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Sendepause für Youtube? Telekom rüttelt an der Netzneutralität

21. Juli 2010
von

Die Telekom und die Netzneutralität, das könnte künftig nicht mehr zusammenpassen. Netzneutralität? Klingt nach Tekkie-Kram, greift aber tief in unser aller Leben ein.  Um das zu erklären, bedarf es eines etwas gewagten Vergleiches aus dem Straßenverkehr. Sie zahlen Kfz-Steuer? Gut. Der Staat baut damit Straßen, repariert sie im Idealfall.

Mit welcher Marke Sie dort fahren ist gleichgültig. Jetzt stellen Sie sich bitte vor, der Staat würde von Volkswagen zusätzlich Geld verlangen, weil ja nun besonders viele Autos dieser Marke die Straße benutzen. Zahlt VW nicht, müssen diese Autos langsamer fahren. Eine alberne Idee? Nun, wenn es um innovative Steuern geht, dann versteht die Bundesregierung keinen Spaß, und wenn es um weitere Einnahmen geht, kennt die Telekom keinen Humor.

Denn die Deutsche Telekom will künftig bei Anbietern von datenintensiven Diensten wie Google und Apple kräftiger abkassieren. “Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig”, so Telekom-Chef René Obermann im Manager Magazin.

Im Klartext: weil alle Welt Youtube guckt soll auch Youtube dafür zahlen. An die Tekekom. Das wäre das Ende der Netzneutralität, der Gleichbehandlung von Daten im Web. Gleichgültig ob Youtube-Film, Suchanfrage, Blog-Artikel oder Werbebanner – Alle Daten sausen mit der gleichen Geschwindigkeit durchs Web.

Wird dieses Prinzip aufgehoben, wäre damit in letzter Konsequenz der freie Datenverkehr im Web am Ende. Denn wer nicht zahlt, muss nach kapitalistischer Logik ja dann auch von der Straße verbannt werden oder darf zumindest nur noch deutlich gedrosselt unterwegs sein.

Die hypothetische Folge: Bei der Telekom gibt es dann zwar Youtube und Google, vielleicht aber nicht Bing und Facebook. Wer das schlimm findet, kann dann ja mit den zuweilen kolportieren Problemen seinen Vertrag kündigen und beispielsweise zu einem anderen Anbieter wechseln.

Doch Vorsicht: Dort kann man dann vielleicht kein iTunes nutzen oder StudiVZ ist nur  mühselig erreichbar. Alles nicht so schlimm, weil sie ohnehin weiter Fernsehen schauen und im Netz nur Qualitätsmedien lesen? Doch was ist mit denen? Auch das sind schließlich (also jetzt mal ganz, ganz  grob gesagt) alles gut gemachte Netzangebote. Logisch gesehen sollten die dann auch kostenpflichtig sein, weil sie mit tollen (noch dazu mehr und mehr multimedial aufbereitet – Datenlast!) Geschichten das Telekom-Netz belasten.


Weitere Hintergründe zur Netzneutralität in einem FAZ-Beitrag aus dem April.


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Kommentare zu “ Sendepause für Youtube? Telekom rüttelt an der Netzneutralität ”

  1. Schmidt am 21. Juli 2010 um 15:21 Uhr

    Hi,

    das Beispiel aus dem Straßenverkehr geht nach hinten los, denke ich. Die LKW-Maut ist genau die Ungleichbehandlung, die der Telekom für den Datenverkehr vorschwebt. Bei der Frage der Netzneutralität gehts imho aber doch eher um Informations- udn Zugangsrechte, die nicht durch Provider eingeschränkt werden dürfen – bzw. jedenfalls nicht aus rein wirtschaftlichen Erwägungen.
    Schmidt

    • Olaf Kolbrück am 21. Juli 2010 um 15:55 Uhr

      Nunja, aber die Maut wird wie die Kfz-Steuer vom Nutzer kassiert und nicht vom Hersteller.

      • Schmidt am 21. Juli 2010 um 16:02 Uhr

        naja, dass ich dann bei der telekom für jedes video bezahle – machts auch nich besser. um im bilde zu bleiben.
        auch wenns vielleicht ein lecker gedanke für zeitungen wäre, die dann als nächstes die telekom auch die kasse für heruntergeladene artikel abrechnen lassen wollen. wie du ja am ende selbst schreibst. was itunes für musik – wird die telekom für … alles andere. und musik. oha.

  2. Finn Reddig (Tribal DDB) am 21. Juli 2010 um 15:49 Uhr

    In dem MM Artikel ist von dem mobilen Internet die Rede und nicht von dem Festnetz Angebot.

    • Olaf Kolbrück am 21. Juli 2010 um 15:54 Uhr

      Richtig, aber was ändert das an der grundsätzlichen Marschrichtung?

      • Finn Reddig (Tribal DDB) am 21. Juli 2010 um 16:21 Uhr

        Ehrlich? Ich kann’s gerade schwer abschätzen. Aber ich bin mir sicher, dass die Telekom nicht an der Netzneutralität rüttel wird.

        Prinzipiell finde ich es nachvollziehbar, dass man für Mobilität einen Aufpreis zahlt (vgl. Auto ÖPNV). Die Kalkulation ist halt sehr unterschiedlich.

      • Olaf Kolbrück am 21. Juli 2010 um 16:36 Uhr

        @Finn Reddig: Aufpreis für Mobilität – okay. Aber doch bitte vom Nutzer. Der erzeugt doch den Traffic und nicht Youtube. Ich habe eher das Gefühl, dass die Kalkulation der Flatrates auf Dauer nicht aufgeht und man keine Möglichkeit sieht, die Schraube im Preiswettbewerb zurückzudrehen. Siehe das aktuelle 1&1-Angebot.

      • Finn Reddig (Tribal DDB) am 21. Juli 2010 um 16:47 Uhr

        @Olaf Kolbrück: Das kann natürlich sein. ODER: So war es früher. Aber wer sagt denn, dass es so bleiben muss. Ich glaube, dass der “Machkampf” Provider vs. Content noch nicht ausgefochten ist. Wer hätte denn von 20 Jahren gedacht, dass man Zeitungen kostenlos im Internet bekommt?
        Und: Wenn man sich überlegt, was manche FMCGler dafür tun, dass ihre Produkte in den Regalen der Supermärkte stehen (dürfen)…

        An dieser Stelle sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass ich weder für die Telekom noch für Tribal spreche sondern “privat” hier bin. ;-)

      • Olaf Kolbrück am 21. Juli 2010 um 16:52 Uhr

        Macktkampf korrekt. Glaube aber das google eher über die Telekom lacht. Wer wie Google zum Stromabieter wird, kann sich auch ein Netz aufbauen.
        Aber klar: das WKZ und Regalmiete-Beispiel aus dem Handel zeigt auch auf, wie “Anders” sich Machtverhältnisse austarieren können.

        btw. habe Dich/Sie auch als private Stimme wahrgenommen und finde dein offenes Visier beim Absender total vorbildlich.

      • Finn Reddig (Tribal DDB) am 21. Juli 2010 um 17:11 Uhr

        @Olaf
        Es bleibt spannend! Ich würde mich freuen, wenn wir die Diskussion in Jahren wieder aufgreifen. ;-)

      • olafkolbrueck am 21. Juli 2010 um 18:04 Uhr

        Das machen wir.

  3. fabian gebbert am 21. Juli 2010 um 17:42 Uhr

    Hm, mal so ein gedanken spiel wie es ja auch oben schon angerissen ist: welche macht hätte denn die telekom gegen google? deren angebote sperren? na die wettbewerber würden sich aber freuen.

    daher wäre es zu bezweifeln, dass das kommt.

  4. Mike Schnoor am 22. Juli 2010 um 11:38 Uhr

    Vielleicht sollten Internetzugangsanbieter ihre Flat-Angebote doch wieder abschaffe und klare “Pay per GB” Abrechnungen einführen. Mit maximaler Deckelung wie z.B. 10 Euro im Monat. Dazu GB-Preise zu günstigen Konditionen anbieten, z.B. 0,01 Euro pro GB.

    Aber… insgesamt ist das doch nur heiße Luft. Einige Hoster setzen sogar wieder auf “Traffic-Flat” für ihre Webserver-Angebote… insgesamt ist dieses Beschränkungs-Unterfangen auch nur eine gewaltige Blase, die zum Platzen verdonnert ist. Die Netzneutralität sollte nicht in Frage gestellt werden.

  5. Ole am 22. Juli 2010 um 13:35 Uhr

    Aha, der Nutzer soll zahlen?! Da fallen mir spontan zwei Dinge zu ein:

    1. Um eine “gerechte” Abrechnung zu ermöglichen, braucht es eine Software auf jedem Endgerät, die jede aufgerufene Webseite und Verweildauer protokolliert. Na gut, schaffen wir den Datenschutz ab und bekennen uns endlich zum gläserenen Surfer.

    2. Bedeutet diese wohl die Einführung einer GEZ für’s Internet. Wobei man ja die Existierende verwenden kann. Die haben schließlich genug Erfahrung im Bürger maltretieren.

    Prinzipiell habe ich für das Ansinnen der Telekom vollstes Verständnis. Google und Co verdienen nun wirklich ein Schweine-Geld auf dem Rücken derjenigen, die die Infrastruktur bereitstellen. Diese sich wiederum mit immer weniger zufrieden geben müßen, weil der Preiskampf, also die Marktwirtschaft, das so nach sich zieht.

    Wieder weg von den Flatrates, wie Mike Schnoor schon anmerkte, wäre eine Möglichkeit. Aber warum immer wir Endverbraucher? Warum immer auf die Kleinen, das letzte Glied der Kette? Google und Co sind auch Nutzer! Nutzer der Kabel Anderer. Sollen die ruhig ihren Beitrag leisten. Eine derartige Abrechnung läßt sich auch viel einfacher auf den Servern der Zugangsprovider einrichten und schützt letztendlich die Daten von uns Endverbrauchern.

    Meine Ansicht hat im Übrigen nichts mit Neid zu tun. Ich bin nur für eine gerechtere Verteilung der Lasten und nicht immer auf “Unseren” Rücken, nur weil das immer der leichteste Weg zu sein scheint.

  6. fabian gebbert am 22. Juli 2010 um 14:28 Uhr

    übrigens: abgesehen davon zahlen contentanbieter bereits:

    1. hosting kosten
    2. traffic kosten

  7. Lisa am 26. Juli 2010 um 15:48 Uhr

    was soll man dazu sagen?! Ich finde es einfach eine hirnrissige Idee von Telekom.

  8. Lilu Meyer am 26. Juli 2010 um 16:34 Uhr

    Dieses Billig und Gratis ist der Horror. Wann finden wir zu einer soliden Wirtschaft zurück? Wer mehr verbraucht und verschleißt, zahlt auch mehr an die Telekom oder an andere.
    Ein Unternehmen wird keinen Gewinn machen, wenn es alles dauerhaft verschenkt. Ich stimme Herrn Schnorrs Vorschlag oben zu. Dann müssen Anbieter wie Facebook Werbeeinnahmen oder deren Kosten im Gegenzug erhöhen und Otto-Normalverbraucher sich besser vorher überlegen, was er im Mobilen Internet konsumieren will. Das würde langfristig auch dort noch mehr Qualität statt pure Masse erzeugen.

  9. Peter am 27. Juli 2010 um 18:03 Uhr

    “Sie zahlen Kfz-Steuer? Gut. Der Staat baut damit Straßen, repariert sie im Idealfall.”

    hier in CZ gibts keine KFZ-Steuer :-)

    Ich denke mal, Obermann ist da gründlich auf dem Holzweg… Letzendlich bezahlt ja schon der Telekomkunde für den Traffic. Aber klar, wenn man doppelt kassieren kann, warum nicht :-)
    Dieser Vorschlag ist doch im Prinzip nur ein Eingeständnis, dass sie sich völlig verkalkuliert haben und dafür die Verantwortung abschieben wollen. Ich halte das auch nicht für durchführbar… Was passiert, wenn Zuckerberg einfach seine Rechnung nicht bezahlt? Abklemmen können sie den schlecht, dann laufen ihnen die Nutzer davon und das tut der Telekom mehr weh, als wenn Zuckerberg nicht bezahlt. Die Access-Provider stehen bei diesem Thema alle mit dem Rücken an der Wand und das einzige was letztendlich bleibt ist, dass sie die Tarife neu kalkulieren… Das ist auch das einzig gerechte… warum soll ein User gleich viel bezahlen, der 3x die Woche seine Mails liest wie einer, der 10 Stunden pro Tag Videos schaut?

  10. Finn Reddig (Tribal DDB) am 5. August 2010 um 18:04 Uhr

    UPDATE
    …daher weht der Wind.

    http://www.zeit.de/digital/int.....utralitaet

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  1. Neues aus Schilda? Sendepause fuer Youtube http://tinyurl.com/27obze6 #Telekom

ivw