheberrecht erwarten. (Nicht bis in alle Untiefen, in denen dann klar wird, dass selbst Blogger, die einen Flattr-Button einsetzen, schon kommerziell agieren.)
Aber selbst Kennerschaft schützt vor Gedankenlosigkeit nicht. Das ist auch schon in diesem Blog ein- zweimal im Übereifer bei Bildern passiert und wurde prompt korrigiert. Spießer Alfons und meinereiner bilden da gegenseitig ein gutes Korrektiv.
Aber: Es genügt ein Blick in die weiten der Blog-Welt um zu sehen, dass selbst Kommunikationsexperten wiederholt Bilder und zuweilen ganze Texte beispielsweise aus Branchendiensten ohne weitere eigene Einordnung kopieren und dauerhaft zweitverwerten, ohne sich dabei über die Rechte auch nur im geringsten Gedanken zu machen. Individuelle Beispiele spare ich mir an dieser Stelle. Es macht keinen Sinn einzelne anzugreifen.
Man muss nur mal quer durch Posterous klicken. Denn das Blogsystem macht es ja besonders einfach, sich überall zu bedienen. Grob gesagt: Bild oder Text anklicken, veröffentlichen, fertig ist die Urheberrechtsverletzung. Und ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich dort nicht selbst mit all den Youtube-Filmchen und Hypergrafiken längst zum Mehrfachtäter geworden bin. Grund genug für mich Posterous nur noch in Ausnahmefällen zu nutzen und noch sorfältiger vor der Veröffentlichung nachzudenken.
Es ist aber nicht nur eine technische Frage. Es ist auch eine Frage des Respekts. Eine Frage des Respekts gegenüber den Leistungen, Rechten und den Wünschen anderer. Und dieser Respekt wird häufig allzu leichtfertig mit Füßen getreten. Natürlich sind das Einzelfälle. Immer. Überall. Nicht aus krimineller Energie, sondern aus Gedankenlosigkeit.
Genauso wie ich als gedankenloses Kind ein Einzelfall war, wenn ich in fremden Gärten Blumen gepflückt habe. Ich wusste, dass das nicht in Ordnung war. Aber ich habe mich nicht erwischen lassen. Und wenn ich erwischt wurde: Tschuldigung. Schwamm drüber. Aber so wie ich Nachbars Garten behandelt habe, so behandeln auch im Web heute viele fremdes Eigentum.
Gedanke zum Wochenende: Wenn das Web eine Schicht ist, die sich um die Welt gelegt hat, dann möchte ich als Freund der Broken-Window-Theorie nicht wissen, wie es darunter aussieht,
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Rechte und Internet ist so eine Sache – Das Thema wird uns sicherlich noch ein paar Jahre beschäftigen.
Aber ich würde deshalb nicht gleich sagen, man darf nichts mehr posten und verlinken. Fakt ist Content-Klau ist Diebstahl und schlecht. Aber wenn ich es makiere mit einem Quell-Link und sage das es nicht von mir ist dann ist das auf jeden Fall ein bisschen besser (ich sage nicht perfekt)
Ob jeder kommerziell Handelt nur weil er einen Flattr Button hat? Hmm das ist ehere fragwürdig.
Und eins noch: Wenn man Bilder, Video o.Ä. im Blog verwenden will und so ehrlich ist und nachfragt ist das OK – aber oft kann man gar nicht fragen weil man keine Ahnung hat wem die Rechte jetzt eigentlich gehören.
Ein bisschen was zum Thema Flattr und Kommerz findet man hier: http://tinyurl.com/243wcuy
Dass man bei selbstgeschossenen Bildern von Gebäuden nicht zu 100% Bescheid weiß, liegt in der Natur der komplizierten Sache. Aber als Internetvorturner und Holzmedienkritiker ausgerechnet von der FAZ bei einem Verstoß gegen ausgerechnet die CC erwischt zu werden, ist schon eine andere Nummer.
Vielleicht bringt das aber endlich mal etwas Nachdenklichkeit in die Bemühungen, Blogs und Kommerz unter einen Hut zu bringen. Irgendwie hab ich immer das Gefühl, Blogger denken, sie könnten einfach weiter machen wie immer, nur eben gegen Bezahlung. Wenn man sich aber plötzlich gewissen Regeln unterwerfen muss, merkt man schnell, dass dem eben nicht so ist.
(Wobei mir bewusst ist, dass es auch fürs nichtkommerzielle Bloggen Regeln gibt, aber gerade die CC-Lizenzen sind da eigentlich sehr deutlich formuliert. No-Brainer trifft es ganz gut.)
Jein. Das ganze ist etwas komplexer. Etwa YouTube und andere Player-basierte Inhalte: Diese werden nicht kopiert – die Inhalte liegen auf den Original-Servern und werden auch dort ausgeliefert. Der Player ist quasi ein Ausschnitt des Betreiber-Portals. Es handelt sich um ein Zitat und keine Kopie. Die Quelldatei lässt sich schließlich nicht regulär extrahieren (Ich weiß, ich weiß, es gibt Websites…).
Der Marc Frey weiß in diesen Dingen sehr gut bescheid, weil er das alles für sein geniales Miki-Konzept durchexerziert hat. Eventuell macht es Posterous ja genauso.
Bei den Creative Commons tut einfach mehr Aufklärung not. Es reicht definitiv nicht aus, nur zu schreiben
“Keine kommerzielle Nutzung — Dieses Werk bzw. dieser Inhalt darf nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden.”
Juristen mögen sofort wissen, was es mit der kommerziellen Nutzung auf sich hat, Blogger (und Journalisten!) wissen das jedoch nicht notwendigerweise.
Vielleicht ist das ein gutes Thema für eine Session auf dem Barcamp Rhein-Main/Frankfurt dieses Jahr (im Herbst?). Henning Krieg, übernehmen Sie.
Ein vielleicht allzu naiver Ansatz, aber wenn ich posterous benutze, dann ist das für mich lediglich ein Vehikel um über Inhalte (anderer Leute)zu sprechen und darauf hinzuweisen. Ich käme gar nicht auf die Idee, mir diese Inhalte zu eigen zu machen. Ausserdem liegt in diesem Moment kein kommerzielles Interesse auf meiner Seite vor. Im Gegenteil, ich schicke – wenn auch in bescheidenen Grössenordnungen, Traffic zu den Urhebern. Dass diese ihren Traffic nicht monetarisieren können, ist nicht mein Problem.
Damit ist meine Posterous-Nutzung meiner Facebook-Nutzung sehr ähnlich.
Auf meinem Blog, wo ich tatsächlich auch blogge (bitte die Differenzierung beachten), verwende ich freilich entweder eigenes oder entsprechend CC: lizensiertes Material. (Ausflüge in die Grauzone von Youtube mal ausgenommen.)
Wir brauchen dringend ein anderes Verständnis, von dem wie im Netz kommuniziert wird. Wenn ich meinem Kollegen einen Artikel aus der Print-WIRED zeige, weil ich das Foto gut finde, dann mache ich mir ja auch weder Foto noch Artikel zu eigen.
Also, wie gesagt, vielleicht naiv, sehe ich die Nutzung von Urheberrechtsverletzungsmaschinen wie Posterous und Facebook eher als eine Art “Attachment” zur echtzeit Onlinekonversation.
Es ist sogar noch etwas komplizierter: mspro hat dieses Bild verwendet:
http://www.flickr.com/photos/a.....680276394/
Auf den ersten Blick steht das Bild frei zur kommerziellen verwendung. Doch ein Klick weiter sieht man: der Einsteller hat das Bild höchstwahrscheinlich nicht selbst erstellt, sondern einfach ein Apple-Werbemotiv geklaut.
Das mag in diesem Fall vielleicht sogar von Vorteil sein, da Apple seine Werbemotive wahrscheinlich gerne in der Presse sieht. Es ist aber zuerst einmal ein Lizenzbruch wenn jemand die Werke von anderen als eigenes Werk bei Flickr einstellt und dazu dann eine eigene Lizenz pappt.
Zum zweiten sind die CreativeCommons-Lizenzen nicht ganz so narrensicher, wie immer kolportiert wird. Zur Zeit geht auch eine Fotografin gegen Webseiten vor, die ihre Bilder verwenden, die sie in Wikipedia eingestellt hat – mit der Begründung, dass die Lizenzhinweise nicht ausreichend seien.
Bei uns wird auch staendig gestohlen. Wir gehen nur gegen die grossen vor und beschweren uns. Auch da gibt es ja grosse Unterschiede…
Ich habe jede Menge Bilder auf flickr unter CC(by,nc) stehen. Zur Zeit wird eines davon von einer großen amerikanischen Tiercommunity-Seite verwendet für ein WM-Tippspiel (incl. Link und Credits). Die Seite wird von Procter & Gamble betrieben, (eigentlich dürften die genug eigene Fotos haben) ist also eindeutig kommerziell.
Das Problem dabei ist nur: wenn ich mich bei denen beschweren will, fordern die laut “terms of service” eine halbe Diplomarbeit und dermaßen viele persönliche Informationen, die ich ihnen aber nicht geben will (wer weiß wo diese landen). Wegen der absehbaren zeitlichen Begrenzung der Nutzung ist es mir den Stress und die Nerven nicht wert mich, auch noch in englisch, drum zu kümmern.
In deutschen Fällen habe ich gute Erfahrungen gemacht einfache eine Rechnung zu schicken. In den meisten Fällen werden die Bilder sofort entfernt, ab und zu sogar bezahlt.
noch ein Roland: Dafür gibt es den DMCA. Du musst den Betreiber lediglich per Formschreiben lediglich über einen Bruch Deines Urheberrechts informieren.
Ich denke auch, dass hier lieber von Einzelfall zu Einzelfall unterschieden werden sollte. Man erkennt die kommerzielle Verwendung hiervon recht schnell und hier sollte man unterscheiden. D.h. nicht, dass ein Bild oder ähnliches automatisch einer kommerziellen Nutzung entspricht, wenn Adsense oder ähnliches auf einer Seite verwendet wird, aber wenn es sich um fragwürdige Inhalte handelt, die lediglich zur Monetarisierung erstellt/geklaut worden sind, dann ist eine Verfolgung dieser Verwendung angebracht. Handelt es sich aber um einen augenscheinlich privat genutzten Blog, der sich lediglich ein Taschengeld mit Adsense oder ähnlichem verdient und eigene Artikel mit einem Bild angereichert hat, so sollte hier ein Anschreiben mit der Bitte um ENtfernung des Bildes reichen.