VDZ: Mit Gutenberg gegen Google
Es ist ein Kampf der Verlage mit Bleilettern gegen das Internet, den der VDZ, Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, dort in seiner Anzeige veranstaltet – siehe die Abbildung! Da muss man sich auch gar nicht länger fragen, warum Zeitschriften so viele Anzeigenseiten verloren haben: Das liegt nicht allein an der Wirtschaftsflaute und am Internet, oh nein! Sondern das liegt zunehmend auch an der Unfähigkeit der Zuständigen, die nicht mehr wissen, was Anzeigen in Zeitschriften überhaupt bedeuten.
Corpus delicti: Wir sehen eine Annonce, die an Gutenberg erinnert: Druck mit beweglichen Lettern. Lettern in Blei. In Blei!!! Die wurden früher mal beim Buchdruck benutzt. Auch Tageszeitungen wurden in grauer Vorzeit mit Bleilettern gedruckt. Tageszeitungen!!!
Zeitschriften, um die es hier geht, wurden so gut wie niemals mit Bleilettern gedruckt. Sondern im Tiefdruck. Und später im Offset. Was also sollen die Bleibuchstaben in einer Anzeige für Zeitschriften aussagen? Klar: Wir, die Macher dieser Anzeige, haben null Ahnung vom Business. Und wir, die Auftraggeber, ebenfalls nicht, weil wir noch bleiern denken.
Es gibt heute keine Werbegestalter mehr, die vernünftige Verlags- bzw. Print-Werbung machen können. Kreative, die auf einem weißen Stück Papier eine spannende Botschaft für den Leser gestalten, die eine Anzeige ist. Aber wenn nicht mal die Auftraggeber wissen, was Sache ist, woher soll denn so ein junger Agenturkreativer das wissen, der den Unterschied nicht kennt zwischen einer Zeitung und einer Zeitschrift und sich vermutlich fragt: Wo liegt eigentlich der Gutenberg? (Spießiger Tipp: Einfach mal den Reinhold Messner fragen!)
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Ach, das ist ein Berg!
Ich hatte schon Angst wir ziehen in den Krieg … gegen Google, Fortschritt, andere Leute.
Weißes Stück Papier? Dann lächelt ja niemand in die Kamera. Das geht aber nicht.
In vielen Verlagen lebt man im Metallzeitalter: Silber im Haar, Gold in den Zähnen und Blei im Hirn. Kein Wunder, was für ein Blech dabei herauskommt!
Totaler Schmarrn. Bleilettern symbolisch für traditionell Gedruckes. Solche Bildsymbole existieren in allen Bereichen und haben sich von ihrem realen Inhalt in aller Regel abgekoppelt.
Aber wer halt sein Feindbild bestätigt sehen will, wird schon was finden…
Quark. Ich bin hier im Internet einer der letzten Fans von Print und habe das Fähnchen immer aufrecht gehalten. Fällt leider nach so einer antiquierten Darstellung aus der Zeit Gutenbergs ziemlich schwer.
BS. Weil: Mit den Bleilettern wird der Großteil der Betrachter das “schwarze Gewerbe” assoziieren. Also: Goldrichtig. Ähnlich metaphorisches Motiv für Tiefdruck oder Offset? Fehlanzeige.
Mithin: Thema verfehlt! Die Anzeige ist goldrichtig so. Jedenfalls was die Ausführung angeht.
Genauso wird der VDZ auch argumentieren, wenn er diese schwerfällige Reklameannonce verteidigen würde.
Außerdem: Das Druckgewerbe nennt man die “schwarze Kunst”. Das “schwarze Gewerbe” ist etwas anderes.
Eigentlich sagt diese Anzeige doch klar und deutlich: Druck stammt aus einer Zeit, als es weder Internet noch Zeitschriften gab. Und: Buchdruck hat sich inzwischen überholt durch neue Techniken.
Es geht hier nicht um ein Symbol für Tief- oder Offsetdruck, es geht hier um das Werbemittel Anzeige! Jedenfalls sollte es darum gehen….!
Genau genommen handelte es sich um eine Blei-Zinn-Antimon-Legierung.
Genau. Ich hatte in meiner Abschlussprüfung in Technik das Thema “Galvano”… ;_)