Liebe Verlage, Steve Jobs hört nicht auf Gebete
Apple, das war einmal das Unternehmen, das sich mit dem berühmten Spot „1984“ als Kämpfer gegen die Marken-Diktatur positionierte. Mehr und mehr aber geriert sich das Management in Cupertino selbst als digitales Regime. Das bekommen gerade die Verlage zu spüren. Apple will ihnen die Abwicklung der Verkäufe von Zeitungen und Co über den Online-Shopzwingend vorschreiben. Bei den In-App-Verkäufen kassiert Steve Jobs 30 Prozent. Verkauft ein Verlag seine Produkte am App-Store vorbei, ohne dort zugleich eine Kaufoption zu bieten, droht der App der Rausschmiss.
Der von einigen Medienmanagern fast schon götzenhaft verehrte Steve Jobs erweist sich damit als kühler Rechner, der auf seine monopolistische Stellung vertraut. Warum sollte er das auch nicht, wenn es der Markt hergibt. So funktioniert die Wirtschaft.
Die Verleger wirken überrascht und rebellieren. Dabei hat die Selbstherrlichkeit von Apple Routine. Trägt doch schon die Zulassung von Apps zuweilen Züge von Willkür. Inhalte von Satirikern, nackte Haut, selbst Bademoden eines Katalogs, können dem Reinlichkeitsfimmel der Hausregeln zum Opfer fallen.
Wie verstörte Schulbuben rufen Verlage, deren Kolumnisten sich sonst gerne jede Einmischung in die Marktwirtschaft verbitten, nun nach der Politik und den Wettbewerbshütern. So als folge Apples Geschäftsgebaren nicht schlicht Marktgesetzen. Dem Sonnenkönig Steve Jobs mittels papierner Forderungen Freiheit in Sachen iPad abzuringen, wird daher kaum fruchten. Er wird sich nur dem Markt beugen.
Google liefert mit der für Tablets optimierten Version des offenen Betriebssystems Android eine Alternative zur Apple-Dominanz. Bei den Smartphones hat das System das iPhone zumindest im US-Markt schon auf den dritten Platz verdrängt. Sogar im Tabletmarkt erreichen die Android-Geräte bereits einen Marktanteil von über 20 Prozent. Spätestens in zwei Jahren sehen Analysten das Google-System vorne.
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Der Machtwechsel kommt schneller, wenn die Verlage ihre Fixierung auf Apple aufgeben und bei der Entwicklung neuer Apps zuvorderst auf Android setzen. Denn die Fülle an Anwendungen ist bislang ein Kern-Asset von Apple. Geht dieser Attraktivitätsvorteil verloren, wankt die Marktmacht und die Geldruckmaschine App gerät ins Stocken. Es ist also der Wettbewerb, mit dem Verlage die Monopolgelüste torpedieren und ihre Vorstellungen durchsetzen können.
Darauf, nicht auf Gebete, hört Steve Jobs.
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Habe die ganze Zeit schon nicht verstanden, mit welchem unbedingten Willen zur Begeisterung sich die Verlage Apple an den Hals geworfen haben, nur um auf dem Ipad dabeizusein. Als ob es nicht schon den lehrreichen Präzedenzfall der Musiklabels und Itunes gegeben hätte. Da verfuhr Apple bei den Konditionen doch auch schon nach der Devise “i-way or the highway”.
Ja und der “Herzinfarkt Test App” zur Ermittlung des Herzinfarktrisikos, ab sofort über Apples App-Store zum Download erhältlich, ersetzt auch den aufwendigen Arztbesuch. Wie praktisch.
Ich bin mal so frei und hinterlasse einen manuellen Trackback zu meinen Überlegungen zum Thema: http://marco-kitzmann.de/wie-n.....n-572.html
Ich habe noch nie “verstörte Schulbuben” “nach der Politik und den Wettbewerbshütern” rufen hören.
Zum Thema: Die app-Liebe ist mir sowieso unverständlich.
Vorweg: Ich besitze kein iPhone oder ein anderes Gerät von Apple, für das man ein App benötigt. Deswegen ist diese Schose sowieso an mir vorbei gezogen.
Interessant finde ich jedoch, das Android wohl langsam an Fahrt gewinnt und wenn der Erfolg anhält, Apple wohl auch bald überholen wird. Zudem hat uns die Vergangenheit ja bereist mehrfach deutlich gemacht, das man sich mit Google nicht anlegen sollte. Die gewinnen nämlich sowieso immer.