Trauerkränze für StudiVZ und Wer-kennt-wen
Wenn ich Praktikanten hier im Hause frage, ob sie noch bei StudiVZ sind, dann verdrehen sie ein wenig die Augen. Die Stimme senkt sich. Man sei schon noch Mitglied da, aber im Grunde eher bei Facebook. Man kenne Freunde, die hätten ihren VZ-Account bereits aufgelöst oder nur noch den Vermerk „Trefft mich bei Facebook“ im Profil.
Über 20 Millionen Visits haben die VZ-Netzwerke (StudiVZ, SchülerVZ, MeinVZ) laut IVW Online gegenüber April verloren. Ein Minus von 8,9 Prozent. Wer das positive sehen will: Im April lag das Minus bei 14 Prozent.
Man kann es aber auch dramatischer formulieren: Innerhalb eines Jahres hat das VZ-Trio die Hälfte seiner Klicks verloren: (Mai 2011: 206,7 Millionen Visits / Juli 2010: 414 Millionen Visits.
Der Juli 2010 übrigens, er war ein Ferienmonat.
Jetzt liegen die VZ-Netzwerke laut IVW bei den Visits hinter Yahoo. Ausgerechnet. Das klingt in etwa so als würde ein alter Lada in der Pannenstatistik besser abschneiden als … (ich mag hier keine Marke einfügen, die wären ja alle beleidigt).
Auch W-k-w verliert weiter
Auch das zweite heimische Freundesnetzwerk verliert ungesund konstant. Wer-kennt-wen muss auf 3,3 Millionen Visits verzichten. Minus 2,8 Prozent. Auch hier mag man hoffen, dass der Absturz nun gebremst vonstatten geht. Im April lag das Minus bei 12 Prozent. (114 Millionen Visits im Mai 2011, 163 Millionen Visits im Juli 2010)
Am 16. Juni treffen ich beim Social Media Summit in Wiesbaden auf einem Panel Eva-Maria Bauch von Wer-kennt-wen und Sven Bagemihl von den VZ-Netzwerken.
Wenn ich ein weniger höflicher Mensch wäre, dann würde ich das Duo vielleicht mit einem Trauerkranz begrüßen.
Doch im Programmtitel zum Gespräch „Wer schafft es 2011, den Platzhirschen Facebook und Twitter Paroli zu bieten?“ klingt ja auch noch so etwas wie Optimismus mit. Und Totgesagte leben schließlich länger. Sagt man. Es könnte also eine spannende halbe Stunde werden. Wie wollen die deutschen Freundesnetzwerke aus der Dauerkrise wieder herausfinden?
Zuweilen gewinnt man den Eindruck, der Schutz der Nutzerdaten solle für beide so etwas wie ein USP sein. Doch Datenschutz mag man gut finden. Deswegen zu einem Netzwerk gewechselt hat noch kaum jemand. Auch der Streit um die Gesichtserkennung bei Facebook dürfte dem Netzwerk kaum schaden. Obendrein müsste man aus vergangenen StudiVZ-Zeiten selbst wissen, wie wenig Datenskandale zur Abstimmung per Log-out beitragen. Bei VZ-Besitzer Holtzbrinck denkt man ja allen Durchlateparolen zum Trotz auch über das Aufhübschen und Verkaufen des VZ-Trios nach. Kampfgeist sieht anders aus.
Rettung in der Nische?
Ab in die Nische? VZ, und bei Schülern mag es die sogar geben, würde da gerne hin. VZ-CEO Riedl hat die Nische für das Trio längst zum Ziel erklärt. Klar definiert hat er sie öffentlich noch nicht. Wer-kennt-wen, einst als Volksnetzwerk apostrophiert und nun oft als Netzwerk der Landeier verspöttelt, ist da längst.Vielleicht mag es sich tatsächlich eine Stärke als Hort für Schützenvereine und Laubenpiper entwickeln. Nur, ob das Eigentümer RTL reicht? Da macht man schließlich auch kein Spartenprogramm. Und vielleicht wird die Provinz bald so denken, wie urbane Praktikanten heute.
Denn wo soll die Nische sein? Vielleicht in der Region, vielleicht in einer Branche, vielleicht in einer speziellen Zielgruppe. Da tummeln sich bereits andere. Zudem müssten die beiden Netzwerke sich erst einmal weiter zurechtschrumpfen, würden Netzwerkeffekte verlieren und auf Fragen von Werbevermarktern sehr komplizierte Antworten finden müssen. Facebooks Antwort ist da einfacher: 20 Millionen. Sie könnte womöglich noch klarer ausfallen, wenn Facebook sich endlich an der IVW-Messung und Ausweisung der Zugriffszahlen beteiligt.
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10 Gründe, an denen Du erkennst, dass wkw das richtige soziale Netzwerk für Dich ist:
http://www.severint.net/2010/1.....-netzwerk/
10 Gründe, an denen Du erkennst, dass StudiVZ das richtige soziale Netzwerk für Dich ist:
http://www.severint.net/2010/1.....-dich-ist/
Sinus-Milieus wurden selten treffender beschrieben.
nachtrag, zu wkw hatte ich noch einen Teil zwei geschrieben, war mir fast entfallen:
http://www.severint.net/2010/1.....uende-wkw/
Hey, nix gegen Bud Spencer, ja?
Lass Bud Spencer aus dem Spiel, gibt genug “normale” die den gerne sehen
Ich glaube bei WKW liegt der Knackpunkt darin, dass es größtenteils immer noch so aussieht, wie damals, bevor RTL die Kiste übernommen hat. Ein flottes neues Layout und ein paar Features mehr könnten WKW zumindest wieder ein bissjen auf die Beine helfen. Ernsthaft gegen Facebook anstinken, diesen Gedanken dürfte man selbst bei WKW und VZ schon längst begraben haben…
Ja es wirkt zuweilen, als habe RTL da ein spielzeug und wisse nicht, was tun damit oder frage sich, ob man es nicht doch einfach alles mit rtl.de verschmelzen soll.
@severint: Haha, voll auf die 12!
@olaf: Wenn ich Kollegen und Branchenkontakte frage, ob sie noch bei ****z*** people sind, dann denken sie kurz nach und müssen dann eingestehen, dass sie sich da nicht mehr so sicher sind. Irgendwann sei man dazu übergegangen, den dazugehörigen Newsletter einfach in den Spamordner laufen zu lassen…
Und dabei ist es nicht mal so, dass die sich alle bei Xing oder Linkedin tummeln.
A propos: Das könnte auch nochmal spannend werden, ob sich die Facebook vs. VZ-Geschichte so ähnlich mit Linkedin und Xing wiederholen könnte.
Xing hat im Moment gleich mehrfach Glück:
a) Es gibt immer noch Branchen die grad das Internet und damit xing entdecken und meistens sind es branchen mit jeder menge außendienstler, hehe. die spammen sich in den gruppen jetzt gegenseitig zu.
b)ist linkedin immer noch im status des “wir starten jetzt die deutschland-offensive” – gefühlt ungefähr seit 2002.
c) halten sie, also xing, sich clever an die maxime: besser gut kopiert, als schlecht neu erfunden. siehe relaunch
d)haben sie eine klar definierte nische (business) die sie bspw im vergleich zu den visits der wirtschaftspresse gut ausssehen lässt.
Dennoch: wenn linkedin hier lauter auftritt könnte es schnell eng werden. Das önnte tatsächlich spannend werden.
Obendrein muss man mal sehen was aus dingen wie branchout bei facebook wird und was da noch folgt. Da könnte in wenigen jahren der eigentliche wettbewerber entstehen.
Ich stimme gerd zu, kann mir nicht vorstellen dass das VZ oder WKW den Vorsprung von Facebook jetzt noch aufholen können, egal welch akrobatischen Maßnahmen ergriffen werden. Ich persönlich begrüße die Entwicklung nicht wirklich, das VZ war mir schon immer sympathischer als FB (weil übersichtlicher, sauberer) und bei mir fängt es auch langsam an, dass Bekannte zu facebook wechseln und ihren VZ-Account nur noch aus Solidarität beibehalten.
Frage mich nur, ob es dann dabei bleibt, wenn Facebook die “Weltmacht” an sich reißt, oder ob es über die Jahre dann ein Kommen und Gehen an der Spitze der sozialen Netzwerke geben wird.
RTL macht kein Nischenfernsehen, formerly known as Unterschichtenfernsehen? Bauer sucht Frau und RTL2 sind doch genau das.
Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass wkw sich da etabliert, mal davon abgesehen, dass da nicht sooo schnell weggezappt wird und die Konkurrenz im Grunde in der Anzahl kleiner ist: StudiVz und Facebook, da sollte ggf. noch Platz sein, um die zahlungskräftigen Landeier einzusammeln.
Nee nee, für die Unterschicht gibt’s doch schon jappy.
Als LADA-Fahrer (auf 330.000 km 1 Panne) bin ICH jetzt beleidigt!
Oh, sorry. Lada ist schon ein tolles Auto. Klare Designform, Sportlichkeit, Markenwelt und so.
mein lieber “Freund”, ziehe als Vergleich bitte eine andere marke heran!
mein LADA läuft und läuft und läuft…
denke besser: Toyota oder Mercedes
Nochmals sorry, hätte nicht so einen “Shitstorm” erwartet.
Also großes Mea Culpa. Ganz schlechter Vergleich. Habe die Markenliebe der LADA-Fans völlig unterschätzt. Ihr seit die besten Autofahrer der Welt.
Es hat schon Gründe weshalb Leute, die bei einem Auto Dinge wie “Klare Designform, Sportlichkeit, Markenwelt und so” anführen im Bereich Marketing, Werbung und Medien arbeiten.
Auch wenn es die heutige Medienwelt nicht wahrhaben möchte: Autos, Motorräder, Fahrräder, ja gar Kühlschränke erfüllen auch ohne Image, Sportlichkeit, Design und allen weiteren Modebegriffen ihren Zweck.
Schuster bleib bei deinen Leisten und du, Olaf, nutze deine wertvolle Lebenszeit dazu über die Sinnhaftigkeit von Konkurrenzverhalten sozialer Netzwerke zu Papier zu bringen. Das scheint dir auch besser zu stehen als der Schraubenschlüssel.
LG
Ich weiß um die Zweckmässigkeit. Ich hatte in den 80ern mal einen Fiat Panda. Fuhr auch. Spaß war anders. Der R4 war irgendwie aber toller. Schon allein, weil das Wasser im Winter im Fussraum gefror und den Erlebniswert erhöhte. Und ich war bei beiden schon ziemlich stolz, wenn ich wusste, wo die Zündkerzen waren. Ich rede bewusst nicht von wechseln können. Insofern ist deine Vermutung mehr als zutreffend.
Schämen sollen sich die Menschen, die sich gedankenlos der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.
(A. Einstein)
Oder eben ein Fahrzeug führen und schon stolz sind, wenn sie wissen, wo die Zündkerzen sind (nämlich im Handschuhfach)
Alles wird gut, bald ist GFACE da