Werbung? Oder Verhohnepiepelung…?
Im Magazin Focus gibt es eine Rubrik, in welcher die Redaktion die Leistungen von Personen, Firmen, Verbänden etc. mit Noten versieht. So wie in der Schule: 1 = sehr gut, 5 = mangelhaft. Eine 6 hat Alfons dabei noch nicht gesehen.
Ein Unternehmen wird in dieser Rubrik seit Wochen aufgeführt und bekommt regelmäßig die Höchstnote 1. Allerdings: Darüber steht das Wörtchen “Anzeige” gedruckt – siehe die Abbildung!
Das Unternehmen ist die DHL, die sich hier selbst benotet. Das ist, würde ein Filmverleih mit einem Oscar werben, den der Film niemals bekommen hat. Wenn das Schule macht, dann kann sich in Zukunft jeder nach eigener Beurteilung eine Bestnote verleihen. Das ist in der Werbung ja ohnehin so üblich, aber in der vorliegenden Form etwas außergewöhnlich.
Ob solche Vorgehensweise sinnvoll ist – für Focus genauso wie für die DHL? Der Spießer hat starken Zweifel. In seinen Augen wirkt es peinlich. Es ist zum einen wie eine Verhohnepiepelung der redaktionellen Beiträge, zum anderen wie eine versuchte Übertölpelung des Lesers.
Oder seid Ihr anderer Meinung, liebe otr-Leser…?
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Keine Ahnung, ich lese Focus nicht.
Darum geht es hier auch gar nicht
Doch. Wenn man Zeitschriften wie Focus, BILD & Co. meidet, wird man erst gar nicht redaktionell verhohnepiepelt oder übertölpelt.
Gibt es nicht eine Selbstverpflichtung der Verlage, dass redaktioneller Inhalt und Werbung auch optisch von einander unterscheidbar sein muss. Oder reicht es da gar, wenn man einfach den Fazit-Strich weg lässt?
Christian, die Unterschiede sind doch deutlich: komplett andere Typo [nicht mal eine Serifenschrift], Ort zwar Fett aber schwarz statt rot, der Strich weg, die Note nicht auf handgeschrieben gemacht, dazu fette Kontaktinfos am Ende des Textes, der Spaltentrenner geht komplett durch …
Ich wundere mich, dass DHLs Agentur das nicht wesentlich weiter an die Rubrik angepasst hat.
Christian und Dierk, der Deutsche Presserat schreibt dazu (Zitat):
Richtlinie 7.1 – Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen
Bezahlte Veröffentlichungen müssen so gestaltet sein, dass sie als Werbung für den Leser erkennbar sind. Die Abgrenzung vom redaktionellen
Teil kann durch Kennzeichnung und/oder Gestaltung erfolgen. Im
Übrigen gelten die werberechtlichen Regelungen.
–> Ist hier deutlich gegeben, andere Gestaltung und Kennzeichnung als Anzeige.
Rein werbetechnisch ist die Anzeige vielleicht nicht so superoriginell, aber durch die Angleichung an die Kategorie wird sie vielleicht schon etwas stärker wahrgenommen, würde ich sagen.
Es ist durchaus erkennbar an der Typo, dass die Anzeige rechts nicht von der Redaktion stammt. Meine Frage zielt eigentlich in eine andere Richtung.
Ich finde es ganz originell. Auch gut, dass sie es nicht auf die Spitze treiben mit 1:1 angepasster Typo. Das zeigt doch, dass sie nicht übertölpeln wollen. Es macht eher einen intelligenten approach.
1:1 angepasste Typo wäre ja auch gar nicht möglich gewesen. Mir kommt diese Selbstauszeichnung vor, wie würde sich ein Schauspieler die Nachbildung eines Oscars bei ebay ersteigern, auf seine Homepage platzieren und verkünden: Schaut her – ich habe einen Oscar! Klar wäre das originell. Aber hat das auch einen intelligenten approach…?
@Doc Holiday: “Es macht eher einen intelligenten approach”?? Oh Mann …
Danke Peter. Ich wollte auch gerade meinem Grinsen ob dieser
grotesk-drolligen Ausdrucksweise Ausdruck verleihen. Mit Approach und Kratzfuß
Lustig vor allem, dass es noch Leute gibt, die echt so sprechen. Und das nicht ironisch meinen. Ich glaub, die merken das gar nicht …
Nur aus Interesse: Warum erklärt ihr einem leftover Hippie nicht, wie es richtig heißt ?!
Yo, dear jolly ol’ leftover Hippie
Also wenn man den Sachverhalt in deinem Sinne ausdrücken möchte, dann hätte ich es so geschrieben: … Das zeigt doch, dass sie nicht übertölpeln wollen. Und zeugt von einer ziemlich raffinierten Interpretation des Themas. Copy that
Alternativ hätte ich noch anzubieten:
Das zeigt doch, dass sie nicht übertölpeln wollen.
Es wirkt außerdem intelligent.
Das zeigt doch, dass sie nicht übertölpeln wollen.
Und doof isses auch nicht.
Das zeigt doch, dass sie nicht übertölpeln wollen.
Ganz schön clever …
Das zeigt doch, dass sie nicht übertölpeln wollen.
Ich gehe damit d’accord und highlighte das high-intelligence Understatement sowie den maximum user benefit.
Eins der vier ist übrigens nicht ganz ernst gemeint.
Vielleicht könnte man auch sagen: Das ist einfach primitiv und wirkt schon allein deshalb unglaubwürdig!
Uiuiui, da bin ich aber ein ganz schönes Stück schlauer jetzt.
Gern geschehen