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L’Oreal missbraucht Martin Luther King

13. Februar 2012
von

Es geht ums Haare färben

Liebe, Frieden, Ausverkauf. Nach Woodstock, so hieß es bald, habe der Ausverkauf der Hippie-Ideale begonnen. Die Marktwirtschaft machte aus dem Lebensgefühl ein Geschäft, so wie Time Warner heute an Guy Fawkes-Masken mitverdient.

Ein bisschen Woodstock geht in der Werbung heute immer mal. Große Ereignisse taugen eben für große Gefühle und die Werbung schmarotzt sich gerne daran. Der Mauerfall ist auch so eine Ikone von Frieden und Freiheit, an der sich Werbung in Spots und Anzeigen gerne auflädt. So sind sie die Kreativen und Marketer, wenn sie  eine schwachbrüstige Markenwelt mit fremden Pathos garnieren wollen.

Einfallslos – Schwamm drüber.

Redken ( L’Oreal) setzt mit einem Spot für die Chromatics Color Generation aber noch eins drauf.

In dem Spot, der mit dem reißerischen Slogan „Eine Generation bekennt Farbe“ daherkommt, wird nicht nur Woodstock, Mauerfall und Obama instrumentalisiert, sondern auch noch eine Figur der Zeitgeschichte, die sich kaum noch wehren kann. Martin Luther King.

Dessen Kampf gegen Rassentrennung und um Gleichberechtigung und seine „I have a dream“-Rede wird da in einen Kontext gesetzt mit der Zukunft der Haar-Coloration.  King selbst, der 1968 auf dem Balkon des Lorraine Motels erschossen wurde, steht unter dem Motto „Jede Generation wird von etwas bewegt“ in einer Reihe mit ein paar Top-Friseuren.

Nichts gegen den wichtigen gesellschaftlichen Beitrag den diese Berufsgruppe leistet, aber Redken erlaubt sich da einen geschmacklosen und respektlosen Umgang mit der Zeitgeschichte und vergreift sich am Erbe, Leben und gewaltsamen Tod eines großen Menschen.

Übrigens ist der Spot auch ganz fürchterlich langweilig und schlecht konstruiert. Aber das ist wenigstens Geschmacksache.

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Kommentare zu “ L’Oreal missbraucht Martin Luther King ”

  1. Martin am 13. Februar 2012 um 16:03 Uhr

    Das ist ja wirklich unglaublich, das muss Satire sein. Wo läuft denn das? Sieht mir eher wir ein interner Unternehmensfilm aus.

  2. Horst Schulte am 13. Februar 2012 um 16:42 Uhr

    Entweder ist das Satire oder die, die das verbrochen haben, sind Dilettanten. Was anderes fällt mir dazu auch nicht ein.

  3. ramses101 am 13. Februar 2012 um 16:50 Uhr

    Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie subjektiv doch die Wahrnehmung der Wichtigkeit einer Marke sein kann. L’Oreal denkt dabei an Revolutionen und Meilensteine der Geschichte, ich denke eher an Shampoo.

    Wenn das mal nicht nach hinten losgeht: Alle angerissenen Generationen haben aus Überzeugung und Begeisterung in irgend einer Form Geschichte geschrieben. Und die aktuelle* wird damit in die Geschichte eingehen, dem Bad-Hair-Day mal so richtig Paroli geboten zu haben? Na, da will man doch dabei gewesen sein.

    *Wobei mir nicht ganz klar geworden ist, wer denn jetzt überhaupt gemeibt ist.

  4. array am 14. Februar 2012 um 03:09 Uhr

    Welche Agentur hat denn das verbrochen?

  5. André Wegner am 15. Februar 2012 um 19:13 Uhr

    Ich hatte gestern dazu ein Posting http://suedkind.de/liebes-redk.....ernst-456/ geschrieben und beim Clip auf Youtube einen gekürzten, ähnlich lautenden Kommentar geschrieben. Sehe gerade, dass der Clip kommentarlos entfernt wurde.

ivw