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VDZ: Mit Gutenberg gegen Google

9. Juli 2010
von

Es ist ein Kampf der Verlage mit Bleilettern gegen das Internet, den der VDZ, Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, dort in seiner Anzeige veranstaltet – siehe die Abbildung! Da muss man sich auch gar nicht länger fragen, warum Zeitschriften so viele Anzeigenseiten verloren haben: Das liegt nicht allein an der Wirtschaftsflaute und am Internet, oh nein! Sondern das liegt zunehmend auch an der Unfähigkeit der Zuständigen, die nicht mehr wissen, was Anzeigen in Zeitschriften überhaupt bedeuten.

Corpus delicti: Wir sehen eine Annonce, die an Gutenberg erinnert: Druck mit beweglichen Lettern. Lettern in Blei. In Blei!!! Die wurden früher mal beim Buchdruck benutzt. Auch Tageszeitungen wurden in grauer Vorzeit mit Bleilettern gedruckt. Tageszeitungen!!!

Zeitschriften, um die es hier geht, wurden so gut wie niemals mit Bleilettern gedruckt. Sondern im Tiefdruck. Und später im Offset. Was also sollen die Bleibuchstaben in einer Anzeige für Zeitschriften aussagen? Klar: Wir, die Macher dieser Anzeige, haben null Ahnung vom Business. Und wir, die Auftraggeber, ebenfalls nicht, weil wir noch bleiern denken.

Es gibt heute keine Werbegestalter mehr, die vernünftige Verlags- bzw. Print-Werbung machen können. Kreative, die auf einem weißen Stück Papier eine spannende Botschaft für den Leser gestalten, die eine Anzeige ist. Aber wenn nicht mal die Auftraggeber wissen, was Sache ist, woher soll denn so ein junger Agenturkreativer das wissen, der den Unterschied nicht kennt zwischen einer Zeitung und einer Zeitschrift und sich vermutlich fragt: Wo liegt eigentlich der Gutenberg? (Spießiger Tipp: Einfach mal den Reinhold Messner fragen!)

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Kommentare zu “ VDZ: Mit Gutenberg gegen Google ”

  1. ralf schwartz am 9. Juli 2010 um 08:53 Uhr

    Ach, das ist ein Berg!
    Ich hatte schon Angst wir ziehen in den Krieg … gegen Google, Fortschritt, andere Leute.

  2. Der B aus H an der E am 9. Juli 2010 um 09:32 Uhr

    Weißes Stück Papier? Dann lächelt ja niemand in die Kamera. Das geht aber nicht.

  3. Kid vom Kiez am 9. Juli 2010 um 10:06 Uhr

    In vielen Verlagen lebt man im Metallzeitalter: Silber im Haar, Gold in den Zähnen und Blei im Hirn. Kein Wunder, was für ein Blech dabei herauskommt!

  4. Andi K. am 9. Juli 2010 um 17:59 Uhr

    Totaler Schmarrn. Bleilettern symbolisch für traditionell Gedruckes. Solche Bildsymbole existieren in allen Bereichen und haben sich von ihrem realen Inhalt in aller Regel abgekoppelt.

    Aber wer halt sein Feindbild bestätigt sehen will, wird schon was finden…

    • Spießer Alfons am 9. Juli 2010 um 18:22 Uhr

      Quark. Ich bin hier im Internet einer der letzten Fans von Print und habe das Fähnchen immer aufrecht gehalten. Fällt leider nach so einer antiquierten Darstellung aus der Zeit Gutenbergs ziemlich schwer.

  5. Thomas am 9. Juli 2010 um 18:04 Uhr

    BS. Weil: Mit den Bleilettern wird der Großteil der Betrachter das “schwarze Gewerbe” assoziieren. Also: Goldrichtig. Ähnlich metaphorisches Motiv für Tiefdruck oder Offset? Fehlanzeige.

    Mithin: Thema verfehlt! Die Anzeige ist goldrichtig so. Jedenfalls was die Ausführung angeht.

    • Spießer Alfons am 9. Juli 2010 um 18:25 Uhr

      Genauso wird der VDZ auch argumentieren, wenn er diese schwerfällige Reklameannonce verteidigen würde.

      Außerdem: Das Druckgewerbe nennt man die “schwarze Kunst”. Das “schwarze Gewerbe” ist etwas anderes. ;)

  6. Sony am 9. Juli 2010 um 18:36 Uhr

    Eigentlich sagt diese Anzeige doch klar und deutlich: Druck stammt aus einer Zeit, als es weder Internet noch Zeitschriften gab. Und: Buchdruck hat sich inzwischen überholt durch neue Techniken.

    Es geht hier nicht um ein Symbol für Tief- oder Offsetdruck, es geht hier um das Werbemittel Anzeige! Jedenfalls sollte es darum gehen….!

  7. Doc Holiday am 12. Juli 2010 um 12:12 Uhr

    Genau genommen handelte es sich um eine Blei-Zinn-Antimon-Legierung.

    • Spießer Alfons am 12. Juli 2010 um 14:10 Uhr

      Genau. Ich hatte in meiner Abschlussprüfung in Technik das Thema “Galvano”… ;_)

Retweets

  1. “Wir, die Macher dieser Anzeige, haben null Ahnung vom Business. Und wir, die Auftraggeber, ebenfalls nicht…” http://bit.ly/9NvSrJ #VDZ

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  • [...] Nachtrag vom 9.7.2010: Der Unsinn geht noch weiter. Anscheinend weiß der VDZ nicht mal, mit welcher Technik seine Mitglieder ihre Produkte herstellen. [...]

    Print wirkt - immer weniger — 9. Juli 2010 @ 17:55 Uhr
ivw