Facebook: der Feind im Inneren
Der größte Feind von Facebook ist sicher nicht Ilse Aigner. Der größte Feind von Facebook ist Mark Zuckerberg. Nicht, weil demnächst ein Film die Schattenseiten des neuen Social-Network-Moguls beleuchtet, sondern weil das Wachstum selbst zu einem Risiko wird.
Große Imperien gehen immer wieder an ihrer Überdehnung zugrunde. Das könnte auch Facebook passieren. Problematisch ist denn auch nicht die immerwährende Debatte um Datenschutz und Privatsphäre, sondern die Ausdehnung des Social Networks in die Tiefen des Web.
Der Like-Button ist nur der Anfang dieser imperialen Ausdehnung. Wenn Facebook weiter auf dem Weg des Social Search unterwegs ist, zur Suchmaschine des Social Graph wird, könnte es zum neuen Google werden. Jetzt will Facebook die soziale Suche ermöglichen, indem es Seiten in den Suchergebnissen einbindet, die den Like Button nutzen. Es ist eine Grenzüberschreitung. Es ist vielleicht nicht nicht der Rubikon.
Aber es ist ein erster Schritt an sein Ufer. Denn damit wandelt sich das die gesamte Kultur des Unternehmens. Und damit ändert sich der Gesellschaftsvertrag, den das Netzwerk ursprünglich mit seinen Nutzern geschlossen hat.
Im ursprünglichen Vertrag ging es letztlich nur darum, via und in der Plattform Kontakte zu knüpfen, Bilder hochzuladen und ein wenig zu plaudern. Im Gegenzug mussten die Nutzer Werbung aushalten.
Nun aber verlässt Facebook allmählich den gemeinsamen Boden dieses Vertrages in dem es sich zu einem Betriebssystem des Web wandelt. Möglich, dass dies so gar nicht im Sinne der Nutzer ist. Schon zeigt eine Studie eine Facebook-Müdigkeit auf. Es könnte der Beginn einer schleichenden Erosion sein. Es wird nicht morgen passieren. Auch der Untergang des römischen Imperiums zog sich über Dekaden dahin.
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“Problematisch ist denn auch nicht die immerwährende Debatte um Datenschutz und Privatsphäre, sondern die Ausdehnung des Social Networks in die Tiefen des Web.”
Dabei hat der Hamburg-Blog die Like-Buttons doch entfernt, WEIL sie wissen möchten, was mit den übermittelten Daten passiert. Also doch Thema Datenschutz.
Ich wüsste nicht, wie Facebook sich selbst zerstört, indem es sich durch den Social Graph “ausdehnt”.
Man muss es ja nicht nutzen. Wobei der Like-Button mittlerweile auf so gut wie jedem Blog zu finden ist. Was wohl eher für Akzeptanz spricht.
Wäre zu hoffen, dass irgendwo ein Startup an einer Plattform werkelt, das all das richtig macht, was Facebook nicht richtig machen will. Das einfach und logisch zu bedienen ist. Das Datenschutz per Privacy-Schieber ermöglicht – und Nutzern hilft, ihre Kontakte in verschiedene Kreise der Privatheit einzuteilen (damit ich den Kreis derer, die die Bilder von Tante Friedas Kuchenexzessen zu sehen bekommen, nicht mühsam von Hand eingeben muss, sondern einfach über eine Liste.) Das wirklich offen ist für Plugins, IDs und Dienste, die auf dem Netz aufsetzen – und nicht nur mit allen Tricks versucht, Traffic ins Netz hineinzulotsen. Und plötzlich setzt eine Riesen-Bewegung ein, die Facebook innerhalb weniger Monate verwaisen lässt.
Abwegig? Im Augenblick: ja. Aber auch MySpace war mal unangefochtener Marktführer und hat dann einfach das Denken eingestellt. Man hatte doch Murdoch und seine Millionen, was musste man da an die Nutzer denken? Die Entwicklung der Plattform hatte sich der Monetarisierung unterzuordnen – das Ergebnis ist bekannt. Und so halte ich es gar nicht für abwegig, dass in gar nicht zu ferner Zeit Facebook ein Ding von gestern ist. Einfach, weil der Konzern in bestimmte Richtungen nicht gehen will – und andere Plattformen dieses Terrain erobern. Und besser sind.
(Wenn es übrigens dieses beschriebene Startup irgendwo gibt: der Autor dieses Kommentars würde sich über eine kurze Mitteilung freuen.)
Lieber Jan !
Beobachte die “Wolken” am Himmel……und Du wirst es sehen. MySpace steht am Anfang einer langen Liste. Facebook wird es auch treffen. Wenn (Bier-)Ideen zu Grosskonzernen mutieren kommt es immer wieder zu Blasenblidungen kommen. Und das ist auch gut so. Die Früchtchen Apple und Blackberry werden auch bald im Chor mitsingen. Da der Change jedoch verschoben vor sich geht, wird es immer solche geben die aussteigen und woanders neu einsteigen. Nachwuchs braucht auch die virtuelle Welt und Ausdehnung in unerforschte Gebiete auch…..das Leben wandelt sich permanent und wir wandeln uns mit – ob wir wollen oder nicht.
Doch Konzerne überschätzen sich wenn sie sich als neue Messiases sehen. Marketing ist zur unser aller neuen Religion geworden…
Gibt es: Diaspora. http://www.joindiaspora.com/
Ein paar Entwickler die Geld (u.a. von Zuckerberg) eingesammelt haben und jetzt an einem OS Social Network arbeiten. Einem, bei dem jeder seinen eigenen Knoten mit allen eigenen Daten betreibt.
Und wenn das Schwung aufnimmt, wird man sich die Knoten auch mieten können.
Zu der Müdigkeit: Wenn ein Autobauer ein Nachfolgemodell baut, dann müssen auch nicht alle damit zufrieden sein. Doch bleiben wir bei dem Beispiel von Software. Jedes Jahr kämpfen z. B. EA und Konami um die Fußballkrone. Jedes Jahr gibt es Fans jeder Serie, die sich über die Neuerungen beschweren. Dass verbietet aber doch beiden Unternehmen nicht, sie trotzdem weiter zu entwickeln.
Ich finde den Vergleich, der hier angeregt wird, durchaus statthaft, als man denke nur an die Verbindung von Herrschaft und Medien, die Harold Innis rausgearbeitet hat. Doch in einem Punkt geht mir das zu weit, weil ich latent rausgelesen habe, dass Zuckerberg böse sein soll, weil ja Facebook im Grunde den Usern gehört. Keiner der User hat ein Recht darauf – genauso wenig wie man in der Disko mit einem Paar Schuhe X vielleicht nicht reinkommt. Wenn einem die Spielregeln nicht gefallen, kann man was dagegen tun. Es gibt immerhin sogar Leute, die auswandern, weil ihnen Deutschland nicht zusagt, bzw. die Regeln in diesem Land. Von daher find ich da nichts Besonderes daran, wenn Nutzer von ihrem Recht Gebrauch machen. Nur darf man eben dann nicht den Kopf von Zuckerberg in eine Schlinge stecken, die es nicht gibt.
Ich kann die ganze Disskusion um Facebook nicht mehr hören. Wer mit all den Nebeneffecten klar kommt, soll es nützen, wer nicht der soll eben bleiben lassen. Dann wird man schon sehen was mit Facebook passieren wird