Soooviel Scheinblinde auf einem Haufen…?
Heute im Hamburger Abendblatt, Seite 3: Anzeige des berühmtesten Kaufhauses der Stadt. Und das ALSTERHAUS zeigt den Hanseaten an: “THE EARLY BIRD CHATCHES THE FASHION WORM” - siehe die Abbildung! Das bedeutet: Mit dieser Anzeige wendet sich das Kaufhaus an alle Besucher der Stadt, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und deshalb das Hamburger Abendblatt lesen. Und der Fließtext der Anzeige wurde versehentlich nicht ins Englische übersetzt.
Aber es bedeutet noch viel mehr! Es bedeutet: Ein Texter, der zu häufig im Chat ist. Ein Grafiker, der nicht liest, was er gestaltet. Ein Kunde, dem es egal ist, was in seiner Anzeige gedruckt steht. Und ein Werbeträger, wo der Anzeigensachbearbeiter seiner Pflicht nicht nachgekommen ist, den Inhalt der Anzeige zu prüfen. (Hätte er’s getan, dann wäre eine Information an den Kunden ein so genannter “Kundendienst”, der heute immer seltener wird.)
Außerdem: Stünde dort richtig “catches”, dann würde die Headline auf Deutsch lauten: “Der frühe Vogel fängt den Modewurm.” Hä…? Ist in der Mode vom Alsterhaus etwa der Wurm drin…? Oder hat hier wieder mal ein Kreatiefling zugeschlagen mit dem Gedanken: Ich sag’s lieber auf Englisch, damit nicht alle merken, was für einen Blödsinn ich hier verzapft habe…? (Dass da so’n Piepmatz im Werbebild gezeigt wird, entschuldigt die Sache keineswegs!)
(Danke an Peter, den frühen HA-Leser, der diesen Wurm gefangen hat!)
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Wow. Wenn man denkt, dümmer geht’s nimmer … dann piept’s erst richtig. Unglaublich diese Dreifaltigkeit von Headline, Bild und
Quark. Einfach Bitter-Twitter fürs Auge. Lachtränen inklusive
Man kann diese Anzeige natürlich in Frage stellen
Der vermuteten Zielgruppe (14-18?) wird der MEGAPEINLICHE Schreibfehler allerdings nicht auffallen, denn die deutsche Rechtschreibung ist ja schon in der Grundschule nur noch ein Randthema. Also spielt die englische Rechtschreibung im Englischunterricht erst recht keine Rolle! Frei nach dem Motto: My English makes me nobody so quickly after!
..auch schön, dass die neuen Kollektionen aus den Wolken fallen;
der Texter muss deutsch als Fremdsprache gelernt haben, so wie er bei jedem sprachlichen Bild daneben liegt!
Warum die Klamotten “aus den Wolken fallen” ist im nächsten Satz erläutert: “Denn die neuesten Looks kann man nie zu früh entdecken.” Ach so.
Randnotiz: Im Logo ist “catches” richtig geschrieben, was den HL-Fehler umso dümmer erscheinen lässt. Oder ist es am Ende doch eine “originelle” Idee?
Passt aber gut zu den kariösen Second-Hand-Klamotten.
Lieber Spießer Alfons,
mal was Grundsätzliches. Sie sind einfach nur gut. Verdammt gut!
Sind Sie eigentlich der gleiche Spießer,der mich schon zu Beginn
meiner werblichen Berufslaufbahn vor 36 Jahren begeisterte?
Jedenfalls immer wieder schön, ihre brillanten, satirischen Kritiken gelesen zu haben und zu lesen. Stets scharfsinnig
und in feiner, begeisternder Textform.
Sie erinnern mich immer noch an die Zeit, als Werbung noch
handgemacht war, gute Typo noch bestellt, gesetzt und geklebt wurde und die Pappenindustrie durch die Agenturen noch richtig Geld verdiente.
Reinzeichner waren Virtuosen mit Pinzette und Skalpell. Es war die
Zeit, als McCann noch der einzige MAC der Werbeszene war, aus
Texterbüros Schreibmaschinen-Geklapper monotonte und ein Art Director noch richtig gut scribbeln und layouten können musste. Agenturen hatten damals noch “Stallgeruch”. Jene Mischung aus dem Dunst der MagicMarker, Schweiß und Kaffee, Zigarrettenqualm,
Fixogum, Folien und Sprühkleber, die in jeder Agentur anders war.
Immer überlagert vom leichten Alkoholatem der nächtlich grübelnd
herumgeisternden Texter. Eine Headline in Gill Bold 72 Punkt konnte
ein AD noch aus dem Handgelenk in die Seiten layouten, eine Stencil
Bold oder Garamond kursiv auf Zuruf. Da stand jeder Buchstabe wie
eine Eins.
Mein erster Job in Frankfurt war die manuelle Reinzeichnung des Pennys von Penny Markt, der mich danach, bis zum Markenrelaunch, gut 30 Jahre verfolgte. Habe an der ersten Lila Kuh von Milka ein kleines bisschen mitgebastelt, das Artwork der Packung von Ferrero Küsschen gemacht. Für Opel noch den Manta beworben nebst Kadett, Ascona, Rekord und Senator. Ich durfte im Job Marken begegnen wie Bosch,Daimler, Siemens, Schießer u.v.a. Alles handmade und
headmade. Danach die eigene Agentur mit Kollegen Abresch großgezogen, aus der, irgendwie, später 1&1, heute United Internet von Ralph Dommermuth, einer wahrhaften Lichtgestalt des Marketings, hervorging.
Bin richtig guten Leuten damals begegnet wie Walter Lürzer,
Michael Conrad, Jürgen Breun, Erich Riel, Wendelin Abresch,
Bernd Mielke, Ralph Dommermuth und vielen anderen “guten Werbern”, Schreibern, Fotografen, Illustratoren, Strategen und Marketing-Köpfen. Und verdammt vielen Arschlöchern.
Obwohl ich froh bin, dass es fast vorbei ist, war es eine gute Zeit. Und zu der gehörte Spießer Alfons immer als feste Größe dazu. Dafür einmal an dieser Stelle ein persönliches, ganz herzliches Dankeschön!
Beste Grüße, alles Gute und weiterhin eine “spitze Feder”!
W. Jösch