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Gipfeltreffen, VorBILDliches und Wagners Götterdämmerung

19. Januar 2012
von


Alfons weiß nicht, wie es Euch geht, aber dem Spießer tut Christian Wulff allmählich leid. Da werden Leute auf den Bundespräsidenten angesetzt, die sich als Journalisten bezeichnen und im Grunde bloß Zecken sind und sich an Banalitäten aus dem Leben des deutschen Staatsoberhauptes festsaugen, der im Grunde gar nichts Schlimmes getan hat, das wert gewesen wäre, derart intensiv in der Öffentlichkeit diskutiert zu werden – im Gegensatz damals zu Bill Clinton, der während seiner bezahlten Arbeitszeit immerhin die Monica L. vernascht hatte. Und dieses geschah im prüden Amerika, ohne dass der Präsident zurücktreten musste! Die Zecken in Deutschland dagegen bringen so ungeheuerliche Tatsachen ans Tageslicht wie zum Beispiel: Christian Wulff hat sich von einem Unternehmer aufs Oktoberfest in München einladen lassen!

Donni, donni aber auch! Da hat unser aller Bundespräsident womöglich ein halbes Hähnchen verspeist und eine Maß Bier getrunken und nicht selber bezahlt! Das geht natürlich nicht. Aaaber: Wenn unsere Bundeskanzlerin von einem Unternehmer nicht aufs Oktoberfest in München, sondern zur “Nacht der Süddeutschen Zeitung” in München eingeladen wird und dort auch noch “jede Menge gute Laune – und Appetit” gezeigt hat … dann verliert BILD kein böses Wort darüber, sondern die Redaktion  nennt das Fest einfach “Gipfeltreffen” – siehe die Abbildung! Und der Herr Wirtschaftsminister war auch dabei und hat vermutlich seine Speisen und Getränke ebenfalls nicht aus eigener Tasche bezahlt, sondern Herr Rösler hat sich genauso zur Feier des Tages einladen lassen.

Guter Ruf ist käuflich

Zu einem “Gewinner” dagegen macht BILD den Unternehmer Dietmar Hopp (SAP-Gründer) und meint: “Vorbildlich!”

Und was hat Herr Hopp denn so Vorbildliches geleistet, dass er eine Belobigung auf der Titelseite der BILD-Zeitung bekommt? Wenn der Spießer mal vermuten darf: Er ist dem Rat seines PR-Beraters gefolgt. Und dieser Rat muss so oder ähnlich gelautet haben: “Für gut 100.000 Euro können Sie sich ein Denkmal in Deutschland setzen, wenn Sie das Geld nicht an “Brot für die Welt” spenden oder in Ihren Lieblingsfußballverein stecken, sondern wenn Sie die Kohle auf ein Spendenkonto der Bundesregierung einzahlen und verlautbaren lassen: ‘Das ist der Schuldenanteil meiner Familie am Pro-Kopf-Schuldenbetrag der Bundesbürger!’”

Gesagt, getan. Und danach wurde die Presse informiert. Und die FAZ berichtete über den Gutmenschen, woraufhin die BILD-Zeitung nachzog und ihren Millionen Lesern auf der Titelseite erklärte, dass das vorbildlich ist, was Herr Hopp für Deutschland getan hat – ohne natürlich zu erwähnen, dass der Unternehmer den Spendenbetrag steuerlich absetzen kann, so dass seine Spende in Wahrheit weniger als die Hälfte wert sein könnte.

Geht Spießer Alfons recht in der Annahme, dass BILD-Chef Kai Diekmann seinem Vorbild nachgeeilt ist und gleichfalls für sich, Frau und Kinder gespendet hat…?  Falls nein  – warum nicht…?

Franz Josef Wagner und die Götterdämmerung

Ebenfalls in BILD:  Franz Josef Wagner hat gestern an Muhammad Ali geschrieben und voller  Stolz ein Foto gezeigt, wo Wagner neben der Box-Legende zu sehen ist – siehe die Abbildung! Und weil Mohammad Ali ein guter Mensch und trotzdem krank ist, fragt Franz Josef Wagner: “Warum strafen die Götter einen Aufrechten so?”

Hä…? Wie sollen die Götter einen Aufrechten nach Meinung von FJW denn strafen? Und warum? Und welche Götter meint Herr Wagner überhaupt ?  Muhammad Ali (geboren als Cassius Clay) ist Muslim, glaubt also an Allah. Der gilt als einzig und absolut aufgefasster Gott, der keine Götter neben sich hat. Schlussfolgerung des Spießers: Der göttliche Franz Josef Wagner muss Polytheist sein.

 

 

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Kommentare zu “ Gipfeltreffen, VorBILDliches und Wagners Götterdämmerung ”

  1. peter am 19. Januar 2012 um 09:43 Uhr

    Was ist daran eigentlich so schlimm, dass Bill Clinton damals Monica L. vernascht hat? Hat er Steuergelder veruntreut? Gesetze gebrochen? Moralisch kann man darüber ja geteilter Meinung sein – aber wen geht das etwas an, wenn er eine Affäre hat (außer seiner Frau)?

    • Spießer Alfons am 19. Januar 2012 um 09:59 Uhr

      Wenn ich als Bürger einen Politiker bezahle dafür, dass er arbeitet, und der Politiker treibt es während seiner Arbeitszeit mit einer Praktikantin und lässt ausländische Staatsgäste warten, dann hat er in meinen Augen Steuergelder veruntreut. Muss man zwar nicht so sehen, kann man aber.

      • Doc Holiday am 19. Januar 2012 um 13:04 Uhr

        … und die veruntreute Zigarre aus dem Oval Office.

      • Julia B. am 19. Januar 2012 um 15:46 Uhr

        Genau, lieber Doc! Und so etwas wäre Christian Wulff niemals passiert. Schon allein deshalb, weil er gar keine Zigarren raucht. Und zur Verteidigung von Bill Clinton muss ich anmerken: Die Zigarre ist insofern nicht veruntreut worden, als Clinton sie später dem deutschen Außenminister Joschka Fischer angeboten hat, der sie genüsslich geraucht haben soll. Das jedenfalls erzählte mir Monica L. kürzlich, als ich bei ihr recherchiert habe. ;)

  2. Webseiten Hermeskeil am 19. Januar 2012 um 14:38 Uhr

    Also ich würde ja sagen, Muhammed Ali hat damals sowas geantwortet, wie: “Wenn ich von irgendjemandem bestraft wurde, dann von ihren Göttern, nicht von meinem”. Daher auch dieser Gesichtsausdruch :-P

ivw