Brutaler Banküberfall mit Jung v. Matt: „Schrei vor Glück!“
Ist Wirtschaftswerbung ein Akt der Gewalt, der sich gegen unschuldige Menschen richtet? Und was ist der Unterschied zwischen Werbung und einem Banküberfall…?
Ein Banküberfall ist auf jeden Fall etwas Urkomisches, worüber man sich totlachen kann. Wenn Männer, maskiert mit Damenstrümpfen, die Kunden der Bank auffordern, sich flach auf den Boden zu legen, um nicht erschossen zu werden, dann ist das witzig. Genauso, wenn die Gangster eine Frau an den Stuhl fesseln und ihr den Mund zukleben, weil sie so laut geschrien hat, vermutlich vor Glück. Und wenn es dabei auch noch knallt – ob Schuss oder Sprengung – dann finden das alle, die an diesem Raubüberfall beteiligt sind, genauso irre komisch wie auch alle übrigen Menschen, die davon am nächsten Tage in der Zeitung lesen.
Zalando, der Online-Versender, hat so ein irre komisches Ding gedreht. Mit Hilfe der schweren Jungs von Matt. Und die zeigen mit diesem TV-Schrott, wie lustig doch so ein Banküberfall ist, wo Frauen am Boden liegen und sich über Zalando unterhalten. Und dann kommt plötzlich ein Paketzusteller in die Bank und bringt Kartons, auf denen Zalando steht. (Vermutlich ist da Geld drin, das bei der Bank eingezahlt werden soll.) Und alle Frauen kreischen vor Glück. Und riskieren sofort ihr nacktes Leben, um etwas aus einem Paket zu ergattern, das sie gar nicht bestellt haben.
Wie wird so ein Film von Menschen gesehen, die einmal unfreiwillig bei einem Banküberfall beteiligt waren, Kunden und Mitarbeiter der Bank? Und mal angenommen, es hätte in Deutschland gerade ein spektakulärer Banküberfall stattgefunden mit erschossenen Menschen …
… wäre dieser Zalando-Spot dann auch über den Bildschirm gegangen? Nein? Aber warum denn nicht? Ist doch irre witzig, oder?
Zur selben Zeit, als dieser Spot im deutschen Fernsehen gesendet wurde, gedachte man in Schweden der Opfer eines Gewalttäters. Und in Deutschland macht man sich lustig über Gewaltverbrechen und stellt Frauen als Dummchen dar, die angeblich nur das Eine im Kopf haben, nämlich Klamotten.
Spießer Alfons hört an dieser Stelle den obligatorischen Einwand: „Im Kino gibt’s so was doch alle Tage, ohne dass sich ein Spießer darüber aufregt!“ Gewiss gibt es das. Aber Wirtschaftswerbung sollte sich von Hollywood unterscheiden. Weil Menschen, die sich einen Film angucken, dieses mit Vorbedacht tun, und alle Filme eine vorgeschriebene Altersangabe für Zuschauer haben. Werbefernsehen jedoch kommt – genauso wie ein Überfall – unvorbereitet auf die Menschen zu. Und erreicht auch kleine Kinder, die sehen können, dass ein Banküberfall mit maskierten Gangstern eine unerhört drollige Angelegenheit ist. Und wenn es dabei bum macht, dann ist das so fröhlich wie ein Feuerwerk auf einem Rummelplatz.
Spießer Alfons hat eine Idee für den nächsten Zalando-Spot: Ein Mann mit Strumpfmaske ist dabei, eine Frau brutal zu vergewaltigen. Sie erstarrt vor Angst. Erst als der Kerl ihr die Stiefel runterziehen will, wehrt sie sich und erklärt, dass die Schuhe von Zalando sind. Da lässt der Typ ab von den Stiefeln, zerreißt ihr den Slip und befiehlt: „Schrei vor Glück!“
Ihr meint, so ein Spot würde nie gedreht und über den deutschen Bildschirm laufen? Ei, warum denn nicht? Weil die Handlung unmoralisch ist? Aber, aber, eine Vergewaltigung kann doch genauso locker-flockig-witzig in Szene gesetzt werden wie ein Gewaltakt von Bankräubern! Und der ist dann ja auch moralisch okay, oder sieht das vielleicht jemand anders …?
Twittern












Bevor ich deinen Beitrag gelesen habe, hatte ich beim Lesen der Überschrift genau die gleiche glorreiche Idee wie du. Eine Vergewaltigungsszene und alles, worum die Frau fleht, ist, dass der böse Kerl mit Maske und schlechtem Atem ihr nicht die Schuhe dreckig oder kaputt macht. Dann schreit sie auch vor Glück….
Aber mal im Ernst: Die Zalando-Werbungen mit Rainer Langhans und auf dem FKK-Campingplatz waren sicherlich lustig und bleiben positiv im Kopf und beim Image hängen. Den Banküberfall finde ich eher negativ fürs Image. Better luck next time, Zalando!
Und ich frage mich immer noch:
Was macht der Postbote mit den Zalando-Paketen in der Bank?
Wusste er, das alle Frauen der Stadt dort gerade Opfer eines Banküberfalls sind und wollte so seine Route abkürzen, in dem er die Pakete einfach schnell dorthin bringt?
Oder hatten die flotten Bankangestellten alle für diesen Tag bei Zalando bestellt?
Fragen über Fragen… Wir werden es wohl nie erfahren, schon gar nicht von den Kreativen bei JvM.
Auch ich bin kein großer Freund dieses Spots und habe auch den Kopf geschüttelt.
Allerdings könnte der spießige Kommentar ebenfalls überspitzt wahrgenommen werden.
Vom Banküberfall, der durch die häufige Penetration in Filmen und auch schon in Werbestreifen(Philips Carousel Commercial – meiner Meinung nach excellent), bis zur Vergewaltigungs-/Folterszene ist es noch ein Stück, denke ich.
Nichtsdestotrotz ist der Hinweis richtig, dass die Verharmlosung von Verbrechen in der Werbewelt erschreckend zunimmt. Der Tabubruch an sich hat mit Kreativität wenig zu tun und lenkt eigentlich nur von mäßig bis garnicht inspirierten Art Direktoren und Kreativabteilungen ab.
In diesem Sinne:
Lasst uns weiter spießern,
für kreative und gut umgesetzte Werbung!
Lieber Spießer,
Dein Artikel wäre ohne die letzten zwei Absätze echt super gewesen. Leider hinterlässt die Überspitzung unter Verwendung eiskalten Zynismus einen bitteren Nachgeschmack. Sie können das besser. Selbst wenn sie emotional aufgewühlt sind: bitte geben Sie ihren Intellekt nicht ab! Ich würde Ihre Artikel gerne noch eine Weile lesen wollen.
Gut Spieß!
Lieber Werbekritiker – sorry, aber manchmal ist bittere Satire notwendig, um denen, die nicht begreifen, vor Augen zu führen, dass Gewalt immer Gewalt ist. Notabene: Banküberfälle gab es in Vergangenheit mehrfach im Werbefernsehen. Dass das aktuell immer noch so ist, zeigt mir, dass manche Leute einfach nicht kapieren wollen, was ein Gewaltverbrechen ist.
zum 6. Absatz, sicher gedenkt man auch in Schweden der Opfer…treffender wäre es hier aber Norwegen zu erwähnen.
Überall in den Nachrichten liest und hört man nur noch von totaler Verrohung, Leuten, die Bewusstlosen gegen den Kopf treten, von Massenmördern, die auf feigste Art und Weise wehrlose Jugendliche abknallen, Messerstechereien in der U-Bahn, und so weiter und so weiter.
Und in diesen Zeiten muss natürlich irgendsoeine verkackte Star-Werbeagentur ankommen und einen Banküberall karrikieren.
Kommt irgendwie aber trotzdem bei allen gackernden Schuh-Weibern sehr ernst rüber. Ist bestimmt Absicht, so Strategie und so.
Ihr seid echt armselige, berechenbare Würstchen, Jung von Matt.
Gut nur, dass dieser Spot selbst bei Youtube angenehm ignoriert wird.
Ich find die Werbung einfach nur genial.
Das liegt daran, dass Du persönlich bei einem Banküberfall noch nicht erschossen worden bist.
@ Spießer
Du denn?
Es genügt, wenn man darüber mal mit einem Banker gesprochen hat, der einen Überfall am eigenen Leibe erlebt hat. Danach kann man über solche “Witze” nicht mehr lachen.
Hallo,
danke für diesen gelungenen Beitrag! Ich bin ehrenamtlich in der Kriminalitätsopferbetreuung tätig. Vielleicht kommt es daher, dass ich mir bei diesem Spot genau dasselbe gedacht habe.
Opfer solcher Straftaten sind oft noch jahrelang traumatisiert. Ich glaube nicht, dass ein solcher Werbespot geeignet ist, das Bild einer schweren Straftat der Öffentlichkeit angemessen rüber zu bringen.
Witzig ist diese Situation bestenfalls für gelangweilte Fernsehzuschauer.