Wie mich Klaus Kocks beklaute, oder warum das Urheberrecht eine Frage der Moral ist
Klaus Kocks, PR-Berater, hat mich vor nicht allzu langer Zeit “beklaut”. Einen kompletten Artikel aus Horizont (Print) hatte er in seinem Stream bei Facebook gepostet. Immerhin mit Nennung des Blattes. Wirklich böse war ich nicht. Zumindest war es, anders als bei jenen, die komplette Zeitungsartikel abfotografiert ins Netz stellen, so gut lesbar. So ist es eben am Abgrund des Urheberrechts.
Das Grundproblem steckt nämlich nicht nur in den neuen sich wandelnden digitalen Möglichkeiten, sondern in dem Verfall sittlicher Werte. Wer von Oben, im Großen die Maxime „Ich nehme mir, was mir zusteht“ vorgelebt bekommt, der nimmt sich dann im Kleinen, im Digitalen, was ihm zusteht. Filesharer, Copy&Paster und Investmentbanker treibt letztlich das gleiche Motiv an: egoistische Gier. Einziger Unterschied im Detail: Dort Gewinnmaximierung, da Kostenminimierung. Moral macht nicht satt und die Festplatte nicht voll.
Das Problem beginnt schon mit der Ablehnung des Wortes Diebstahls im Zusammenhang mit immateriellen Gütern. Der philologische Streit über die juristische Begrifflichkeit endet schließlich in einer Verniedlichung des Sachverhaltes und lässt die Fremdnutzung fast schon wie ein ungefragtes, aber zugestimmtes Lehen aussehen, das ein Nutzungsrecht an der fremden Sache beinhaltet, die zwischen dem Urheber und dem Nutzer scheinbar eine wechselseitige Gewinngemeinschaft schafft. Hier der Inhalt, dort die Aufmerksamkeit.
Die Masse macht die Moral
Und weil dieses Verhalten in der digitalen Welt, man nennt es zuweilen schließlich verharmlosend unautorisierte Distribution, zu einem Massenphänomen geworden ist, folgt die Logik, dass zwar ein geklauter Apfel Diebstahl ist, 1000 Apfeldiebe aber einen neuen Kodex nötig machen. So einfach kann man sich das machen.
Das führt dann beispielsweise zu der etwas eigentümlichen Haltung von Felix Schwenzel in Brand Eins: „Die technische Entwicklung hat dafür gesorgt, dass der kostenlose Download de facto von vielen als legal angesehen wird. Sich dagegen zu sträuben ist fast schon Realitätsverweigerung – besser ist es, über Alternativen nachzudenken.”
Mit anderen Worten: Die unautorisierte Distribution von Äpfeln soll den Bauern zwingen, sich neue Felder zu suchen.
Stattdessen sollten wir darüber nachdenken, wie wir es schaffen, die unautorisierte Distribution von Äpfeln wieder als das zu sehen, was es ist: moralisch bedenklich.
Immerhin gibt auch Schwenzel zu: “Es gibt kein Unrechtsbewusstsein. Aber es gibt auch keine Bemühungen, eines zu schaffen.”
Aber wie denn auch, wenn der vorherige Satz schon jedes Unrecht vor der normativen Kraft des Faktischen beugen möchte.
Ich mag das Urheberrecht. Es hilft mir und anderen mit meinem Inhalten Geld zu verdienen.
Es ist eben keine Masche, wenn ein Fotograf für die Nutzung seines Bildes in einem Blog Geld verlangt. Das Bild ist zwar nicht weg, so wie der Apfel (der ja auch übrigens im Bauch des Deliquenten immateriell veredelt wurde), doch die ungefragte Verbreitung verändert seine Optionen der Mehrfachverwertung. Erst recht, wenn Dienste wie Tumblr, Storify oder Pinterst die Vervielfältigung erleichtern und zum Selbstzweck machen.
Vermutlich sollten mehr Leute mehr Leute verklagen, das würde vielleicht helfen, wie von Felix Schwenzel gehofft, mehr Unrechtsbewusstsein zu schaffen.
Natürlich ist das ein komplexes Feld. Die Enquete-Kommmission des Bundestages „Internet und digitale Gesellschaft“ braucht allein über 100 Seiten für Problembeschreibung und ein paar lose Lösungsgedanken. (pdf)
Immerhin sind die etwas tauglicher als die simple Forderung der Co:llaboratory-Initiative: “Schutz der Inhalte schadet mehr als er nützt. Kreative bauen mit freiem Wissen Reputation auf und verdienen ihr Geld mit anderen Dienstleistungen.”
Frei nach dem Motto: Wer mit seinen Fotos keine Brötchen verdient, soll doch Kuchen backen.
Wie immer gilt Paragrapgh 1 des Internets. Sascha Lobo hat immer recht:“ Kulturarbeit erzeugt ein Kulturprodukt (in der Regel), das durch den Kulturschaffenden oder seine Stellvertreter zum Zweck des Geldverdienes verkäuflich sein sollte, wenn der Kulturschaffende es möchte. Von dieser Maxime bin ich deshalb nicht bereit abzurücken, weil ich sie für die Basis der Kultur als Beruf halte.“
Eine unautorisierte Distribution aber, womöglich sogar schon die eigenhändige Einbindung fremden Bildmaterials bei Facebook oder Google, enthebt den Rechteinhaber der Hoheit über sein Produkt, die Ideologie dahinter enthebt ihn sogar der Selbstbestimmung über die Art seiner Erwerbsform.
Da hilft es auch nicht, wenn man sich über das Posting von Klaus Kocks bei Facebook unter dem Aspekt „Aufmerksamkeit adelt“ freuen soll. Kann man, muss man nicht.
Aufmerksamkeit adelt, aber der Adel verarmt
Ich habe auch meine Zweifel, dass eine Fair-Use-Regel da viel nutzen würde. Allein schon weil sie einen Rattenschwanz an Einzelfallentscheidungen erfordert und das Recht der kleinen Münze damit ausgehöhlt wird.
Alle Apfeldiebe muss man nicht akzeptieren. Man sollte sie bestrafen können und dürfen. Auch jene, die als digitale Klassenkämpfer zwar JA sagen zum Urheberrecht sagen, aber freilich trotzdem “englisch einkaufen”, weil das Geld ja nur den Händler, aber kaum den Bauern erreichen würde.
Verhältnismäßigkeit sollte jedoch hier das Stichwort sein, nicht Empörung über jene, die sich ihr Recht erstreiten wollen. Umgekehrt sollten auch in einem Urheberrecht der Youtube-Generation der Schaffende mitverdienen können. Wenn eine Tanz-Combo “Satisfaction” spielt, verdienen die “Rolling Stones” mit. Wenn ein Blogger mit Werbung in der Sidebar, oder ein Teenager bei Youtube Nirvana verhunzend Millionen erreicht, sollte ein finanzieller Ausgleich möglich sein.
Das sinnvollste wäre indes wohl eine salomonische Lösung, auch um neue kreative Möglichkeiten in der Weiterverwertung von Inhalten nicht zu hemmen. Dankenswerter Weise bringt der Rechtswissenschaftler Karl-Nikolaus Peifer in Brand Eins einmal wieder das Konzept einer pauschalen Abrechnungslösung auf. Kulturflatrate. Gutes Konzept, doofer Name.
An der Kulturflatrate ist nur der Name blöd
Peifer: „Letztlich liefe das auf ein System hinaus, das nicht neu ist und seit Jahrzehnten gut funktioniert, dasjenige der Verwertungsgesellschaften wie etwa der Gema oder der VG Wort. Jeder, der einen Internetanschluss hat, zahlt monatlich eine bestimmte Summe und kann sich dann frei im Netz bedienen.“
Ich bin Mitglied bei VG Wort. Sie schüttet Abgaben, die beispielsweise beim Erstellen von Fotokopien anfallen, über einen Verteilungsschlüssel an die Mitglieder aus. Auch Pressespiegel, die in Unternehmen verteilt werden, weil sie sich zusätzliche Abos sparen wollen, fließen dort mit ein. Seit 2007 werden auch Onlinetexte über ein Meldesystem vergütet. Das ließe sich erweitern.
Dabei kann es aber nur um eine Feinjustierung der Vergütungssysteme gehen. Die große Aufgabe aber bleibt die Rückkehr zu einem kantschen Imperativ und damit die Neuunterzeichnung eines digitalen Gesellschaftsvertrags. Das Problem mit dem Urheberrechts ist nämlich weniger ein juristisches, sondern vielmehr ein moralisches.
PS: Ich bin Klaus Kocks weder böse, noch sonst was. Er diente mir als gelungener Aufhänger. Es hat sich also bezahlt gemacht.
PPS: Jaja, genau genommen, obwohl mein Vertrag Zweitverwertung erlaubt, hat er natürlich eher den Verlag “beklaut”.
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Wo fängt die Adelung des Urheberrechts an, wo sollte sie aufhören? Beliebter Lesestoff in diesem Zusammenhang: Marions Kochbuch http://www.heise.de/ct/artikel.....91092.html
Da ich selbst schon rund 400 Euro losgeworden bin, für ein im Google-Cache (!) gespeichertes Thumbnail (!!) aus der externen Verlinkung (!!!) eines längst gelöschten (!!!!), unbedeutenden Artikels von mir, kocht schon wieder was hoch.
Im Gegensatz zu materiellen Gütern gibt es bei imateriellen keine zu bezahlenden Rohstoffe und Produktionsmittel. Daher ist auch der Begriff des Diebstahls fragwürdig.
Der Urheber bedient sich des Wissens von tausend Generationen Menschheit und findet es nicht für notwendig diese Quellen zu nennen oder zu bezahlen. Ohne die Gedanken Anderer kann praktisch nichts Neues entstehen.
Die Erfolgsgeschichte des Menschen ist eine der Arbeitsteilung und der Weiterentwicklung. Neuerdings tendieren wir mit völlig absurden und überzogenen Schutzrechten zur Abschaffung dieses Vertrages. Die “Enter” Taste gehört HP und einige Gene von Schweinen Monsanto.
Wir verhindern die arbeitsteilige Weiterentwicklung und verlangen von jedem Autohersteller die Erfindung eines neuen Rades, da das alte wg. Patentrechten nicht für andere nutzbar sein soll.
Ein vernünftiges Urheberrecht hilft bei der Monetarisierung des eigenen Anteils an einem Werk und erlaubt dennoch die Nutzung des Werkes für die Weiterentwicklung. Dazu gehört auch der Fair Use. Allerdings sollte man dabei nicht die Fehler des US-Rechts wiederholen.
Das Beispiel einer Abmahnung für ein Thumbnail oder für die indirekte Nutzung eines Bildes via Deeplinking sind prächtige Beispiele für die Verwendung des Urheberrechts zum Betreiben eines formidablen Abmahngeschäftes.
Ich bin selbst Urheber und möchte meine Werke verkaufen. Aber mir ist es egal, ob meine Werke nach meinem Tod geschützt sind oder nicht. Das hilft höchstens bei der Grabpflege.
Die Idee ein Verzeichnis bei der Nationalbibliothek einzurichten und alle zu schützenden Werke dort zu registrieren wäre ein großer Fortschritt. Ein automatischer Schutz für das erste Jahr wäre für die meisten Urheber völlig ausreichend für die Verwertung. Wer mehr benötigt, der müsste das Werk nur hinterlegen.
Wir brauchen eine ergebnisoffene Debatte zum Urheberrecht.
“Im Gegensatz zu materiellen Gütern gibt es bei imateriellen keine zu bezahlenden Rohstoffe und Produktionsmittel. Daher ist auch der Begriff des Diebstahls fragwürdig.”
Ah ja? Keine Produktionsmittel. So, so. Praxisliste aus dem Profifotografenalltag: Vollformat-Systemkameras, für digitale Nutzung optimierte Objektive etc.pp. gehören zur Basisausstattung, leistungsfähige Soft- und Hardware zur Verarbeitung und Datensicherung ebenfalls. Ganz zu schweigen von Kosten für entsprechende Fortbildung. Übrigens auch hohe Anforderungen von Agenturen an Fotografen: Kein Vollformatsensor? Meist null Chance. Halbwertszeiten des kompletten Equipments von rund 2 – 3 Jahren bis zur nächsten Generation Kamera, bei Soft- und Hardware unter Umständen kürzer. Firmenrichtlinien von Kamera-Herstellern, die eine Mindestausstattung mit dem neuesten Equipment vorsehen, ohne die Aufnahme in die Professional Services abgelehnt wird. (Im Schadenfall garantiert so ein Professional Service schnelle Reparaturzeiten und Ausleihequipment. Längere Ausfallzeiten wegen defekter Geräte kann sich KEIN Profi leisten.)
All das muss durch Honorare erst einmal erwirtschaftet und refinanziert werden – zuzüglich anderer Kosten wie Miete, soziale Absicherung, Versicherungen, Lebensunterhalt.
Insofern ist der Begriff des Diebstahls durchaus angebracht: Der Urheber wird – ob qua Verlags-AGB, Total-Buy-Out-Klauseln in Autorenverträgen oder schlichten Rechteklau aka “rights grabbing” um den Erlös aus seinem Werk gebracht. Und so wird aus einem immateriellen, gefühlt nicht vorhandenen Schaden ein handfester wirtschaftlicher Schaden.
Übrigens – anbei noch eine hübsche Visualisierung der tatsächlichen Arbeitsverteilung von Fotografen zur Erwirtschaftung ihres Einkommens: http://www.petapixel.com/2011/.....heir-time/
Lieber Olaf, Ihr Artikel ist voller Ungenauigkeiten. Dass Sie selbst am Schluss im P.S./P.P.S. noch kleine Korrekturen vornehmen, zeigt, wie schwierig die Materie ist. Und es ist eine Materie. Auch digitale Informationen in Netzwerken sind keine “immateriellen Güter”. Die Hardware-Hersteller der Computer und die Internet-Bereitsteller haben der Menschheit ihre Güter und Dienstleistungen mit einem Versprechen auf Informationsfreiheit verkauft. Urheber sind nicht die Einzigen, die auf der Strecke geblieben sind. Zeiten ändern sich. Wenn man die totale Kontrolle über Inhalte einrichten will, dann kann man auch gleich eine Plan-Wirtschaft etablieren. Dann kann man Urhebern eine Existenzgrundlage geben. Man darf dann aber aber auch nicht den Missbrauch der Kontrolle durch den Staat beklagen. In einer freien Wirtschaft jedoch müssen sich auch Ansprüche ändern. Noch in den 80er Jahren haben englische Gewerkschaften durchgesetzt, dass bei elektronischen Musikproduktionen, “richtige” Musiker anwesend sein mussten, auch wenn diese nur im Nebenraum sassen und Zigarette geraucht haben. Alles was nicht mit dem Flow geht, wirkt irgendwann absurd.
Faszinierend. Auf meinen Artikel verlinken, behaupten, ich würde es mir einfach machen, und die dort gestellten Fragen einfach ignorieren. Wie schaut’s aus, Herr Kolbrück? Tumblr und co. verbieten? Oder von den dortigen Usern verlangen, dass sie sich vor jedem Reblog eines Fotos mit ihrem Anwalt und der GVU kurzschalten (oder wer auch immer über alle Rechte von allen Werken im Detail bescheid weiß)?
Selbstverständlich. Lieber Marcel Weiß, wie soll man auf Fragen antworten, die in digitaler Stammtischrhetorik formuliert sind und nur schwarz-weiß kennen. Wenn schon, dann muss man fragen, wie man die Möglichkeiten von Tumblr und Co mit den Rechten Dritter harmonisieren könnte. Bequemlichkeit und Möglichkeit können keinen Grund sein, die Rechte von Urhebern a priori völlig aufzuheben.
Da hilft nur die “kein Pardon” Regel. Wenn mir ein Inhalt auf einem anderen Blog gefällt, dann weise ich darauf hin, schreib noch was persönliches und linke dann weg.
Bilder werden grundsätzlich nur selbst geschossen verwendet.
Und wer meine Texte unabhängig ob aus meinem Blog, einem Externen Blog oder meiner Magazine, verwendet oder sich zu eigen macht wird mit aller härte angegangen. Es kann nicht sein, dass das Internet zum Selbstbedienungsladen deklariert wird.
Was ich bei der Debatte interessant finde, ist die Idealisierung des “Sharing-Gedankens”: Künstler sollen sich aufgewertet fühlen, wenn ihre Werke irgendwo auftauchen, die Netzgemeinde soll so höflich sein und den Namen nennen oder die Seite verlinken und alle nehmen sich bei der Hand und haben sich lieb.
So weit, so schön. Und was ist, wenn mein Bild auf einer radikalen Seite auftaucht, die mir ganz und gar nicht gefällt, mit Texten garniert, die mir noch weniger gefallen?
Dass das Urheberrecht nicht zeitgemäß ist, ist wohl allen klar (s.o., google-Cache etc.). Aber diese Findet-euch-damit-ab-Mentalität kann es auch nicht sein. Sonst basteln Künstler zukünftig nur noch Logos und Klingeltöne (überspitzt, ich weiß. Aber glaubt denn wirklich jemand, dass der Fotograf halt putzen geht, wenn er für die Nutzung seiner Bilder nichts mehr bekommt?)
Das hat nicht sehr lang gedauert bis zum Nazi-Argument.
Hä? Nimm von mir aus Abtreibungsgegner.
Zum Vorfall selbst hier ein Screenshot, der das Posting des kompletten Artikels von Olaf Kolbrück zeigt:
http://www.fructus-gmbh.de/KKShot1.JPG
Da in diesem Zusammenhang der Begriff “Masche” wohl von mir kommt, möchte ich nur sagen, damit war innerhalb des Einzelfalls ein bestimmtes Verhalten gemeint. Ich halte es nicht grundsätzlich für eine “Masche, wenn ein Fotograf für die Nutzung seines Bildes in einem Blog Geld verlangt”, noch würde ich sagen, dass geltendes Recht durch dauernde Verstöße seine Geltung verliert oder dass Fotografen sich bei Verletzung ihrer Rechte zurückhalten sollen oder ähnliches. Das mit der Moral halte ich für Mumpits, da es hier lediglich um geltendes Recht geht. Bei der Verhältnismäßigkeit angesichts der Einzelfälle bin ich aber wieder mit im Boot.
Die Diskussion hier, die soziale “Realität” (oder einen Teil davon) gegen die “Rechte” (aller, oder eines Teils davon) auszuspielen, ist grober Unfug, da es immer eine Differenz zwischen Sein und Sollen gibt. Ab einem gewissen Punkt schlägt das aber auch ins Recht durch, weil Recht eben nicht nur eine ethische Seite hat, sondern einfach eine konfliktlösende, regulierende – daher ist es völlig richtig, wenn Felix und andere auf veränderte Realität der Nutzung hinweisen, weil es nicht nur eine Frage von Durchsetzbarkeit ist, sondern ein Indiz dafür, wie der Konflikt heutzutage aussieht und wie er überhaupt demokratisch (d.h. mehrheitlich) zu lösen wäre.
Ich bin mir beim Urheberrecht nicht zu 100% sicher, wie es besser wäre, mir fällt aber dreierlei auf:
ad 1: Verwechselung Einzelfall/abstrakte Lösung
Hier protestiert Olaf Kolbrück pauschal, obwohl die bessere Lösung ihn vielleicht gar nicht beträfe, und weil gerade Kollege Kocks jemand ist, der schon aufgrund seiner eigenen “Bescheidenheit” ganz bestimmt kein Normalfall ist.
ad 2: Urheber argumentieren falsch
Die Struktur “Ich brauche das” ist generell nicht geeignet, Menschen mit anderer Auffassung zu überzeugen. Wenn, dann braucht man Zahlen: Wem hülfe was und was bedeutet das für das Sozialsystem? Wieviele Arbeitsplätze verschwinden, wieviele können konvertiert werden, wer muss umdenken: Die Logik, wie bei Steinkohle mit Milliarden zu fördern, droht faktisch (!) schon beim LSR, ein kollektives Desaster von “sunk cost”.
ad 3: Schöpfungshöhe
Mir scheint die Nutzung ein Hinweis darauf zu sein, wo das alte Urheberrecht überzieht. Ich würde die Frage ganz radikal stellen: Was ist der gesellschaftliche Nutzen dessen, dass wir Fotos schützen – ungeachtet ihrer Schöpfungshöhe? Warum diese Ausnahme in den Zeiten der milliardenfachen Laienknipserei? Warum Nachrichten schützen, wenn sie die hundertse Bearbeitung von vorhandenem sind? Man verstehe mich nicht falsch: Hier bei diesen Fragen muss man anfangen – und die Frage nach dem gesellschaftlichen Ausgleich stellt sich erst dann (und dann stellt sie sich vermutlich wirklich, zB als gesetzliche Übergangszeit und Abfedern im Sozialsystem nebst Förderung von neuen Geschäftsmodellen).
Richtig, die veränderte Realität der Nutzung zwingt zur Diskussion und es ist gut, dass sie geführt wird. Mit offenem Ausgang. Und sicher ist das noch komplexer, gerade in meinem Fall. Copyright? Leistungsschutzrecht für den Verlag, der die Distribution des Beitrags erst ermöglicht hat? Knappheit, die den Preis hochhält versus öffentliches Gut. Wenn wir einen gesellschaftliche Nutzen Fotos eben nicht zu schützen bejahen, müssen wir uns auch fragen lassen, ob wir damit nicht den Schutz individueller Leistungen und damit des Individuums weniger hoch einschätzen.
“Mit anderen Worten: Die unautorisierte Distribution von Äpfeln soll den Bauern zwingen, sich neue Felder zu suchen.”
Wohl ehr nicht. Angenommen 1000 Diebe klauen dem Bauern ständig Äpfel vom Feld. Grund? Der Bauer verkauft seine Äpfel auf dem entfernten Großmarkt an Einzelhändler, welche diese dann weiterverkaufen.
Alternative dazu: der Bauer verkauft die Äpfel direkt vor Ort und bietet eine reduzierte Menge beim Großmarkt an. Problem: Der Bauer muss zwei Verkaufsstellen unterhalten.
Oder um eine Idee zu erfassen:
Die Möglichkeit anbieten, Texte und Bilder käuflich innerhalb weniger Sekunden (inkl. Nennung des Ziels) zu erwerben und ohne vorher mit dem Autor 14 Tage im Mailkontakt zu stehen.
Aus jüngeren Interviews zum Thema Urheberrechtsverletzungen durch Filesharing (Link u.) mit Musikfans und Musiker kann man heraushören, dass sowohl Konsumenten wie Musiker ganz genau wissen wie überlebensnotwendig die finanzielle Unterstützung der Musikschaffenden ist und das keiner will, dass die Musiker durch finanzielle Ausfälle aufhören muss. Die Leute kapieren demnach, dass sie auch in Zukunft Geld für Alben oder Konzerte usw. ausgeben müssen damit ihre Lieblingskünstler weitermachen. Mehrere Studien haben ergeben, dass durch das Herunterladen im Internet – insbesondere im Fall von P2P-Tauschbörsen – die Verwertungs- und Unterhaltungsindustrie keineswegs „den Bach runter geht“: so hat vor ganz kurzem die niederländische Regierung aufgrund des Ergebnisses der im Land geführten Studie zur Auswirkung des Filesharings auf die Wirtschaft ergeben – dass die Wirtschaft eben nicht darunter leidet und der von der Unterhaltungsindustrie geforderten Gesetzesnovellierung abgesehen die die Strafverfolgung ermöglichen sollte. Die Niederländer wollen damit einem Abmahnwesen entgegentreten, die in Nachbarländern seit Jahren praktiziert wird – und räumen ihren Bürgern ein im Rahmen des Rechts zur geistigen Entwicklung und der Informationsfreiheit mittels Internet – mehr Bedeutung zu als den Interessen der Wirtschaft.
Radiohead als erste Musikgruppe selbst herausgegeben: das mp3-album gratis bzw. auf „Spendenbasis“, die aufwendige, qualitativ um Welten höherwertige CD in Sammlerbox mit aufwendigem Artwork zum Bestellen für satte 50 Pfund. Und es klappt! Ein gigantischer Erfolg! Soviel Bestellungen, dass die Welt Kopf stand „wie zum Henker ist denn so etwas in der heutigen Umsonst“-Haltung überhaupt möglich?
Etliche Musiker fahren heute auf der gleichen Schiene. Das Modell beweist, dass sich der Musiker in Zukunft auch OHNE die großen Labels durch Direktverkäufe übers Internet finanzieren lassen kann. Natürlich sind aber die Live-Konzerte – nach wie vor – die Haupteinnahmequelle von zumindest heimischen Livegruppen, wenn man genauer nachfragt. Und nebenbei erwähnt: es gibt ja beispielsweise auch eine gutfunktionierende DJ-Szene mit „anachronistischen“ Schellack-Platten-Neupressungen: ein Markt, der – wenn auch kein und mit bescheidenem Gewinn – dennoch zu funktionieren scheint.
Die Gesetzgeber in Österreich und der Schweiz haben sich dazu entschieden Tauschbörsenabmahnungen seit Jahren nicht mehr zu verfolgen und haben dadurch Abmahnkanzleien den Boden entzogen. Musikindustrie und Künstler werden anhand einer „Mehrabgabe“ der Hersteller von Speicherdatenträgern entschädigt, die diese natürlich auf den Kaufpreis aufrechnen und der Konsument (bereitwillig) bezahlt. Und es scheint zu funktionieren: seit 2008 ist die Filesharing-Abmahnung in Österreich und der Schweiz obsolet, alle – Industrie und Menschen- akzeptieren offensichtlich diese Form einer „Kulturflatrate“.
Nicht so in Deutschland: hier dürfen private Unternehmen für Kanzleien detektivische Ermittlungen vornehmen – die eigentlich Aufgabe der Rechtsorgane sind – Richter Stapel von zigtausenden Auskunftsersuche durchwinken und Massenauskünfte von Provider genehmigen – und Anwälte mit scheinheiligen Argumenten mit gepfefferten Abmahnungen mit „vordergründig erzieherischem Sinn“ ordentlich Kasse machen: Rechteinhaber und Abmahnende Rechtsanwälte verdienen damit Summen in gigantischen Höhe!
Allein die Musikindustrie behauptete neulich im Zuge der Jan Delay-Diskussion – Ausschüttungen in Höhe von 1,2 Milliarden von ihrer Seite aus an Musiker geleistet zu haben was – allein über die Schadensersatzzahlungen über Abmahnanwälte „erwirtschaftet“ wurde! Weil die Abmahnkosten so aufgebaut sind dass die abmahnenden Kanzleien ca. die Hälfte der Forderungen als „gerechtfertigten hohen Arbeitsaufwand für Ermittlung und Abmahnung “ geltend machen – kann man davon ausgehen dass die Kanzleien selbst ebenfalls Erträge in Milliardenhöhe „erwirtschaften“. Kein Wunder, dass diese Form der Rechtsverfolgung sich als regelrechtes Eldorado für Anwaltskanzleien anbietet die das Massenabmahngeschäft benutzt um ihr Personal auf Armeegröße aufzustocken und andere Kanzleien zur Nachahmung ermutigt ebenso auf den Zug aufzuspringen um “schnell noch das große Geld damit machen zu können“ – bevor der Gesetzgeber diese Grauzone in der Rechtssprechung per Gesetzänderung endgültig schließt.
seit fünf Jahren bekommen unzählige Menschen in Deutschland fast regelmäßig einen Herzinfarkt zu Weihnachten weil einen Tag vor Heiligabend das berühmt-berüchtigte Schreien des Abmahnkanzlei eintrifft: ein „Päckchen“ mit der typischen „Baustein“-Struktur und hunderten Seiten zusammenkopierter Gerichtsurteile die begründen sollen, warum die Schadensersatz-Zahlungsaufforderung „rechtens“ ist. Oder der Mahnbescheid. Oder die in Taschenbuchdicke zugestellte Klageschrift im Briefkasten. Alle versüßen sie das Fest der Liebe.
Es fällt einem zumindest schwer in erster Linie etwas anderes als ein profanes Interesse an Geld hieraus abzuleiten: glaubt man den Statistiken von Betroffenen-Vereinen – waren es allein in 2011 fast 800.000 Abgemahnte in Deutschland- mit im Durchschnitt 1500 Euro Geldforderungen.
Es ist allerhöchste Zeit für den Gesetzgeber eine eindeutig geregelte Grenzziehung vorzunehmen und dieser modernen Form der „Wegelagerei“ Einhalt zu gebieten. Wie eben in den Niederlanden geschehen! Für die berechtigte Ablehnung des niederländischen Gesetzgebers gegen solch eine „Abmahnindustrie“ – spricht die Tatsache, dass es zu Beginn der Abmahnungen in Deutschland im Jahr 2006 noch ca. eine Handvoll Rechtsanwälte gab, die sich auf „Urheberrechtsverletzungen im Internet“ spezialisiert hatten – und heute mittlerweile bundesweit an die 60 Kanzleien zugegen sind! Wobei in Einzelfällen die Belegschaft auf eine halbe Hundertschaft aufgestockt wurde die Masse an folgenden Schadensersatzprozessen vor Gericht führen zu können. Dafür werden sogar neue Richterstellen geschaffen. Alles noch rasch, bevor der Gesetzgeber den Hahn endgültig abdreht.
Natürlich ist es nicht „in Ordnung“ wenn sich die Leute umsonst was aus dem Internet holen für das sie im Laden Geld hinlegen müssen. Aber man sollte schon alles in Relation setzen: man kann auch auf Gut Glück ohne Fahrschein Zugfahren. Im Falle des Internets sehe ich eine Ähnlichkeit: die erzieherische Wirkung in Form einer Bußgeldzahlung von 60 bis 100 Euro wird wohl keiner abstreiten. Und natürlich sollen die Leute die an Fremdleistungen „bereichern“ – genauso wie Hehler behandelt und bestraft werden, also hohe Strafen nur in tatsächlich nachgewiesen Fällen mit strafrechtlicher Relevanz abgeurteilt werden.
Daher ist die „Kulturflatrate“ unumgänglich: Leute, die sich gratis dieses minderwertige Zeugs aus dem Netz holen dürften wenig Geld haben und haben bestimmt nichts dagegen wenn sie die „Gebühr“ über höhere Preise für Speichermedien oder eine Steuer ausgleichen. Denn es sind i.d.R. stark komprimierte Inhalte, welche nur entfernt mit der ursprünglichen Qualität des Originals zu tun haben und die sich mit Sicherheit kein anspruchsvoller Mensch freiwillig antun wollte. Es sei denn, er hat kein Geld.
BR: „Warum soll ich für Musik bezahlen wenn ich’s doch umsonst aus dem Internet bekomme“ (http://on3.de/e/12686)
Früher war alles besser, alles einfacher !
Dazumal überkam ein Lächeln meinem Gesicht, wenn es mal wieder hies:
” Wir schreiben auch Ihren Namen dazu !!!! ”
Der Satz war fast so stereotyp wie der berühmte: “Wir brauchen das Bild aber in 300dpi, Größe is egal!”
Heute wäre ich schon froh, es würde nur mal jemand daran denken, zumindest den Urheber zu erwähnen, oder wie in meinem aktuellen Fall, wie mache ich es jemandem verständlich, das es einfach nicht geht, nicht vorhandene Nutzungsrechte an facebook durch einstellen von 170 Dateien zu übertragen ! Ohne Rechtweg heutzutage nicht mehr machbar !
Mit dem Rechstemfinden in Sachen des Internets ist es, dinde ich, ähnlich wie in “Gründerzeit”: man versucht ganz dreist auszuschöpfen was geht – bis man gebremst wird: try- and error
Sagen Sie mal, Sie Mega-Autor, war das das Schlecker-Stück, in das Sie ein geklautes Zutat von mir reingeschmuggelt haben, obwohl wir nie gesprochen hatten? So war das, oder? Und dann haben Sie geschrieben, Sie fänden, wir seien damit quitt, oder? Und jetzt kommen Sie wieder damit an? Wie arm kann ein Autorentag sein? KK
Spannend, spannend ist das hier…
Wer hat denn nu jetzt von wem?
Zitate von anderswo zu verwenden, verstößt weder gegen Urheber- noch gegen andere geltende Rechte. Könnte man zwar drüber debattieren, ob das journalistisch heutzutage noch state of the art ist, aber dieses eine Zitat wiegt sicher nicht die Übernahme eines ganzen Artikels auf.
Zitate von anderswo, so, so: woher denn? Aus der publiuc domain? Nein, aus facebook geklaut. Ihr seid mir Schlaumeier! KK
@KK: Oha, tatsächlich hatte ich beim Abfassen meines Kommentars beikm Stichwort “anderswo” eher Tageszeitung oder dergleichen im Sinn. Bei einem privaten Facebook-Account würde ich da sicher andere Maßstäbe anlegen. Wenn freilich alles, was Sie so auf FB von sich geben, auf public geschaltet ist, wüßte ich aus dem Stand jetzt nicht so recht, was grundsätzlich gegen die Verwendung eines Zitats von dort spräche. Lasse mich aber gerne belehren – gerade auch von, äh, professionellen Schlaumeiern.
Wenn die Pinnwand von KK für alle 20 Millionen Facebook-Nutzer einsehbar ist, dann ist das doch wohl schon öffentlich.
Was ist das denn bitte: “wohl schon öffentlich”. WQenn Sie mich zitieren wollen, fragen Sie mich und ich rede mit Ihnen. Warum tun Sei gegenüber Ihren Lesern nur so, als ob ich mit Ihnen gerdet hätte? Als-ob-Journalismus, richtig? PR-geleitet, richtig? Sie stehlen klammheimlich, an gut, und bezichtigen an anderer Stelle mit großer Geste die Bestohlenen des Diebstahls: Sie sind jene Art von Heuchler, die ich anstrengend finde! Jetzt die Pointe: das ganze (die Schlecker-Geschichte zu “4U im Vorort” auf FB war eine praktische Übung meines Seminars zu Kommunikationsmangement an der Hochschule in Osnabrück und Sie ein Beispiel für die Verwahrlosung des Journalismus; deshalb standen Sie da im Wortlaut. Hat die StudentInnen echt amüsiert. KK
Puh, wenn an der Geschichte weiter nichts zu kritisieren war als das Zitat aus Facebook, dann machen Sie ja ein ganz schönes Fass auf, Herr Kocks. Dass ich darin nicht so recht das Skandalon erkennen kann, mag zum Teil auch dem Umstand geschuldet sein, dass ich wie der Kollege Kolbrück auch meine Brötchen überwiegend in der Kommunikationsfachpresse verdiene und aus eigener langer Erfahrung in der Tages-, Wochen- und Wirtschaftspresse sagen kann, dass die Übernahme eines Zitates aus anderer Quelle nichts unübliches (oder gar sittenwidriges) darstellt. Dass Ihnen als Kommunikationsprofi diese Usancen bislang unbekannt geblieben sein sollen, so dass Sie darin jetzt das Fanal des Niedergangs der Presse sehen, erstaunt mich offen gesagt.
Worüber sich freilich disktuieren ließe ist die Frage, ob es nicht besserer Stil gewesen wäre, in dem Artikel Facebook als Quelle zu nennen. Ich kann nur aus meiner Position als freier Autor sagen, dass mir Quellennennungen (auch durchaus salonfähigere als FB) oft genug aus Artikeln rausgestrichen worden sind.
Zwischenfrage an Herrn Kocks: Muss man sich für ein Seminar zum Kommunikationsmanagement an der Hochschule in Osnabrück nicht fehlerfrei in vernünftigem Deutsch ausdrücken können? Oder liefern Sie auf diese Weise ein persönliches Beispiel für die Verwahrlosung des Journalismus…?
Ich glaube die Tippfehler beim Herrn Kocks liegen vermutlich an den leidigen Glasplattentastatur die jeder heute haben muss – und sind bestimmt keine Absicht. Früher war’s das Mäuseklavier am Blackberry und heute eben Bildschirmtastaturen.
Vielleicht ist der Mann ja auch nur mit seinen Fingern schneller als mit seinen Gedanken. Im Allgemeinen gebe ich nicht viel auf die Meinung der BILD-Zeitung. Aber was sie über PR-Vertreter Kocks geschrieben hat, entspricht auch meiner Meinung. Bei Wikipedia ist zu lesen:
“Kocks ist in den Medien vor allem durch seine kontroversen Äußerungen und etliche Auftritte in Talkshows bekannt. Die Bildzeitung wählte ihn 2010 in die Top Ten der nervigsten Talkshowgäste. Dabei belegte er den ersten Platz unter den Vertretern der PR-Branche.”
Ähm, woher stammt eigentlich das Kocks-Zitat im Artikel? Und ist es nicht verständlich, wenn ein Akteur eines Artikels, diesen weiterverbreitet? Es ist ohnehin ein Hohn, dass Unternehmen über die PMG bezahlen müssen, wenn sie 1 zu 1 übernommene Pressetexte in ihren Pressespiegel aufnehmen wollen (gilt nicht für Olafs Text, aber prinzipiell).
stellt sich doch die Frage, warum wurde hier nicht einfach auf das Recht gepocht? Ohne hier Klaus Kocks angreifen zu wollen…aber wennn mir jemand meinen Text klaut, dann gehe ich (je nach Relevanz) nötigenfalls vor Gericht. Bei Zitaten sieht es ja wieder anders aus, man schaue im UrhG nach und findet was? Genau, einen Paragraphen, in dem steht, dass Zitate unter bestimmten Aspekten erlaubt sind.
Im späten Gang einer Bloggerdebatte sollte man eigentlich nicht mehr versuchen auf die Sache selbst zurückzukommen. Aber da sich nun auch noch Sascha Stoltenow meldete (Gruß!)gleichwohl der Versuch: Auf FB wird ein W&V-Artikel wiedergegeben, was möglicherweise die Rechte des Verlags, nicht des Autoren, verletzte; er wird wiedergegeben, weil hier ein Journalist in ein Agenda-Setting eingeschert ist und dazu eigens ein Zitat klaut, um den Eindruck zu erwecken, er sei als Berichterstatter mitten im Geschehen, wo er doch nur nachläuft und kupfert. “paste©-journalism”. Das freut die experimentierenden Initiatoren (Studenten) der ganzen Aktion, ein akademisches Exempel. Nunmehr nimmt der kupfernde Autor nach Wochen den Namen des Bestohlenen in die Headline, um sich erneut mit diesem Bezug als Opfer aufzubrezeln. Das ist es. Und Spießer Alfons findet heraus, dass Tippfehler drin sind (kein gutes Deutsch!) und kann Wikipedia (sic) als Quelle gegen den Inkriminierten zitieren. Wohl annehmend, dass der Wikipedia-Artikel und der dort zitierte BILD-Artikel diesem fremd seien (to say the least) und ein kritisches Licht werfen könnten… Ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Aber ohne das der Kirmes zuzurechnende Vergnügen. Ehrkäsigkeiten. Hier schreiben halt nicht die Scooterfahrer oder Raupenkassierer, sondern die Schiffschaukelbremser. Valete. KK
Und woran erkennt man einen Schiffschaukelbremser? Einen Schiffschaukelbremser erkennt man daran, dass der W&V wiedergibt.
Merkt der Typ eigentlich noch was?
Schulmädchenrhetorik. Da müssen sie sich andere suchen, Herr Alfons. KK
Puuuh – der Herr hat’s offensichtlich gar nicht begriffen! Also ein passender Kandidat für überflüssige Talkshow-Beiträge!
Über die Frage der Moral posten und dann eine der betroffenen Parteien in den Dreck ziehen? Hier ist was los.
Lustig auch, wie Olaf Kolbrück jetzt den Schwanz einzieht und gar nichts mehr dazu sagt. Erst ein Fass aufmachen – und sich schnell zurückziehen, wenn’s nach hinten losgeht.
Der ist bestimmt im Urlaub… wollte ich eben schreiben, aber er hat den Artikel erst gestern eingestellt. Nun, öhm, tja… wird das hier noch soetwas wie beim ehrenwerten Herrn Wulff, oder wie ist das zu verstehen?
O-laf! O-Laf! O-loaf!
Schulmädchenmut. KK
Das war gemein!
Wir nannten ihn immer “Graf Kocks”, wozu es bei Wikipedia einen Eintrag gibt: http://de.wikipedia.org/wiki/Graf_Koks
… Tucholskys “Graf Koks” ist aber ein schlauer!
Na ja, jeder hat so seinen Spleen, nicht? Und wer hört sich als Dozent nicht gerne selbst reden?
In Deutschland muss immer alles mit Richtlinien und Gesetzen geregelt sein sonst kann niemand selbstständig denken. Ich finde genau diese Denke stößt hier an ihre Grenzen! Wie will man denn national etwas zu aller Zufriedenheit regeln wenn man nur ein Teil in einem internationalen Gefüge ist?
Wie soll man denn eine Moral bewerten wenn selbst politische Entscheidungen im Vorfeld von Herrscharen von Lobbyisten bis ins Detail vorformuliert und den wirtschaftlichen Interessen angepasst werden?
Sicher hat das Rechtsbewusstsein ein Level erreicht indem man sich schon fragt ob man in Anarchie lebt, aber was ist der Auslöser?
Es ist die vermeintliche Sicherheit dass es in einem anderen Land auch andere Regelungen gibt, die vielleicht nicht ganz so restriktiv sind.
Ich finde wenn das Urheberrecht neu geregelt wird sollte es auf internationaler Ebene eine verbindliche Regelung schaffen welche zwischen dem privaten Nutzer ohne kommerzielle Gewinnabsichten und kommerziellen Nutzern unterscheidet aber vor allem, und das ist am wichtigsten, für jeden verständlich ist ohne das man dafür Jura studiert haben muss.
Mein Fazit ist – der Verfall der Moral ist ein globales gesellschaftliches Problem welches wir nicht lösen können solange nur auch ein einziger seinen Profit daraus schlagen kann!
“Ich finde wenn das Urheberrecht neu geregelt wird sollte es auf internationaler Ebene eine verbindliche Regelung schaffen (…)”. Schöner Ansatz. Warum gerade das eine hochkomplizierte Angelegenheit ist, hat die Bundeszentrale für Politische Bildung in ihrem Dossier zum Urheberrecht sehr übersichtlich dargestellt: http://www.bpb.de/themen/158P1.....ldern.html
ach, als autor/fotograph/content producer oder was auch immer sollte man doch einfach die vernunft walten lassen: beklaut werden für nicht-kommerzielles: ok. beklaut werden für kommerzielles: nicht ok.
oder?
Im Prinzip ja, wenn da nicht die Feinheiten wären. Oben wurde es schon als Naziargument abgetan, nur weiter drauf eingegangen wurde nicht: Man muss als Urheber doch die Möglichkeit haben, sich gegen Missbrauch wehren zu dürfen.
ich selber habe auch schon Probleme mit Webseitenbetreibern und das Urheberrecht gehabt.. und das schlimme ist einfach das es so viele schlupflöcher gibt das man soviel machen kann und somit als Urheber nur zugucken kann.
in Deutschland wird es endlich zeit, dass die gesetze für das Internet neugestaltet werden.
Leider wird zu viel geklaut und nicht dagegen unternommen. Trotz allem schimpfen alle über ACTA, ich habe mal eine Erklärung versucht. http://www.sgduh.de/2012/02/13.....nstration/