HORIZONT.net HORIZONTjobs HORIZONTpeople HORIZONTstats

Hornbach, Facebook und das Ende der Unschuld

30. Juli 2010
von

Es ist eine charmante Idee. Es ist ebenso eine manipulative Idee. Die Figuren aus der Werbewelt von Hornbach leben bei Facebook weiter. Mit Profilen, mit Freunden. Doch die Fortsetzung des Lebens der Menschen rund „Das Grenzenlose Haus” im Social Network rührt an der Real Name Policy von Facebook.

Bei Facebook bin ich also nun mit Anna Grums und Martin Pascal befreundet. Zwei Figuren aus dem Kurzfilm von Hornbach. Wie die anderen Charaktere des Films haben sie ihr Profil bei Facebook, gewinnen Freunde, echte Freunde, stellen ihre Interessen vor. Ich weiß, dass es Kunstfiguren sind. Doch weiß das jeder, der sie demnächst womöglich als Freund vorgeschlagen bekommt?

Natürlich sind sie bei Facebook  mit wenig Mühe als Teil der Baumarkt-Welt zu enttarnen, weil ihr digitales Leben zumindest gegenwärtig nur um Hornbach und das grenzenlose Haus kreist. Sie sind längst nicht so freche Fälschungen wie die Fake-Charaktere von CK, die einst in Blogs und mit Fake-Profilen in Networks Werbung für Duftwässerchen machten und dabei vorgaben, reale Wesen zu sein. Und die Hornbach-Figuren werden sicher nicht plumpe PR machen, sondern eher ihr surreales Leben aus dem Kurzfilm fortspinnen. Facebook als Bühne. Dennoch berühren die Charaktere  eine Grundfeste der Facebook-Kultur. Das Vertrauen.

Deshalb gibt es im Netzwerk eine Real Name Policy. „Facebook has always been based on a real name culture, and we feel strongly that these policies provide greater accountability and a safer and more trusted environment across the site.”

Nun, die Namen sind nicht falsch. Es sind eben echte Kunstfiguren aus der Werbung. Halb so schlimm? Schließlich haben auch andere Kunstfiguren ein Leben bei Facebook. Beispielsweise Don Draper. Ein Werber. Die Kernfigur aus der TV-Serie „Mad Men“. Solche Figuren unterhalten, aber auch sie wollen natürlich verkaufen. Zwar keine Werbewelt, aber Aufmerksamkeit für die Sendung oder vielleicht indirekt auch noch eine DVD.

Vielleicht macht es also keinen Unterschied. Vielleicht gehören also auch die Werbefiguren einfach bei Facebook dazu mit ihrem künstlichen Leben, solange es ein echter, falscher Name ist. Weil Werbung zu unserem Leben gehört. Weil die Figuren zu unserem Leben gehören.  In jedem Fall aber wird man Freunde-Vorschläge  nicht  mehr so unschuldig betrachten können wie früher. Weil man sich  fragen wird, wer ist  nun diese Claudia Bertani, die einen kennenlernen möchte. Die oder die.

Facebook und Co: Teilen und aufbewahren Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • TwitThis
  • LinkedIn
  • del.icio.us
  • email
  • MisterWong
  • Y!GG

Ähnliche Artikel

Tags: , ,

Kommentare zu “ Hornbach, Facebook und das Ende der Unschuld ”

  1. Falk Ebert am 30. Juli 2010 um 11:37 Uhr

    Das Ende der Unschuld? Schon zu StudiVZ-Zeiten war ich mit Princess Peach befreundet und auf Facebook feiere ich die Grünen Aliens: http://bit.ly/duKwT8

    Bedenklich wird das erst, wenn nicht klar ist, dass die Personen fake sind. Bei Protagonisten aus Werbespots dürfte das aber wohl jedem auffallen.

  2. Katapult am 30. Juli 2010 um 13:33 Uhr

    vielen Dank für die Aufklärung. Böse, wie hier die Menschen bei Facebook hinters Licht geführt werden. Und unglaublich, wie erwachsene Menschen hier zu Kindern werden. Wenn das die Zukunft für Werbung ist, dann kann man nur fordern: Stoppt diesen Unfug jetzt, bevor es noch schlimmer kommt! Ich habe mich schon bei Fb gelöscht, bevor da noch Schlimmeres auf mich zukommt. Wenn der Mensch nicht mehr zwischen Realwelt und Cyberspace unterscheiden kann, gehen wir schlimmen Zeiten entgegen. Davor sollten wir insbesondere unsere Kinder schützen. Eltern und Lehrer sind hier gefordert.

  3. Joachim am 1. August 2010 um 21:42 Uhr

    Einerseits bedenklich, aber die Entwicklung wird nicht aufzuhalten sein.
    Sie ist in vollem Gang. Transparenz herzustellen wäre das Ziel.
    Aber wie?

  4. Tom am 4. August 2010 um 01:45 Uhr

    In den USA gibt es Internet Profis, die machen daraus ein Geschäft, in dem Sie ” Poker Spieler ” dann miteinander kommunizieren lassen! Warum denn nicht!

  5. Finn Reddig (Tribal DDB) am 9. August 2010 um 11:39 Uhr

    Ich finde diese Entwicklung sehr bedenklich. Ich denke, es geht gar nicht Real/Cyber sondern um Werbung vs. persönliche Empfehlung, sprich um die Selbstbestimmtheit des Kunden. Der Mensch sollte immer zwischen Werbung und persönlichen Empfehlungen unterscheiden können.

    “Wir Werber” sind es gewöhnt, hinter die Fassade zu gucken und wissen um die Existenz von Fake-Profilen. Für einen Menschen, der nicht mit der Kampagne vertraut ist, keine Internet-Erfahrung hat und nicht weiss, dass es bei FB Fake Profile überhaupt gibt, erscheinen die Profile als reale Personen. Soviel zu der moralischen Persektive.

    Dazu kommt, dass ein Profil auf Facebook ganz andere Rechte hat als eine Fanpage. Eine Fanpage darf z.B. keine persönlichen Nachrichten schicken und keine Freunde adden. Dabei hat Facebook sich schon was gedacht: Spam vermeiden!

    Ich würde jedem Kunden entschieden von der Einrichtung eines Fake-Profils abraten.

  6. Markus am 11. August 2010 um 18:58 Uhr

    @Finn Ich bin im Projekt involviert und versuche mal, einen kleinen Einblick in unsere Arbeit mit den Profilen zu geben:

    Wir haben beim Aufsetzen der Profile die von dir angesprochenen Punkte bedacht. So gibt es intern klare Richtlinien, wie wir innerhalb von Facebook aktiv werden – und wie eben nicht.

    Zunächst einmal enthält jedes angelegte Profil in der Informationsbox in der linken Seite (also auf JEDER Profilseite ersichtlich) den Hinweis “Mein Name ist $XY, ich bin ein Charakter aus dem neuen Hornbach-Kurzfilm “Das grenzenlose Haus”.”

    Darüber hinaus werden die Profile ausschließlich über die Kampagnenseite zum Film sowie die Hornbach-Fanpage beworben. In diesem Umfeld ist offensichtlich, dass die präsentierten Profile keine realen Personen abbilden.

    Ein weiterer Grundsatz in der Arbeit mit den Profilen ist: Interaktion erfolgt ausschließlich zwischen den Profilen. Es werden keine Nachrichten an “Fremde” versandt, es werden keine Freunde aktiv (auch nicht auf Empfehlung!) hinzugefügt, es werden keine Anfragen zu Spielen wie FarmVille o.Ä. angenommen. Updates werden nur im eigenen Profil sowie in der Gruppe gepostet.

    Ich hoffe, dass diese Ausführungen ein wenig Klarheit bringen.

    Viele Grüße
    Markus

  7. Finn Reddig (Tribal DDB) am 16. August 2010 um 14:37 Uhr

    Hallo Markus,

    danke für dein Statement. Das bringt auf jeden Fall ein wenig Licht ins Dunkel. Es ist sehr löblich, dass ihr die “Rechte” eines Facebook Profils nicht missbraucht und euch klare Richtlinien auferlegt habt. Nur aus Neugier: Wieso habt ihr euch nicht für eine Fanpage entschieden?

    Was die Frage Fake/Real betrifft, stimme ich dir teilweise zu: Natürlich ist für das geschulte Auge sofort ersichtlich, dass es ein Fake-Profil ist. Und es ist auch gut, dass die Profile nur im Kampagnen-Kontext beworben werden. Aber in Social Networks verlässt ein Profil diesen Kontext auch sehr schnell…

    Ich denke, dass Thema ist eine “Glaubensfrage”. Natürlich wollen wir alle, dass unsere Kunden ihre Produkte an den Mann / die Frau bringen. Welche Mittel und Wege wir dazu nutzen, ist häufig “Geschmackssache”. Der Graubereich ist so groß wie Geschmäcker unterschiedlich sind. Ich würde einem Kunden kein Fake-Profil empfehlen. Aber das ist halt mein Geschmack.

    Und trotz unser Meinungsverschiedenheit: Der “Hauptteil” der Kampagne gefällt mir sehr gut. Eine tolle Idee. Ich wünsche euch viel Erfolg damit!

  8. Vistona am 1. Dezember 2010 um 15:43 Uhr

    Bedenklich, ja! Aber trotzdem ist es eine gute Idee!

    Gefällt mir!

    Gruss Micha

  9. Paul Bieber - Agenturszene am Bodensee am 1. Dezember 2010 um 16:56 Uhr

    Kann mich Vistona nur anschließen! Einfach nur Klasse!

  10. Koslar am 30. März 2011 um 16:16 Uhr

    Auch bei den “Die Flusstouristen” (gefakete Doku-Webserie für einen Flussreiseveranstalter zu sehen auf youtube und diversen anderen Portalen), gibt es den Charakter der Sylvia bei facebook.

Trackbacks

  • [...] und viel zu ästhetisch. Zu der Facebook-Verlängerung muss ich zunächst mal sagen, dass ich die Diskussion bei otr (inklusive der aufgebrachten Kommentare) für völlig überzogen und schwachsinnig halte. Da skandalisiert man mal das Thema Facebook ohne [...]

    Hornbach: Das grenzenlose Haus « Gefahrgut — 2. September 2010 @ 13:03 Uhr
ivw