Ein Plakat-Anschlag oder genauer gesagt: ein Anschlag auf ein Plakat
Klaus Klages aus Bayern ist nicht nur Kamelzüchter und Verleger von spruchreifen Kalendern, sondern der Mann ist auch Nichtraucher. Genauer gesagt: militanter Nichtraucher. Und deshalb bekriegt Klaus Klages alles, was für Zigaretten-Konsum wirbt. Für ihn ist das Tun und Treiben der Tabakhersteller und Verkäufer eine “Beihilfe zum Selbstmord”. Dass er früher selber mal geraucht hat (“Ich ging meilenweit für Camel!”) und sogar Werbung für Zigaretten gemacht hat, bestärkt ihn heute besonders darin, das Gegenteil zu tun und damit Gutes. Schließlich hat er Nikotin und Teer überlebt, weshalb er im Rückblick dankbar ist, dass er selber seine Sucht besiegt hat. Und deshalb bekriegt er heute die Rauchwarenindustrie. In diesem seinem Krieg bedient sich Klages der in Werbekreisen beliebten Guerilla-Taktik, bei der er höchst selbst aufs “Schlachtfeld” geht.
Jüngstes Beispiel für eine aktuelle Klages-Kampagne: In Bayern geht es am 4. Juli um den Verbotsentscheid zum totalen Rauchverbot. Die gesamte Zigaretten-Industrie sagt dazu “NEIN!”, Klaus Klages dagegen sagt: “FEIN!”. Und diesbezüglich machte er kurzerhand aus einem N ein F – wenn Ihr bitte mal die beiden Beweisfotos vergleichen wollt!
So wird eine Kampagne durch Austausch eines einzigen Buchstabens ins Gegenteil verkehrt. Ob Klaus Klages die Rache der Tabakhersteller fürchtet, die darüber in die Luft gehen könnten wie dermaleinst das berühmte HB-Männchen? Im Gegenteil: Wenn die kommen würden, dann bekäme die Klages-Kampagne erst die richtige Breitenwirkung in den Medien! Denn was sich zu früher geändert hat: Seitdem die Zigarettenwerbung in Zeitungen und Zeitschriften verboten ist, müssen deren Redakteure kein Blatt mehr vor den Mund nehmen in der Angst, dass bei kritischer Berichterstattung eine Anzeige storniert werden könnte.












In vielen Jahren der Pfeifentabakwerbung habe ich zumindest eines gelernt: Rauchwaren sind bearbeitete Tierfelle und haben nichts mit Tabak zu tun.
Es sei denn, die Felle stammen von Tieren aus den Versuchslaboren der Tabak-Industrie oder -Gegner.
Es gibt Worte mit doppelter Bedeutung. Ein Messer zum Beispiel ist nicht nur ein Ding zum Schneiden, sondern auch jemand, der etwas misst. Und wer eine Mutter hat, der muss nicht eine Schraube locker haben, wenn Du weißt, was ich meine. Genau gesagt: Rauchware sind Pelze. Und Rauchwaren sind Waren zum Rauchen.
Klages ist immer wieder für einen Lacher gut. Ich wundere mich allerdings ein wenig darüber, dass Spießer Alfons seinen Plakatvandalismus gutheißt; hatte der Ahrensburger nicht vor einiger Zeit mal gegen so etwas geschrieben?
Gut aufgepasst, mein Lieber!
Aaaber: Wenn es um Unheil geht (zum Beispiel Plakate für Rechtsradikale oder für Beihilfe zum Selbstmord), dann darf man dagegen einschreiten!
Wie die Initiative Volksentscheid Nichtraucherschutz gestern veröffentlichte stammen drei Viertel der Mittel für die Kampagne “Bayern sagt nein!” von der Tabaklobby ( http://www.nichtraucherschutz-.....erich.html ). Dass es die Tabaklobby trotz ihres vergleichsweise großen Budgets dennoch nicht geschafft hat, das Volk weiter zu verdummen und ungehemmt mit ihrem Qualm zwangszubeglücken ist ein erfreuliches Zeichen dafür, dass vielleicht eine Vielzahl von Politikern von der Tabaklobby gekauft werden können, aber nicht das ganze Volk.
Damit steht es im Match
Bayern vs. Tabaklobby
1:0
Trotzdem sollte jedoch niemand vergessen, dass die Tabaklobby damit noch lange nicht besiegt ist. Sie kämpft weiter – teilweise mit sehr zweifelhaften Mitteln – um die Raucher weiterhin beim Glimmstängel zu halten. Und nachdem der Tabakindustrie jährlich mehr als 100.000 Kunden wegsterben muss sie den Nachwuchs bei den Jugendlichen rekrutieren (da so gut wie kein Erwachsener noch mit dem Rauchen anfängt).
Dafür wirbt beispielsweise British American Tobacco für seine Marke Lucky Strike aktuell mit der Fußballweltmeisterschaft ( siehe http://www.aktiv-rauchfrei.de/.....ussball_wm ) – obwohl Tabakwerbung mit Sportbezug nach dem Tabakgesetz bzw. Selbstverpflichtung der Tabakindustrie verboten ist.
Ach je, 37,7% Wahlbeteiligung (Raucher sind wohl die gelasseneren Menschen und hielten eine Abstimmung gemeinhin für unsinnig!?) und davon gut 60% für ein striktes Rauchverbot (also auch bestenfalls einfache Mehrheit). Das macht nach Adam Riese und Söhnen popelige 23% der gesamten Wahlberechtigten.
Liebe Freunde in Bayern: Das ist nicht einmal ein Viertel! Da könnt ihr es auch gleich in Euren Amtsstuben entscheiden! Hinzu kommt in diesem Fall noch, dass ein Bevölkerungsanteil, der sich überdurchschnittlich häufig in Kneipen, Bars u.ä. aufhält, gar nicht mit abstimmen konnte: Die 16- und 17-Jährigen nämlich.
Übrigens: Obwohl ich Raucher bin, ist mir das Abstimmungsergebnis erstmal völlig egal: Schlimm finde ich allerdings, dass ein solcher “Volksentscheid” aufgrund eines peinlich unzureichenden Wahlverfahrens überhaupt keiner ist. Und dennoch müssen dann alle nach der betreffenden Pfeife tanzen. Nicht gerade ein Musterbeispiel für tolle Demokratie. Tsss…
Ick will ja nich mosern – aber gerade dieser Volksentscheid ist gelebte Demokratie. Denn
a) in der Demokratie gilt die Entscheidung der Mehrheit und
b)kann in der Demokratie jeder seine Stimme abgeben.
Wer´s nicht getan hat: Pech gehabt! Immerhin hätten auch die Raucher zur Abstimmung schreiten können, um ihre Stimme gegen ein Rauchverbot abzugeben.
Ich hätte es getan. Als Demokrat und als Raucher.