Greenpeace, VW und die dunkle Seite der Macht
Diese Kampagne von Greenpeace „The Dark Side“ hat alles was eine gute virale Aktion braucht. Einen großen Gegner: VW. Das Spiel mit einem Kult: Star Wars und eine clevere Mechanik.
Ob die Kampagne auch eine Erschütterung der Macht auslöst? Geschickt macht sich Greenpeace jedenfalls die Darth-Vader-Kampagne von VW zu eigen, um damit ihre eigene Botschaft zu transportieren. Das schafft Aufmerksamkeit. Ob George Lucas dies mit Blick auf Lizenzrechte gelungen findet? Ich bin sicher, Greenpeace hat das einkalkuliert.
Greenpeace nutzt Gamification
Zunächst einmal macht die Aktion Lust auf Weiterleitung, weil sie mit Elementen der Gamification arbeitet. Jeder kann seine Freunde informieren und dabei Punkte sammeln: “Unterstütz’ mich beim Jedi-Training, um gegen VWs Blockade-Haltung beim Klimaschutz zu protestieren. Klick hier: http://www.vwdarkside.com/de/jedi/olaf-kolbrueck-422”
Für die Empfehlung und neue Besucher, die man so zur Kampagnenseite lotst, gibt es „Machtpunkte“ und gibt den Teilnehmern ein klein wenig das Gefühl in die Rolle kleiner Jede-Ritter zu schlüpfen. Das ist weitaus lustiger als jede Junior-Tüte mit Spielfiguren und billige Sammelbildchen im Zeichen des Pandabären.
Zumal die Mechanik auch noch weitere Goodies und eine virtuelle Karriere hin zum Yoda verspricht. Jede Teilnahme an der verspielten Aktion verschafft eine kleine digitale Belohnung und befriedigt das digitale Ego. Das reizt in der Regel mehr zur Mundpropaganda als rein altruistische Motive und schlichte Empörung.
Belohnung für Mundpropaganda
Diese Mechanismen hat die Aktion, die mangels Weltrettungspathos umso leichter zu mögen ist, auch nötig. Denn seien wir ehrlich: Das Ziel „strengere Emissionsziele und scharfe CO2-Grenzwerte für Autos“ ist nicht so wunderbar konkretisierbar wie kuschelige Orang-Utans und damit zu abstrakt, um einen Wookiee zu Tränen zu rühren. Lediglich das eigentliche Ziel und die Inhalte könnten vor lauter Spielerei vielleicht untergehen.
Nachtrag: Betrachte es heutzutage als Pflicht: online und offline vernetzen. Greenpeace tut es. Stormtrooper in der Stadt.
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Jetzt würde mich schon interessieren, warum diese Kampagne von allen so gehyped wird? Die Idee ist total lame, weil sie den sehr guten Star-Wars-Spot von VW nicht toppen kann. Sie wirkt wie Trittbrettfahrerei. Vor allem aber ist wieder einmal die Wahl des Gegners, in diesem Fall Volkswagen, vollkommen willkürlich. Zumindest wirkt es so. Warum um Himmelswillen Volkswagen, die mit ihren Motorenkonzepten zur Verbrauchs- und Emissionssenkung mit am weitesten sind? Warum nicht die Auto-Firmen, die immer noch echte Spritfresser verbauen und kaum die 120 mg CO2, geschweige denn sogar die 100 mg CO2 unteschreiten?
@Richard: ganz einfach: weil VW einer der größten Hersteller ist und insbesondere in Deutschland mit das größte Vertrauen beim Volk hat. Daran zu rütteln schürt am Ende den größten Effekt. Hätten sie hingegen Mazda genommen, wäre es wohl nicht so viral gewesen. Im übrigen wäre ich mir nicht so sicher, ob VW nun wirklich so weit sind in ihren Motorenkonzepten oder ob diese landläufige Meinung eben nicht Produkt der von Greenpeace kritisierten geschickten Lobbyarbeit und Propaganda seitens der Wolfsburger ist. Ich bleibe extra im Konjunktiv, weil ich es eben auch nicht genau weiß und keine Zeit habe, es genauer zu prüfen. Wenn ich mir ein neues Auto kaufe, werde ich darauf aber zukünftig achten. Zumindest das hat die Aktion schon erreicht.
Es ist eben nicht “ganz einfach”! Dadurch wird die Kampagne willkürlich und damit unglaubwürdig und angreifbar. Mich hat Greenpeace jedenfalls damit verloren zumal ja im Nachhinein betrachtet schon “Nestle und Palmöl” genau so willkürlich waren. Ich werde mir jedenfalls gleich ein KitKat holen und den VW-Konfigurator wegen des nächsten Autos anwerfen…
Die Idee soll vermutlich auch keinen Spot “toppen”. Wozu auch? Greenpeace will ja keine Kreativpreise gewinnen. Sie nimmt halt das Thema auf, mehr nicht.
Und warum es VW getroffen hat, steht in dem auf der Seite runterladbaren Report. Der zugegebenermaßen sehr lang ist und dessen (Wahrheits-)Gehalt ich auch nicht beurteilen will. Aber wer nach dem Warum fragt, wird definitiv auf der Seite fündig. Wie die Antwort dann zu beurteilen ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Na, wer sagt denn, dass die ausführende Agentur keine Kreativpreise gewinnen will? Ist doch vermutlich der einzige Lohn, den sie dafür bekommen kann. Oder? Report hin oder her, das ganze wirkt dennoch sehr an den Haaren herbeigezogen und vor allem willkürlich.
Und dann die krasse Forderung in Punkt 3: “fordern wir: VWs Fahrzeugflotte muss bis 2040 komplett ohne Öl auskommen.” Wha? Abgesehen davon, dass es anmassend ist, wer sagt denn dass E-Autos (mit Strom auch aus regenerativen Rohstoffen) eine bessere Öko- und vor allem Sozial-Bilanz haben als Benzin-Autos (Stichwort: Welt-Nahrungsmittelpreise)?
Mit anderen Worten: Diese Greenpeace-Kampagne ist genauso unglaubwürdiger Werbekram wie andere Werbung auch.
willkürlich find ich die Wahl jetzt nicht…
ausserdem hat VW eine Steilvorlage geliefert wenn sie schon in der Werbung mit der dunklen Seite der Macht spielen.
Den Bock hat die Agentur geschossen, die den Spot für VW gemacht hat… hätten die mal nur Meister Yoda genommen, dann wäre ihnen das erspart geblieben
Yepp Peter,
du hast recht. Pointierter und wahrhaftiger kann man’s kaum auf den Punkt bringen. Hab mich schon beim Sport-Spot gefragt, ob VW einen an der dunklen Waffel hat.
So ’nen laschen „Witz“ mit dem Pimpf-Vadder macht irgendwann jeder Simpel mit Remote-Control in der Hand. Der Greenpeace Sidekick mag zwar Spiegelfechterei
sein. Besser in jeder Hinsicht ist’s aber allemal!
und ob der vw-spot getoppt wird, aber sowas von! richtige star wars fans spricht er (mich eingeschlossen) auf jeden fall an!
Nur am Rande, weil ich grad andere Baustellen beackern. Finde es eine spannende Frage, ob es letztlich nur ein PR-Stunt ist und man sich schlicht ein “gutes”, weil öffentlichkeitswirksames Ziel gesucht hat. Bin mir da noch nicht einig. Heiligt der Zweck die Mittel? Für alle die nur oberflächlich draufschauen, bleibt jedenfalls die Boitschaft klar.
@Olaf: Imho ist das definitiv ein PR-Stunt. Genauso willkürlich und ungerecht wie seinerzeit die Kitkat-Kampagne…
@Richard Joerges: Ich sehe dein Problem nicht ganz. Sicher könnte man auch andere HErsteller angehen. Immer, wenn man sich nur einen aus einer Masse herrauspickt, ist willkür dabei. Aber das war schon immer die Greenpeace-Strategie: Sie greifen sich einen Gegner, versuchen den zum Einlenken zu bewegen und können anschließend diesen als positives Beispiel anführen, um auf die restlichen Druck aus zu üben.
Alle gleichzeitig angehen funktioniert meist nicht, weil sich dann die Empörung des Publikums zu sehr verteilt und der Gegner zu groß wird. “Ach Mercedes auch? und auch BMW? … Dann ist das wohl so. da kann man dann nichts machen.”
Und warum sollte man immer auf dieselben ziehlen? Mercedes wurde vor drei Jahren als “Klimaschwein” angegangen: http://webmoritz.de/2008/09/27.....reifswald/
(Kitkat hat damals übrigens schnell eingelenkt. Du kannst also dein Kitkat genießen)
Gut, so gesehen ist natürlich _alles_ willkürlich. Spielt aber eigentlich auch überhapt keine Rolle, jedenfalls kann ich das Argument nicht erkennen, denn es liefe ja darauf hinaus, Missstände erst anzuprangern, wenn man alle “Übeltäter” im Sack hat.
Wenn von drei möglichen Sündern einer rangenommen wird, hat der in der Tat Pech gehabt. Das magst du “ungerecht” finden. Dann ist aber auch so ziemlich jeder investigative Journalismus ungerecht (hey, andere Versicherungen bauen auch Mist). Oder das Anprangern von Plagiatoren (Menno, andere Agenturen/Politiker plagiieren aber auch). Und so weiter …
Das hat jetzt wirklich nichts damit zu tun, dass mein Privatblog “die dunkle Seite” heißt, aber ich kann mich Richard Jörges nur anschließen. Die Palmöl-Geschichte mit Nestlé war schon haarig, und dieser Pseudo-Aufreger erreicht mich irgendwie schon gar nicht. Ich meine, der Golf von Mexiko stinkt immer noch vor Öl, Japan verstrahlt zusehends und Greenpeace macht mäßig tolle Abmbush-PR mit so einem Pillepalle-Thema. Als ob die Welt keine dringlicheren Umweltprobleme hätte als irgendwelche fernen CO2-Ziele eine Autoherstellers. Wenns Greenpeace wirklich um CO2-Reduzierung in Deutschland ginge, dann wäre RWE Power mit seinen stinkenden und staubenden Braunkohlekraftwerken das lohnendere Ziel (um nur mal eins zu nennen).
Rwe hatten sie schon http://off-the-record.de/2009/.....s-monster/
Ups. Stimmt, da war was. Na, immerhin.
@ramses101: Dass Fukushima/Atomkraft ein (zu) einfaches Thema für eine Kampagne wäre, ist doch genau so ein Null-Argument. Brent Spar habe ich ganz bewusst nicht genannt, auch wenn sich das im Nachhinein dann doch anders darstellte als von Greenpeace propagiert. Aber zu der Zeit hat Greenpeace wenigstens noch gekämpft (oder wenigstens glaubhaft so getan als ob). Diese wohlfeilen Werbepersiflierungsspielchen heutzutage, meine Güte, die könnte doch auch der Spießer Alfons machen…
“Als ob es keine dringenderen Probleme gäbe” ist genau so ein Nullargument wie “Die anderen haben aber auch!”. Sorry. Irgendwo und bei irgendwem muss man halt anfangen. Es hat dich erwischt? Dumm gelaufen.
Und was sollte Greenpeace denn zu Fukushima sagen? Dass die das doof finden? Ja, meine Güte, das wär mal ne einfache Kampagne.
Btw: Was reitet ihr eigentlich auf der Palmölnummer rum? Hab ich da das Happy-End verpasst und Nestlé war unschuldig? Warum bemüht ihr nicht einfach Brent-Spar. Würde euch vieles erleichtern
@mark793: Der Fukushima-Einwurf war ja nicht mal Argument, sondern nur Reaktion. Und Brent-Spar hatte ich ja auch mit einem
versehen, denn mir geht es ja genau um eines nicht: Pro oder contra Greenpeace.
Ich will doch nur auf die innere Logik hinaus, mal ab von Greenpeace-Inhalten:
1. Ist es OK, sich aus einer Reihe von Gegnern einen Stellvertreter rauszupicken? Ich denke: Ja. (Auch wenn der BDI sich auf ein Biosiegel einschießen würde, das er halt bei Ungereimtheiten erwischt hätte). Ist das Willkür? Von mir aus. Ist das ungerecht? Aus Sicht des allein Betroffenen mit Sicherheit. Aber ich habe immer noch nicht verstanden, was das für ein Argument dafür sein soll, niemanden mehr anzugreifen. Da hätte ich ganz gerne etwas mehr Klarheit – wie gesagt: Losgelöst vom Kläger und Beklagten, denn es muss ja in beide Richtungen funktionieren, ansonsten diskutieren wir über Ideologien und das mach ich hier nicht (mehr).
2. Ist es OK, wenn man sich um X kümmert, obwohl Y und Z viel gravierendere Probleme darstellen? Da denke ich wieder: Ja. Denn sonst würde niemand irgendein Problem beackern dürfen. Es gibt immer dringlicheres. Aber auch um den Rest muss sich jemand kümmern. Dass Gewichtungen mitunter komisch wirken, seh ich ja genau so. Aber das sollte man schon jedem “Kümmerer” selbst überlassen.
@ramses101: Bei Frage 1) würde ich nach längerem Nachdenken doch beipflichten. Klar muss man irgendwo anfangen. Und zu 2) käme es mir (auch wenn es vielleicht so rüber) auch nicht in den Sinn, Greenpeace Vorschriften zu machen, um welches Problem der Verein sich vordringlich zu kümmern hätte. Ich sage nur, dass sich mir die Prioritätensetzung nicht immer erschließt, und speziell in diesem Fall vertrete ich die Auffassung, es hätte drängendere Themen gegeben. Aber die hätten sich vielleicht nicht so nett und fluffig kreativ-viral umsetzen lassen.
Ich finde auch nicht alles sinnig und nachvollziehbar. Aber so lange es keine direkt steuerfinanzierten Aktionen sind, soll m.E. jeder mit seinen Geldern umgehen, wie er meint. Unterstützen kann man ja auch weiterhin die Organisationen, die andere Prioritäten setzen.
Richard Joerges, Ihre Trotzreaktion ist natürlich herzallerliebst im Einklang mit den VW und Greenpeace Werbespots, aber mir persönlich wäre mehr daran gelegen zu erfahren, worauf ihr Eingangsstatement fußt, befindet es sich doch im offensichtlichen Widerspruch zum verlinkten Greenpeacedokument. Dort findet man unter Punkt 2 “Greenwashing the fleet” die Feststellung, daß 88% der verkauften Autos über 120 g ausstoßen und doppelt so viel Autos, die über 160 g ausstoßen, verkauft werden im Vergleich zu denjenigen, die unter 120 g CO2 Emission haben.
@tschill: Es ist das eine, ob eine Firma etwas anbietet und die Produkte (trotz sehr positiver Tests in der Fachpresse) nicht gekauft werden oder ob entsprechende Modelle mit sparsamen, emmissionsarmen Motoren gar nicht erst im Angebot sind!
Ich bin keineswegs naiv, wie es mir ihr “herzallerliebst” so schön von oben herab unterstellt. Mir geht es um die Wirksamkeit einer Kampagne für ein wichtiges Anliegen. Und wenn dieses Anliegen mit einem vollkommen willkürlich gewähltem Feindbild unterstütz wird, dann leidet die Glaubwürdigkeit und damit auch die Wirksamkeit.
Und bevor Sie sich darüber echauffieren: Es muss doch bei so einer Kampagne darum gehen Otto Normalbürger (also denn durchschnittlichen VW-Fahrer zum Beispiel!) zu überzeugen und nicht diejenigen, die sowieso kritisch gegenüber der Industrie- und Konsum-Gesellschaft sind. Meinen Sie nicht auch?
olaf, lass uns gegenseitig unterstützen indem wir uns mit jeder neuen ip adresse die finger wund klicken
http://www.vwdarkside.com/de/j.....luer-93744 möge die macht mit dir sein!
Nach der Sperrung der Greenpeace-Videos auf Youtube und Vimeo stellt sich die darkside-Kampagnenseite nun ziemlich traurig dar. Durch die Probleme mit den Urheberrechten, die Lucasfilm Ltd. für sich reklamiert, fällt die Kampagne m.E. in sich zusammen. Und ich frage mich: Hat darüber bei Greenpeace vorher niemand nachgedacht? Hat man das bewusst ignoriert (obwohl doch an allen Ecken und Enden in Guidelines inzwischen davon die Rede ist, dass man im Web ein bisschen vorsichtig mit den Rechten Dritter umgehen sollte)? Rätselhaft … Siehe auch http://buggisch.wordpress.com/.....eberrecht/
Eine schöne Aktion von Grenpeace, wird aber beim Endverbraucher eher spurlos verpuffen. Der Wolfsburger Konzern sieht so etwas sicherlich recht gelassen, ist es doch bestenfalls Werbung für VW. Der Spot ist allerdings gut gemacht, Star Wars-Fans werden begeistert sein – und Autos von VW kaufen
Greenpeace hat zumindest das erreicht was mit dem Clip bezweckt war: Eine breite Aufmerksammkeit. Und genau das ist es was Greenpeace so populär macht, immer wieder mit Aktionen auf sich zeigen, im Medienmittelpunkt stehen. Greenpeace beherrscht das Fach PR excelent.
Volkswagen wird positiv erfreut sein über diese kostenlose Werbung die zudem noch richtig gut gemacht wurde. Selbst echte Starwars-Fans wie ich einer bin sind echt begeistert.