Körpersprache in der Werbung oder: Was Moët & Chandon von Rotkäppchen-Sekt unterscheidet
Der Mensch spricht mit seinem Mund. Er kann sich aber auch ohne Worte verständigen, was man nonverbale Kommunikation nennt. Das ist die Verständigung durch Gesten und Mimik. Was eine bewusste nonverbale Kommunikation ist. Im Gegensatz zum Erröten, Schweißausbruch oder einer Veränderung der Pupillen, die Zeichen einer eher unfreiwilligen Kommunikation sind.
Kurz gesagt: Der Mensch spricht mit seinem Körper genauso wie mit seinem Mund.
In Anzeigen kann der Mensch sich nicht mit Worten äußern, sondern allein durch seine Körpersprache. (Natürlich auch mit gedruckten Worten, aber welcher Inserent schreibt heute noch a) druckreif und b) Interesse weckend?!)
Damit kommt der Spießer zur Anzeige von Moët & Chandon. Dort sehen wir ein Paar, das sich umarmt. Die Frau ist Scarlett Johansson, amerikanische Schauspielerin und Sängerin. Der Mann, der sie in Armen hält, sieht nicht aus wie ihr Ehemann Ryan Reynolds. Und die Schauspielerin spricht hier deutlich durch Mimik, Augen und Körper und verrät, dass die Umarmung des Mannes ihr nicht behagt und sie deshalb eine Abwehrhaltung einnimmt.
Als sichtbares Zeichen ihrer Unzufriedenheit trinkt die Darstellerin den Champagner nicht, sondern lässt ihn nebenbei in den Pool sprudeln. Und über das Hemd ihres Werbepartners.
Frage: Führt bei einer solchen Aufnahme eigentlich niemand Regie? Und: Sind alle, die diese Anzeige vor dem Druck gesehen haben, zu beschwipst gewesen, um zu erkennen, dass damit kein Mensch in Champagnerlaune versetzt wird…? Dagegen wirbt sogar eine Billigmarke wie “Rotkäppchen-Sekt” ohne prominente Protagonistin richtig stimmungsvoll.
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Sehr schön beobachtet.
Was ich mich allerdings bei Rotkäppchen frage ist, ob die Farben ganz bewusst so gewählt wurden, dass es das Billig-Image überhaupt erst aufkommen lässt.
Ich denke es ist Zufall und könnte weitaus wertiger wirken.
die lücke unter scarletts kinn ist aber auch nicht zu verachten.
Sehe ich dann doch etwas anders. Moet zeigt eben aggressive Leidenschaft und nicht ost-west-süd-norddeutsche Gänseblümchen Liebe (also Tango statt Disco-Fox) und positioniert sich da mit einem wesentlich aggressiveren Image.
Die Rotkäppchen AD zeigt im wesentlichen eine Hausfrau die Ihren Mann im hübchen Roten zuhause mit einer Flasche Sekt überrascht – was folgt ist plakativ und klar (das ist übrigens auch die generelle Kritik am deutschen Film – auch Werbefilm – wir wollen immer alles zeigen und nicht im unklaren lassen). In Moet dagegen läßt sich die Frau umwerben und sich nicht direkt “nehmen”, vielleicht lief da auch das Targeting eher in Richtung Frau.
Viele Grüße aus Berlin,
Volker Berlin
Werbeagentur Berlin
Hm, bei ihrem Gesichtsausdruck und ihrer Körperhaltung tippe ich da weniger auf ‘umwerben’ als ‘Nein nicht verstanden’.
Zwischendurch der Hinweis für alle Biertrinker: Moet & Chandon kostet um die 30 Euro, Rotkäppchen keine 5 Euro.
Auch wenn es mal wieder auf die Interpretation einer langweiligen Klassikanzeige hinausläuft: vielleicht ist die Schampusmarke, personell besetzt durch Scarlett, einfach nur so selbstbewusst, dass sie sagt, wo es langgeht. Das Spiel mit der Leidenschaft wäre doch langweilig, wenn alles so linear verlaufen würde wie in der Rotkäppchenanzeige. Die Zeit des provokanten Techtelmechtels schon vergessen, Spießer?
Fragt Marian Prill, Deutsche Handarbeit.
Das sieht für mich nicht nach “provokantem Techtelmechtel” aus, sondern vielmehr nach der Feststellung von Scarlett J.: “Der Typ sollte mal sein Deo wechseln, sonst dusche ich ihn mit Schampus!”
Das sieht aber nicht nach einem nebenbei in den Pool sprudeln aus, sondern eher nach einer handfesten Ejakulation.
Ich fürchte, dass Scarlett sich ärgert, weil der Champagner ausläuft uns sie endlich trinken will, anstatt von dem Herren belästigt zu werden…
“Werd’ endlich fertig! Der Champagner wird warm…”
Alles Quark!
Die Aussage von Mööht (so nennen wir diese Puffbrause hier im Pott) ist doch:
“Wenn ich als Frau den Fusel kaufe, bin ich so ratten-heiss, dass der Korken von selber aus der Pulle rausploppt!”
http://photoshopdisasters.blog.....armon.html
Exzellenter Kommentar. Bei der Moët-Kampagne passt nichts oder aber alles, hängt von Ziel ab. Mir scheint, Moet will sich exakt so darstellen, wie die Leute, die sich Moet nicht leisten könnten, sich die große weite Welt des Glamours und der nichtigen Eitelkeiten vorstellen. Die Kampagne hat einen billigen Formel 1 touch, kann man heute mal wieder im SZ Magazin (3.12.2010) auf 2/1 sehr schön sehen. Thema verfehlt hieß es früher beim Aufsatz. Als Alternative zu Moët empfehle ich Guinness: im Glas und als Spot, bei dem alles passt: http://www.reklamekasper.de/al.....unser-bier
P.S. Guinness passt auch klasse zu Austern