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Die Maus, der Elefant und der Stein des Anstoßes

4. Oktober 2010
von


Dieter Stein hat an Spießer Alfons geschrieben. Wer Dieter Stein nicht kennt: Der Mann ist Chefredakteur von „Junge Freiheit“, einer rechts orientierten Wochenzeitung. Und Herr Stein ist stolz wie Bolle und Oskar in einer Person. Er schreibt:

„Am 1. Oktober erscheint die ‚neue’ JUNGE FREIHEIT. Sie haben die erste Ausgabe exklusiv schon am 30. September mittels separater Post erhalten, Nach dem Aus des Rheinischen Merkur und dem Verkauf des Titels an ‚Die Zeit’ ist die JUNGE FREIHEIT die zweitgrößte politische Wochenzeitung auf dem deutschen Markt.“

Donni, donni aber auch! Hat jemand von Euch das gewusst: JUNGE FREIHEIT zweitgrößte politische Wochenzeitung hinter DIE ZEIT…?

Auf der am Fuße folgenden Tabelle könnt Ihr ablesen, wo die JUNGE FREIHEIT tatsächlich steht mit ihrer Auflage von noch nicht einmal 20.000 verkauften Exemplaren. Zum Vergleich: DIE ZEIT hat rund 500.000.

Und der Spießer soll die JUNGE FREIHEIT „gratis testen“. Warum Alfons das gratis machen soll, versteht er nicht, denn kein Tester in irgendeinem Testinstitut arbeitet schließlich gratis. Außerdem soll der potentielle Tester bei Bestellung eine falsche Orthographie unterschreiben, nämlich „daß“ und „Adreßbuch“.

Spießiges Fazit: Wenn die Maus sich mit dem Elefanten vergleicht, dann sollte sie zum Ergebnis kommen, dass beide Tiere grau sind. Das Trompeten allerdings muss die Maus dem Elefanten überlassen. Und last but not least: Die Regeln der Orthographie sollte ein Verlag schon beherrschen!





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Kommentare zu “ Die Maus, der Elefant und der Stein des Anstoßes ”

  1. club|debil am 4. Oktober 2010 um 09:01 Uhr

    Wie peinlich: Dabei achten die Kamerrraden doch immerrr auf eine korrrekte Rrrechts-Schreibung!

    • Kid vom Kiez am 4. Oktober 2010 um 09:04 Uhr

      Immerhin: SS wollen sie übergehen!

  2. BigB am 4. Oktober 2010 um 12:08 Uhr

    Selbst der Rechtsausleger aus München verscherbelt mehr als die megalomane JF. Sieht fast so aus, als gäbe es am rechten Rand des Weltverständnisses keinen Platz für Differenzierung mehr. Warum hellbraun, wenns auch dunkelbraun geht.

  3. Bormi am 4. Oktober 2010 um 15:10 Uhr

    Es ist wirklich erbärmlich, daß Sie der JF die Beibehaltung der traditionellen Orthographie vorwerfen. Die allermeisten literarischen Klassiker (Walser, Mann, Lenz usw.) liegen nach wie vor nur in traditioneller Rechtschreibung vor. Anspruchsvolle Autoren der Gegenwart veröffentlichen ihre Werke in traditioneller Orthographie (z. B. Markus Werner oder auch Iris Hanika). Und das aus gutem Grund: Die sog. neue Rechtschreibung ist uneinheitlich und führt zum Teil zu grammatisch falschen Schreibweisen. Dann doch besser am Bewährten festhalten! Neu ist nicht immer gleichbedeutend mit modern oder gut. Im Grunde ist die neue Rechtschreibung sogar sehr unmodern, denn sie führt veraltete, archaische Schreibweisen aus dem 19. Jahrhundert wieder ein, welche die Sprachgemeinschaft längst verabschiedet hatte.

    • René Artois am 4. Oktober 2010 um 15:40 Uhr

      @Bormi: Wo Sie recht haben, haben Sie recht (sic!).

      • Miek am 12. Oktober 2010 um 14:49 Uhr

        Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass “Adressbuch” sowohl vor als auch nach der mir bekannten Rechtschreibreform nicht mit ß geschrieben wurde.

  4. Buchmesse am 4. Oktober 2010 um 17:17 Uhr

    Witzbold? Natürlich liegen die alten Klassiker noch in der alten Rechtschreibung vor. (Walther von der Vogelweide übrigens auch.) Denn welcher Verlag könnte es sich leisten, die alten Bestände wegzuwerfen und einen kompletten Neusatz machen zu lassen?! Und die “anspruchsvollen Autoren” der Gegenwart müssen ihren vollen Anspruch ja auch irgendwie dokumentieren, gell! ;)

    • Bormi am 4. Oktober 2010 um 18:25 Uhr

      Nein, das müssen sie nicht. Aber sie müssen sich auch nicht einer staatliche verordneten Stußschreibung unterwerfen.

      • Spießer Alfons am 4. Oktober 2010 um 18:47 Uhr

        Genau, mein Lieber! Auch nicht diesen staatlich verordneten Schulgesetzen müssen wir uns unterwerfen! Und schon gar nicht dem staatlich verordneten Steuersystem: So ein Stuss – pardon: Stuß natürlich, was immer das auch sein mag!

  5. Holger am 5. Oktober 2010 um 12:25 Uhr

    Wie immer, wenn mir irgend jemand was von Tradition beibehalten erzählt, frage ich: Zu welchem Zeitpunkt beginnt denn DEINE Tradition?

    Genau wie der Neandertaler oder der frühe Homo Sapiens vermutlich dem Bund der Vertriebenen seine Ansprüche auf “wir waren aber damals da” streitig machen könnte, weil er ja vom Nachbar Homo sapiens sapiens vertrieben wurde, gab es in der Geschichte der deutschen Sprache so viele Veränderungen (nicht nur in Bezug auf Rechtschreibung, oft veränderte sich auch die Bedeutung vollständig), dass jeder Deutsche seine eigene Sprach-Tradition leben könnte und wir wirklich Probleme hätten, uns zu verständigen. Aber Sprache ist eine lebendige Sache. Und die bekommt in der Gegenwart Ihre Regeln.

    Ob die jeweils richtig oder dämlich sind, mag dahingestellt sein. Ich finde ne Geschwindigkeitsbegrenzung auch dämlich, wenn ich gerade schneller fahren möchte, aber sie existiert nun mal. Da ist es unerheblich, ob ich früher hier schneller fahren durfte.

  6. Bormi am 5. Oktober 2010 um 13:52 Uhr

    “Aber Sprache ist eine lebendige Sache. Und die bekommt in der Gegenwart Ihre Regeln.”

    Eben. Sprache verändert sich ständig. Deshalb dürfen aber nicht irgendwelche willkürlichen Regeln konstruiert werden. Die Normierung der Schreibung muß dem Schreigebrauch folgen. Rechtschreibregeln müssen auf der Beobachtung des Schreibbrauchs basieren. Veränderungen, die von der Sprachgemeinschaft ausgehen, werden behutsam kodifiziert. Schreibweisen, die im Volk keine Grundlage mehr besitzen, werden behutsam aus den Wörterbüchern entfernt. Mit der Rechtschreibreform hat man versucht, dem Volk bestimmte (ahistorische und grammatisch falsche!) Schreibweisen aufzuwingen, für die es im Volk keine Grundlage gab.

    Kurz gesagt:

    Wer dem Volk gegen den allgemeinen Schreibbrauch Regeln vorschreiben will, verhißt, daß die Sprache die Institution ist, in der die Demokratie schon immer geherrscht hat.

ivw