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Facebook: der gefälschte und gekaufte Fan

27. Mai 2011
von

Gastronomen kennen das. In eine Kneipe ohne Gäste lockt man keine Kunden. Fanpages bei Facebook ergeht es ähnlich. Wie verzweifelte Wirte fragt sich mithin manch ein Unternehmen, wie es die Ödnis der Startphase in ein volles Haus verwandelt. Gewinnspiele im Tausch mit dem Like sind ein Weg. Ein anderer sind gefälschte Fans. Man kann sich die Fans der Marke im Web sogar Euro-weise einkaufen. “1000 Fans für nur 189.- EUR”, so wirbt beispielsweise die Seite Fanslave.de bei Google.

Fans bei Ebay im Paket kaufen

Kaum eine Frage höre ich auf Kongressen so häufig, wie die nach dem Erfolgsrezept zur Fangenerierung bei Facebook. Und weil jene die Antwort ja in der Regel selbst kennen (Mehrwert, Content, Vernetzung, Geduld) wird dann geraunt, was ich den von anderen Methoden halte, die die Fanzahlen schneller pushen würden. Ob das ginge?

Es wird nach Wegen gefragt, für die einmal das schöne Wort unlauter geprägt wurden.
Gemeint ist dann nicht, die etwas einfallslose Suche nach Gewinnspielen, bei denen der “Like” zu Teilnahme führt und die je nach Gestaltung regelkonform sein können oder auch nicht. Was mit gutem Willen auch mit  Regeln zu begründen ist, die ungefähr so leicht zu durchschauen sind wie eine Windows-Installation im Jahre 1990.

Es geht um jene Angebote, die versprechen, einer Fanpage binnen kürzester Frist tausende neuer Fans zu verschaffen. Und natürlich geht es dabei ebensowenig mit rechten Dingen zu, wie bei manch einem zusammengekauften Youtube-Hit.

Wie das funktioniert?

Nun, Dienstleister, die Fans für einen Stückpreis von rund 10 Cent anbieten (Je mehr, je günstiger)  nutzen dafür häufig Fake-Accounts oder , jedenfalls die tiefschwarzen unter den schwarzen Schafen, gehackte Accounts bei Facebook. Es gibt sogar Anbieter, die Mietenthusiasten dafür bezahlen, wenn sie mit ihrem echten Account Fan einer Marke werden. So wirbt beispielsweise Fanslave: “Nach erfolgreicher Registrierung können Sie sich durch die Seiten des FanSlave Netzwerkes klicken. Bei Gefallen einer Seite erhalten Sie von FanSlave Credits für Ihren Aufwand, welche Sie sich nach Erreichen der Mindestauszahlung von € 15 auszahlen lassen können.”

50 Euro im Monat dazuverdienen

Einschlägige Foren im Web empfehlen denn auch gleich, sich einen Fakeaccount in Facebook zu erstellen, damit die private Seite nicht zugemüllt wird, sich dann bei einem entsprechenden Dienst zu registrieren und sich auf diese Weise ein paar Euro dazuzuverdienen. Pro Klick sollen bis zu 5 Cent gezahlt werden. 50 Euro im Monat sind da locker drin.

Derartige Fan-Anbieter gibt es im Web in Serie. Sie werben damit bei Google und nutzen dafür sogar Ebay als Vertriebsweg. Und wo es so viele Anbieter gibt, da gibt es auch einen Nachfrage-Markt.
Der Grund ist klar: Wer mit seiner frisch gestarteten Fanpage schnell Relevanz in Form hoher Fanzahlen erzeugen will, braucht einen Grundstock. So wie ein Hütchenspieler ein paar Statisten dazugesellt, um Interesse zu suggerieren.

Natürlich mag Facebook das nicht. Doch man darf getrost vermuten, dass es dem Netzwerk nicht gelingt, alle Hütchenspieler unter den Käufern herauszufischen. Es ist ein diskretes Geschäft, das allen entlarvenden Rechenkünsten zum Trotz immer wieder ein neues Deckmäntelchen findet.

Digitale Claqueure

Nun mag man vor allem eines unterstellen: Es dürften weniger Top-Marken sein, die sich mit den bestellten digitalen Claqueuren, deren Vorläufer und unterschiedlichen Rollen im Theater Balzac wunderbar in “Verlorene Illusionen” beschreibt, in Vergleichsrankings nach oben tricksen. Aber für Marken und sogar Verlage, die in der Masse mitschwimmen und eher im Low-Involvement Bereich zu Hause sind, mag es schon lockend sein, mit einem Paket von 10.000 Fans das Ranking der Fanpages in der 08/15-Branche anzuführen.

Man mag auch unterstellen, dass es weniger die Unternehmen selber sind, die sich auf diese Art in die Tasche lügen. Doch manch einer Agentur könnte es arg gelegen kommen, die Fanzahlen derart zu pushen, wenn die in den Powerpoint-Folien versprochene Fankurve eine flache Linie bleibt und der Markenvorstand von Tausenden von Fans träumt und nur in Schwanzvergleichs-Kategorien denkt.

Nützlich ist das nicht. Schließlich geht es bei Facebook nicht um Fanzahlen, schon gar nicht um eingekaufte. Kommunikationsberater Mirko Lange, der zum Thema gekaufte Fans dieser Tage eine Debatte bei Facebook angestoßen hatte, schreibt völlig berechtigt: “Auf Facebook zum Beispiel geht alles darum „Fans“ zu bekommen. Aber das ist ein Irrglaube. Man gewinnt auf Facebook keine Fans. Man gewinnt nur „Gefällt-mir-Klicker“. Echte Fans gewinnt man durch echtes Handeln. Durch gute, kundennahe Produkte. Durch guten, kundennahen Service. Durch gutes, kundennahes Verhalten!”

Also Schulter zuckend feststellen, dass gekaufte Fans schlichtweg rausgeworfenes Geld sind? Mitnichten. Es ist auch Betrug am echten Fan. Oder wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie plötzlich feststellen, dass die vielen Menschen, mit denen Sie sich tummeln, nur angeheuerte digitale Prostituierte sind?

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Kommentare zu “ Facebook: der gefälschte und gekaufte Fan ”

  1. Stefan am 27. Mai 2011 um 12:32 Uhr

    Dieses Verhalten ist mit den Grundsätzen von Socialmedia inkompatibel.

  2. Robert Nabenhauer am 27. Mai 2011 um 22:27 Uhr

    sehe es genauso wie stefan

    Gruss Robert Nabenhauer (der admin: hier stand ein werbelink , irgendwas zu xing nutzen)

  3. Nico am 27. Mai 2011 um 23:36 Uhr

    Olaf, leider wird es deratigen Blödsinn immer geben, das ist genau so eine Pest wie Linkfarms. Marken, die an einem Dialog mit den Fans interessiert sind und Insights generieren wollen, werde sich ihre Fans u.U. hart erarbeiten müssen.

    Gruss,

    Nico Lumma http://www.xing-noch-erfolgreicher-nutzen.org

    • Olaf Kolbrück am 28. Mai 2011 um 10:48 Uhr

      Ja. Und seriöse Marken und seriöse Agenturen wissen das. Aber die Welt ist manchmal böse. Doping und so. Apropo. Ich finde, dieser Digitalgesellschaftsverband bräuchte auch einen digitalen Dopingbeauftragten.

      Grüsse Olaf http://www.xing-noch-viel-viel.....nutzen.org

  4. BobHope am 28. Mai 2011 um 14:25 Uhr

    Aus Markensicht ist das einfach nur peinlich…
    Mich persönlich interessiert es allerdings wenig… ich hab noch nie “Gefällt mir” geklickt, weil schon “gaaaaanz viele” Leute die jeweilige Seite gut fanden… Ich klick auf “Gefällt mir”, weil mir etwas gefällt. Oft nichtmal dann ;)

  5. Nico am 28. Mai 2011 um 23:10 Uhr

    Erinnert an das preisgekrönte Hörspiel »Kennst du schon Ken?« Sehr hörenswert, wie ich finde. Zum Beispiel hier:
    http://www.swr.de/swr2/program.....index.html


    Dieser Kommentar ist nicht gekauft.

    • Tanja Handl am 30. Mai 2011 um 12:52 Uhr

      Dieser hier auch nicht. ;)

      Mal ganz ehrlich – wer braucht denn Fans, die keine sind? Das ist doch nur armselig und rausgeschmissenes Geld. Und außerdem ein Risiko für die “fanshoppenden” Unternehmen – wer möchte schon gern, dass solche Praktiken auffliegen?

  6. Claus Hoffmann am 6. Juni 2011 um 22:52 Uhr

    Die Vermutung “Natürlich mag Facebook das nicht” kann ich nicht ganz nachvollziehen. Schliesslich bezahlt auch Facebook seine User dafür, beim Interesse an bestimmten Ads etwas nachzuhelfen:
    http://mashable.com/2011/05/06.....-cents-ads

  7. Sven Wiesner am 7. Juni 2011 um 12:56 Uhr

    Wir alle wissen dass das Blödsinn ist. Leider wird der Erfolg einer Marke bei Facebook nunmal an der Anzahl der Fans gemessen. Immer wieder, ob nun in der Entscheideretage oder in den Medien. Die Lösung wäre ein Ranking etwa auf Basis der Konversationen mit den Fans, Likes und Postings…

  8. Martone am 7. Juni 2011 um 13:33 Uhr

    Lieber Olaf Kolbrück

    Jetzt bin ich aber doch mal gespannt wie sie diese Nummer belegen? Es gab ja unlängst eine heftige Debatte darüber, ob bei der “Wir-wollen-KTG-zurück”-Gruppe ebenfalls am Anfang stark nachgeholfen wurde, um dadurch die ganze Kiste zum Laufen zu bringen. Da gab es trotz zahlreicher Beiträge keine Chance, die Möglichkeit Fans zu kaufen zu beweisen. Dass Facebook kein Interesse haben kann – bei einer entsprechenden Anfrage – zuzugeben, dass Schindluder getrieben wird, liegt auf der Hand. Der Glaube an die Fans ist ihr Geschäftsmodell.

    Gruß vom Martone

    • Olaf Kolbrück am 7. Juni 2011 um 14:58 Uhr

      Nun, glücklicherweise (oder womöglich auch nur versehentlich) habe ich nicht behauptet, KTG-Fans wären in Teilen eingekauft gewesen. Da entfällt die Beweispflicht.

      Ich halte den Nachweis gekaufter Fans zudem immer für eine reine Indizienkette, so nicht jemand aus der Schule plaudert. Bis dahin gehen mein Bauchgefühl und meine Ratio zuweilen getrennte Wegen.

  9. Jens am 7. Juni 2011 um 14:46 Uhr

    Leute mit einem kleinem Gemächt kaufen sich Facebook Freunde, wer interagieren will versucht es mit gutem Content, viel Fleiss und mit viel Zeit… denn nur die richtigen Leute bringen einen weiter…

    Ich kann mir auf meinem Caddy zwar Omnibus draufkleben, 50 Leute kann ich damit trotzdem nicht befördern, mehr Schein als sein. Leute die sich Facebook Freunde kaufen, kleben sich auch M3 Aufkleber auf den kleinsten 3er den es gibt.

  10. Josef Altmann am 28. Juni 2011 um 13:02 Uhr

    Hallo,

    das ist ein interessanter Artikel. Ich denke immer es ist wie überall im Leben. Erlichkeit währt am längsten. Ich seh jetzt keinen großen Nutzen für jemaden der sich Fan`s kauft. Wer nicht hält was er verspricht wird schnell auffliegen. Das gilt überall.

    freundliche Grüße
    Josef

  11. The Challenges am 28. Juni 2011 um 14:19 Uhr

    Hallo,
    ich möchte vorausschicken, ich bin ein Social Media Anfänger. Ich finde dieses Medium grundsätzlich ganz gut, bemühe mich auch, es mehr in meinen Arbeitsalltag zu integrieren, habe sogar mittlerweile Spaß daran. Ich verstehe jedoch diese Argumentation nicht. Vielleicht habe ich ja hier einen grundsätzlichen Denkfehler, könnte mich mal jemand aufklären?

    Wozu soll dieses Fan-Einkaufen denn nütze sein, gefeakte Fans kaufen doch nichts und empfehlen auch nicht weiter? Es kauft doch auch kein Facebookuser was, nur weil diese Seite viele Fans hat, sondern weil er im Netz was sucht und so auf diese Seite kommt. Ist er dort gelandet, trägt die Qualität, Informationsgehalt und gute Aufmachung der Seite, wie auch des Produkts oder der Dienstleistung doch wesentlich mehr zu seiner Kaufentscheidung bei, als eine große Anzahl Fans????

    Den Erfolg einer Marke an der Anzahl der Fans bei Facebook zu messen ist logisch doch Bullshit. Facebook ist doch “nur” ein weiteres Werbemittel, dessen Erfolg sich letzlich an der Differenz des Auftragsvolumens, Produktverkaufs vor und einige Zeit nach Facebookaccount Eröffnung zeigt. Mehr Aufträge oder Produktverkäufe erziele ich doch nicht durch mehr Fans, sondern mit den RICHTIGEN Fans! Mit denen, die wirklich interessiert sind und auch mit der Unternehmensseite interagieren, Dinge selbst an andere in ihrem eigenen Social Media weiterempfehlen etc.

    Gruß The Challenges

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  1. Gefälsche Fans bei #Facebook. Interessanter Artikel dazu bei off the record. http://is.gd/jD6YJ4

  2. Markenvorstände, die von Tausenden von Fans träumen und nur in Schwanzvergleichs-Kategorien denken http://is.gd/jD6YJ4 von @off_the_record

  3. RT @DerScholz: Markenvorstände, die von Tausenden von Fans träumen und nur in Schwanzvergleichs-Kategorien denken http://is.gd/jD6YJ4 von @off_the_record

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