Facebook und die digitalen Sandmännchen
Wahrscheinlich ist die Einführung von Tierprofilen für Hund und Katz bei Wer-Kennt-Wen ein letzter Versuch, sich zum Ende hin wenigstens noch einmal lächerlich zu machen und damit ein paar Tage länger durchzuhalten als StudiVZ. Das Netzwerk hat ja nur noch 14 Tage vor sich – also so mehr oder weniger wissenschaftlich gesagt.
Durchhalten ist dieser Tage ja ohnehin das ganz große Thema. Bei den Nutzern auch. Der Social-Müdia ist man ja gerade noch irgendwie entgangen und hat sich in die Dauer-Depression des Süchtigen gerrettet (Ohne Droge ist man nicht sozial kompatibel), nun muss man noch dem Stream Herr werden, der sich wie unangemachte Bettwäsche immer mehr über einem zusammentürmt. Und weil das grad mal zu viel wird, macht auch das wieder müde. Und Brians Solis nennt das dann auch so: Stream Fatigue. Das klingt hübscher, macht die Glücksnüsse aber nicht weniger lästig.
Wie wird man wieder wach? Ganz viel Kaffee oder man reibt sich den Schlaf aus den Augen.
Natürlich, und das wäre so etwa die Kaffee-Lösung, gibt es da die wunderhübsche Idee der Kreise bei Google+, die Listen bei Facebook, doch ohne einen sozial gerade noch verträglichen Ordnungswahn bleibt die Listenbildung meist auf drei Kreise beschränkt (Familie, Freunde, Kennichnicht) oder führt zu abstrus ausdifferenzierten Listenstrukturen (Blonde SEOler mit lustigen Namen; Leute, die Sascha Lobo NICHT kennen, etc…), die nach einer ausgeklügelten To-Do-App verlangen, die angibt, wann man welche Liste abruft.
Also, Sie kennen das wahrscheinlich, wird ausgemistet, ausgeblendet, ausgefreundschaftet. Das ist die Schlafdreck-Variante. Weg mit den digitalen Sandmänchen. Angefangen bei jenen, die ständig Essensfotos posten, bis hin zu jenen die dauernd irgendetwas bei Pintertest pinnen oder sie daran erinnern, dass gerade eine Folge von DSDS läuft.
Sie liegen damit im Trend: Eine Studie von Pew bestätigt gerade, dass die Nutzer nicht Freunde auf Vierstelligkeit-komm-raus sammeln wollen. Es wird mehr selektiert als bislang und stärker ausgemistet. “More users are untagging themselves from photos, deleting comments and unfriending others. Women and younger users tend to prune more than others: 67% of women with social network site profiles have deleted users compared with 58% of men”, schreibt dazu ReadwriteWeb.
Für Facebook ist das sogar mehr als prima. Schließlich geht es bei der Aussteuerung der Werbung nicht um Datenmassen, sondern um massig gute Daten. Wenn alle Nutzer differenzierte Listen anlegen würden, dann erzeugte das für Facebook auf Basis des AAL-Prinzips eine qualifzierte Aussage über die Verbindung. Macht aber nicht jeder.
Wenn wir aber nun anfangen, alle virtuellen Kuschel-Klicks und Nettiquette-Freundschaften auszumisten, dann zeigt das deutlicher als bislang die starken und die schwachen Verbindungen zwischen den Nutzern auf. Die Starken, das ist in der digitalen sozialen Evolution nicht anders, werden überleben. Diese starken Verbindungen sind für die Werbung und das Empfehlungsmarketing aber ungleich mehr wert als der Datenschrott der “weak ties”. Erst recht, wenn Facebook mit seiner Werbung eine “neue Stufe von Social Ads” erklimmt. Oder wollen Sie Werbung auf Basis von Currywurst-Pommes-Fotos postenden Unbekannten sehen? Ein Frühjahrputz im Freundeskreis kann also auch für Facebook nützlich sein.Ein wenig Schwund im Social Graph fällt auch nicht weiter ins Gewicht. Andernorts ist ja eh nur Katzenjammer.
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Klasse Blog, da bekommt man richtig Lust auf Frühjahrsputz. Ich fang gleich mal damit an…
Kenne das aus eigener Erfahrung:
Die Startseite bei Facebook wird so zu gemüllt mit irgendwelchen Babyfotos, “*** spielt jetzt das-interessiert-mich-nicht-die-bohne-spiel”, Essensfotos und Partypictures von so unwichtigen Leuten, dass man die “wichtigen” gar nciht mehr sieht, die verschwinden ja nach 40 minuten schon wieder von der Startseite, weil Person XYZ wieder eine Fressorgie veranstaltet hat. Bin ich dann nicht in diesen heißen 40 Minuten online, bekomme ich den wirklich tollen Post meiner besten Freundin vieleicht gar nicht mit.
Jetzt kann man aber leider nicht alle Leute einfach so löschen, bei entfernten Bekannten geht das sicherlich, habe ich selber schon rigoros gemacht. Aber die eigenen Cousine? Den Verlobten der besten Freundin? den Arbeitskollegen? Löscht man diese Leute raus riskiert man ja teilweise Familienstreits, Freundschaften oder ein schlechtes Arbeitsklima, wenn derjenige dahinter kommt.
Für dieses Dilemme gibt es aber eine sehr gute Lösung, zumindest bei Facebook: “Meldungen dieser Person verbergen” – und schwupp, schon verschwinden die Babyfotos, Essensbilder und der ganze andere Schrott – ohne das XYZ etwas merkt. Genial!