Sind Marken die Medien von Morgen?
Gerade lese ich, dass der Schuhhändler Zalando nach einem gedruckten Kundenmagazin nun auch mit einem Online-Magazin an den Start geht. Ein Schuhhändler! Al Bundy wäre heute vermutlich Journalist.
Mal unabhängig davon wie gut oder schlecht da magazinig Lifestyle-Themen geschnürt werden – letztlich treten Anbieter wie Zalando damit etablierten Medien auf die Füße. Auch wenn sie reflexartig anderes behaupten und sich nicht als Konkurrenz sehen.
Beispiel Schwarzkopf: Der Auftritt als Magazin katapultierte Schwarzkopf.de bei „haarigen“ Google-Suchergebnissen auf Augenhöhe mit “Glamour”, “Cosmopolitan” und Co. Das sind keine PR-Beiträge dort, sondern journalistisch aufbereitete Stücke rund um Haare, Styling und Stars. Das Produkt selbst findet auf der Homepage, die mehr Magazin als Markenauftritt ist, erst nach einigen Klicks statt.
Natürlich ist das Konkurrenz. Noch dazu eine, die finanziert aus dem Marketing-Etat, in Gelddingen eher an Henri Nannen und seinen LKW voller Geld erinnert, den man aus dem Verlag herausfahren müsse, um gute Zeitungen zu machen.
Beim Social Media Summit in Wiesbaden (Bezahl-Video) stand Frank Horn, Marketing Director International Digital bei Henkel, vor eine Folie mit Logos von “Tagesschau”, “Zeit” und Co und erklärte en passant: “Wenn wir Content-Lieferanten werden, dann werden wir Medium, dann steigen wir in eine Liga mit diesen Marken ein.”
Nicht nur er: Inzwischen gibt es das bunt aufgemachte Magazin von Red Bull, das Red Bulletin, seit Mai auch am Kiosk und kann dort optisch und inhaltlich, obendrein bestückt mit Anzeigen von Markenherstellern, den Publikumstiteln aus dem Sportbereich Konkurrenz machen.
Ich glaube, dies ist erst der Anfang.
Was, wenn sich die Lufthansa aus dem PR-Umfeld befreit und das Bord-Magazin deutlicher in Richtung Geo entwickelt?
Was, wenn Daimler, BWM und Co ihre schicken, schweren Kundenmagazine breiter aufstellen?
Und was, wenn die Markenhersteller, die schon jetzt die opulenteren Apps für iPad und Co produzieren, es dort so richtig rocken lassen?
Sie können mehr Geld in die Hand nehmen (von dem dann zumindest die Corporate Publishing-Verlage profitieren) und entwickeln neue Projekte schneller als die etablierten Verlage mit ihren IT-Flaschenhälsen. Wenn Sie es gut machen, fragt keiner nach dem Absender.
Frank Horn auf dem Social Media Summit (Teaser)













Hi,
sehr schöner Beitrag. Zalando folgt also 7trends mit einem eigenen Magazin. Da fällt mir mal wieder “Content is King” ein und dem Ansatz, dass große Marken natürlich über viel Potential bei der Contentgenerierung verfügen, kann ich nur zustimmen. Aber Sie müssen es richtig machen. Ich denke, dass Zalando und 7trends mit Ihren Printmagazinen noch weit von den Modemagazinen entfernt sind. Das Online Magazin hat ja eher SEO Mehrwert, auch wenn die Beiträge natürlich alleine durch die Bilder besser sind als die vieler kleiner Blogger.
Also so ganz einfach wird der Schritt nicht, aber das Potential ist da und somit auch die Gefahr für die klassischen Magazintitel.
Servus
Eine solche Entwicklung wäre nicht überraschend. Ein Großteil der Publikumsmedien sind in den letzten Jahren wesentlich von den Mediabuchungen der Anzeigenkunden abhängig. Wirklich eigenrecherierte und kritische Texte gibt es da kaum.
Genau hier können Unternehmen mit eigenen Kanälen in Konkurrenz treten – müssen sie sogar mit Blick auf Suchmaschinen-Algorithmen und Social Search. Mir macht das nicht so viel Angst, so lange es weiterhin Medien gibt, die Themen kritisch beleuchten und nicht nur der verlängerte PR-Arm der Anzeigenabteilung sind.
Ich empfehle Kunden, sich stärker auf ihren eigenen Content zu verlegen. Und zwar genau aus der Erfahrung, dass ohne Anzeigenbudget auch beim besten Thema die wenigsten Redaktionen überhaupt noch ins Gespräch gehen.
Bei einem führenden Magazin sagte man mir schon vor ein paar Jahren: Sie brauchen die nächsten 2 Jahre hier nicht mehr anzurufen, wir haben zuletzt etwas über sie geschrieben. Na dann…
ja, höre so etwas häufiger. Deine Erfahrung ist kein Einzelfall.
In Zeiten, in denen die Glaubwürdigkeit unabhängiger Blätter (selbst verschuldet leidet) und Unternehmens-Content davon ablässt mit simplen gekauften Inhalten verlängerzte PR zu betreiben und schlicht gute inhaltliche Qualität (für die Marke) wirken lässt, tut sich da eine spannende Lücke auf.
ja, und auf die werden Unternehmen reagieren. Zumindest digital, denn dort ist der Aufand überschaubar und der Traffic schneller und leichter hinzuführen.
Vielen Dank für den Beitrag. Ich meine allerdings, dass hier deutlich zwischen den staatlichen Medien (Tagesschau usw), einer Zeitung, wie der “Zeit” und den Hochglanz-Modemagazinen unterschieden werden sollte. Es hat keine Bedeutung, ob Schminktipps von einer Marke herausgegeben werden oder von einem Modemagazin. Wenn es allerdings um objektive Berichterstattung geht, ist das schon ein wichtiges Thema. Aber dieses Thema gibt es nicht erst seit heute. Denn unabhängig und meinungsneutral sind die Berichte sowieso nicht. Und was in den Medien landet, hat leider auch damit zu tun, wie schön das Presseevent gewesen ist.
Dann ist mir tatsächlich lieber es steht schon auf dem Cover, wer hier die Meinung eingebracht hat.
Eine Unterscheidung zwischen online und offline wäre m.E. wichtig. In Print sehe ich wenig Veranlassung für den Medienkonsumenten, auch noch ein aufgepimptes Kundenmagazin in sein schmales Zeitbudget zu packen, geschweige denn, dafür zu bezahlen. eBay hatte das ja auch mal versucht, mit nutzwertigen Beiträgen für Powerseller und solche die es werden wollten. Hat meines Wissens nur 6 Ausgaben gehalten.
Interessanter wird’s online (und dahingehend berate ich auch meine Kunden), weil der Leser ja interessengeleitet recherchiert, sucht, liest, weitergibt. Der SEO-Effekt für Schwarzkopf ist ein toller Bonus.
Ich denke, dass sich Marken/Unternehmen angesichts der schrumpfenden Printlandschaft als Kuratoren und Kreatoren von Marken/Unternehmens-nahen Inhalten betätigen sollten. So wie Schwarzkopf alles rund um Beauty aufbereitet könnte Daimler alles rund um alternative Antriebe aufbereiten und Coca Cola alles rund um Sport/gesunde Ernährung (ein strategisches Issue!)/Musik. Wenn sich die Marke dann optisch etwas zurücknimmt und nicht Redaktion mit Werbung verwechselt, kann das online was werden.
(Kommentarcrosspost von G+ https://plus.google.com/105871790537930741438/posts/QGSv5GGptDX?hl=de )
Coke ist ein gutes Beispiel, Wenn die sich auf Sport, Musik, (also auf Verwendungsanlässe) konzentrieren würden, aber eben nix zu Ernährung (wegen Glaubwürdigkeits-Gap) könnte das sogar lesbar sein. In der Tat ist aber vor allem online eine spannende Möglichkeit. Bin dabei auch sehr gespannt, wie Marken in diesem Sinne , also klassischen Entertainment- und Nutzwert-Content jenseits der reinen Markeninhalte und des Werbegedankens zu publizieren, Google+ und Facebook nutzen werden. Bislang ist das ja eher mau.
Online im Sinne von Websites ist erst der Anfang. Wenn sich die Medienlandschaft in einigen Jahren grundsätzlich gewandelt haben wird, gibt es das Fernsehen in seiner heutigen Form nicht mehr. Dann werden die Broadcasting-Modelle vollständig von Mediatheken/Videotheken und intelligenten, persönlichen Programm-Bots/Services ersetzt sein.
Die Stunde des Corporate TV: Wenn Fernsehen in Zukunft IP-vermittelter Content ist, von überall abrufbar und überall zu hosten, werden wir sicher auch Formate wie Greenpeace TV oder Mercedes Benz Tracks als regulären Teil des Programms wahrnehmen.
Vorausgesetzt, die Inhalte sind nicht scheiße.
Ich glaube fest daran, dass Marken zunehmend zu Content-Publishern werden. Red Bull ist hier nur mein Lieblings-Beispiel, was die an realen, digitalen und bewegten Inhalten anbieten ist extrem, denn sie lösen sich sogar zum Teil aus dem Markenumfeld heraus – schau dir mal “Speed Week” an, ein unabhängiges Motorsport-Magazin, das von Red Bull kommt. Und selbst die ganzen kleinen Unternehmen mit Blogs etc. machen den großen Verlagen ja durchaus Platz streitig. Für mich (der letztlich ja auch sein Geld damit verdient, für Unternehmen Inhalte zu schaffen) ist es schon lange keine Frage mehr, sondern eine Tatsache: “Marken sind die Medien von morgen” – auch wenn sie natürlich und hoffentlich nicht jede Sparte der Medien wegnehmen können (ich denke da nur an die heute bereits sehr verbreitete Mischung aus Journalismus und PR oder investigativem Journalismus). Im Livestyle- und Consumer-Bereich aber sind Marken heute schon deutliche Gegenspieler der etablierten Medien.
Bleibt da noch Raum für klassische Medien? Aber sicher, denn es gibt einen Grund, warum Corporate Publishing nie so aufregend sein kann: Geld, Sex, Macht und Tod sind verboten, obwohl das die Themen sind, die das Publikum am meisten interessieren – und Red Bull da zumindest allegorisch schon ziemlich nah dran ist.
Marken haben doch kein besseres und kosteneffizienteres Tool, als selbst Content zu produzieren. Wenn man dies dann auch noch mit einer Online-Plattform und einem einfach zu erstellenden fertigen Print-Out kombinieren kann, öffnen sich ganz neue Ansätze. Direktes Feedback im Bereich “user-generated-content” erhöhen zusätzlich die Markentreue. Von persönlichen Empfehlungen oder Tips von Freunden haben wir noch gar nicht gesprochen. Mehr Info’s dazu unter http://www.gogol-medien.de
Marken als Medien ist ein interessanter Ansatz. Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft, wenn die Medienbrüche immer kleiner und die Zugangstechniken (Interfaces) einfacher werden, mit einer medialen Versorgung aus der Corporate-Ecke rechnen müssen. Ich habe gestern lustigerweise einen Artikel verfasst, wie sich meiner Meinung nach die Medienlandschaft und Nutzung bis 2018 verändern wird (http://heins.org/2011/11/16/me.....glaskugel/ )Angesichts dieses Artikels, der mir leider vorher entgangen war, werde ich wohl noch mal über ein paar ergänzende Ideen nachdenken.