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Werbung möchte unsere Nerven zerfetzen

30. Januar 2012
von

Der Heye-Verlag informiert uns darüber, dass wir 100 Milliarden Nerven besitzen. Wäre das korrekt, dann wären all unsere Nerven im Arsch. Denn würden wir tatsächlich Nerven besitzen, dann steckten diese Nerven – im wahrsten Sinne des Wortes – an der Stelle, wo wir sitzen. Oder kurz gesagt: Nerven besitzen wir nicht, sondern wir haben Nerven. Und besitzen tun wir einen Stuhl.

Der Unterschied von “besitzen” und “haben” lässt sich auch so erläutern: Der Spießer stellt Euch einen Stuhl vor die Tür. Den dürft Ihr zwar haben aber nicht besitzen, weil er unter Eurer Last zusammenbrechen könnte. (Und spart Euch nun bitte den Hinweis auf Umgangssprache und Duden, denn Spießer Alfons besitzt keinen Duden! Und wenn Ihr keine Frau habt, aber eine besitzt, dann ist das Eure persönliche Angelegenheit.)

Doch zurück zum Eigentlichen, nämlich zum Heye-Verlag, der uns den Roman “Blut vergisst nicht” von Kathy Reichs anzeigt mit den Werbeworten: “Sie besitzen 100 Milliarden Nerven. Dieser Thriller zerfetzt sie alle.” Ein Plakatanschlag auf das deutsche Volk, der dramatisch klingt. Vergleichbar mit der Werbebotschaft eines Reiseunternehmens, welche lautet: „Machen Sie echten Abenteuer-Urlaub in Swasiland, dem Land mit der höchsten Sterberate der Welt!“

Klar, wer einen Thriller lesen will, der will damit auch seine Nerven kitzeln. Aber will er sie auch komplett zerfetzen lassen? Oder anders gefragt: Wenn die Werbebotschaft den Tatsachen entspricht, was macht der Leser dieses Thrillers nach Ende der Lektüre? Urlaub in der Nervenheilanstalt…?

Okay, okay,  das Ganze ist doch wieder mal bloß so’n Werbe-Gag, von dem der Leser weiß, dass die Aussage 100000000000fach übertrieben ist. Also gelogen. Und darum solltet Ihr statt Kathy Reichs Roman lieber Spießer Alfons  in HORIZONT lesen! Der geht höchstens auf die Nerven, zerfetzt sie aber nicht.

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Kommentare zu “ Werbung möchte unsere Nerven zerfetzen ”

  1. KSD am 30. Januar 2012 um 10:28 Uhr

    Rein juristisch ist das so: Es wird unterschieden zwischen Eigentum und Besitz. Ich bin zwar Besitzer meines Autos, aber Eigentümer ist die Bank. Und da hat “Besitzen” wenig damit zu tun, dass ich im Auto sitze. Ich besitze auch meine Handschuhe, ohne drauf zu sitzen.

    • Spießer Alfons am 30. Januar 2012 um 11:26 Uhr

      Ich sehe das aber nicht juristisch, sondern rein sprachlich, und zwar im ursprünglichen Sinne des Wortes. Und ich habe Handschuhe, die ich nicht besitze, weder mit dem Hintern noch im juristischen Sinne. Und mein Eigentum sind sie auch nicht :)

  2. freischuetz am 30. Januar 2012 um 15:22 Uhr

    Ich lese lieber den Spießer, weil ich meine Nerven behalten möchte. Da hat’s den scheinbar unter einer Neuropathie leidenden Werbetreibenden und den Textern wohl nach dem Lesen wirklich alle Nerven zerfetzt. Demnach wieder gut für alle: Denn wer wird danach noch mal eine solche Headline zustandebringen?

  3. reichranickizwo am 3. Februar 2012 um 18:10 Uhr

    Klar, kann man Nerven besitzen. Genauso wie Muskeln, Knochen, Adern, Verstand, Geschmack, Mut und Talent… und all das nicht nur im Hintern. Rein sprachlich wäre “haben” außerdem ein stinkfaules Verb. Plus: Die Headline hat Wumms. Ist mir schon 2,5 x aufgefallen.

    • Spießer Alfons am 3. Februar 2012 um 18:50 Uhr

      Wer seinen Verstand besitzt, der trägt ihn in der Hose. Und wenn ich zu Deinem Hinweis mal einen intelligenten Menschen zitieren darf:

      “…spart Euch nun bitte den Hinweis auf Umgangssprache und Duden, denn Spießer Alfons besitzt keinen Duden! Und wenn Ihr keine Frau habt, aber eine besitzt, dann ist das Eure persönliche Angelegenheit.”

ivw