Urheberrecht und Leistungsschutzrecht: Eine Art Pamphlet
Wer geistiges Eigentum und das Urheberrecht vollends den digitalen Möglichkeiten unterwerfen will, und dabei schnell so wirkt, als wedele er mit einer Mao-Bibel herum, der argumentiert in der Regel entlang folgender 5 Linien:
- Den Fortschritt in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf.
- Sollen Sie (Die Urheber) doch Kuchen essen.
- Ein Massenphänomen muss zu einer Änderung der Rechtslage führen.
- Das bisherige Modell steht unserer Bequemlichkeit im Weg.
- Es wird keine Dinglichkeit entwendet.
- Eigentum behindert das freie Netz
Sicherlich gehört die Kultur des Gebens und Nehmens zur Kernidentität des Netzes. Sie ist aber immer schon Teil jeder Gesellschaft. In der Kohlenstoffwelt beruht dies auf Tausch und Freiwilligkeit, im digitalen Bereich auf gutem Willen, manchmal.
Diese Kultur muss es aber dem Einzelnen und Unternehmen auch weiterhin ermöglichen, mit Inhalten Einnahmen zu erzielen. Dabei ist es zunächst einmal völlig gleichgültig, ob sich hinter dem Tausch der Kulturgüter ein Massenphänomen verbirgt, oder wie sich die Mehrheit verteilen. Niemand käme auch auf die Idee, die Todesstrafe einzuführen, nur weil eine Mehrheit das womöglich befürworten würde. Auch die Autoindustrie wurde nicht verstaatlicht, obwohl Mobilität doch der Gesellschaft als Ganzes nutzt.
Die Kernfrage, die sich die Gesellschaft jedesmal aufs Neue stellen muss, ist wie und ob sie dem Urheber/Eigentümer die Entscheidungsgewalt über die weitere Verwendung seines Werkes überlassen will.
Stellt sie die Rechte des Individuums über die Interessen der Masse, dann muss sie ihm diese Gewalt überlassen. Will sie stattdessen eine wie auch immer geartete Verkollektivierung des geistigen Eigentums, dann redet man einer neuen Gesellschaft das Wort, die in weiten Teilen mit unserem Grundgesetz nur schwerlich in Einklang zu bringen ist und – mit Blick auf die Leistung von Unternehmen, die entsprechende Inhalte herstellen und verteilen, auch nichts mehr mit einer freien Marktwirtschaft gemeint hat. Willkommen in der Kolchose Internet.
Es geht dabei mitnichten nur um die Kultur, mit der Geld zu verdienen manch einer schon als Frevel begreifen mag. Es geht, die rasante Entwicklung der 3D-Drucker zeigt das, künftig auch um ganz andere Wirtschaftsbereiche, wenn man sich die Barbie-Puppe per Datei zu Hause selbst ausdrucken kann.
Nun ist der fast schon klassenkämpferische Streit darüber, wer an Texten und Bildern im Internet Geld verdient oder verdienen darf, zwar in Teilen auch ein nur Vehikel zu Etablierung einer neuen digitalen Bohème, die gegen die Wächter in den „Kultur“-Palästen anrennt, und sich in philologischen Haarspaltereien (Raubkopie) verstrickt, doch Fakt ist, dass das die Rechte der Urheber und der Leistungserbringer an den Inhalten im Web angesichts des technischen Wandels so nicht mehr zu bewahren sind.
Nur: Genauso wenig wie es ein Grundrecht auf Brot gibt, gibt es ein Grundrecht sich aller Inhalte im Web kostenfrei zu bedienen, nur weil man es kann. Ebenso wenig kann man daraus ein Grundrecht konstruieren, nur weil Rechtsverletzungen schwer bis gar nicht zu kontrollieren oder zu ahnden sind.
Und genau deshalb macht ein verbessertes Urheberrecht, eine weiter modernisierte Rolle der Verwertungsgesellschaften und ein Leistungsschutzrecht (Internetgebühr) durchaus Sinn.
Warum?
Gehen wir dafür einen Schritt zurück.
Kernaufgabe jeder Regierung ist der Schutz ihrer Bürger und ihres Eigentums, um ein gemeinsames Wirtschaften zu ermöglichen. (Also in der Theorie des Gesellschaftsvertrags. So richtig klappt das ja nie)
Im Internet aber bewegen wir uns auf einen Naturzustand 2.0 zu – oder sind mittendrin, in dem das Recht des digital Clevereren gilt. (Nerds bewegen sich kostenloser durchs Web als T-Online-Startseiten-Nutzer)
Will der „Staat“ aber weiterhin seiner Aufgabe erfüllen, und nicht das Internet gleich ganz verbietet, (was so ein Totschlagsargument der digitalen Kulturrevolutionäre gegen alles ist), dann muss er seinem Bürger zumindest eine Entschädigung dafür leisten, dass er das Eigentum im Web nur noch bedingt bis gar nicht schützen kann. Sonst wäre es ein anderer Staat. Einer mit „Gänsefüßchen“.
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der vergleich mit dem brot würde nur dann passen, wenn man sich vorstellt, dass alle wege und strassen mit frischen broten gesäumt und alle arbeitsplätze und wohnstuben mit frischen backwaren bestückt wären. wieso also zum bäcker gehen?
ansonsten gefällt mir der ansatz, die copyfreedogmatiker zu hinterfragen. aber eben: gegenargumente haben es deshalb schwer, weil sich das internet nicht mit einem anderen realen (wirtschafts)system vergleichen lässt…
deshalb: weiter üben…;)))
Es geht doch nicht darum, das Copyright abzuschaffen. Aber es müssen Veränderungen her. In einer Zeit, da Maler für die Verwendung von Songtexten vor Gericht landen, ist eine Grenze überschritten. Das Zitieren und Verwenden von fremden Inhalten ist ein Stück Kulturgeschichte, sie von Shakespeare über Picasso bis zum Hiphop. Derzeit aber geht es nicht darum, ein maßvolles Vorgehen für eine Zeit zu finden, da die Zahl der Inhalteersteller exponentiell nach oben geschossen ist, sondern allein darum den Status Quo für Alt-Produzenten zu sichern, wenn nicht gar auszubauen. Und das geht nicht.
Sehen wir es doch mal anders herum: Müsste es nicht jedem Inhalteersteller egal welcher Mediengattung erlaubt sein, seine Inhalte frei zu verteilen und zu verschenken?
@ Thomas Knüwer
Als ob es wirklich um die Frage des Zitierens und Verwendens von fremden Inhalten als einem Stück Kulturgeschichte ginge. Oder darum, dass die “Zahl der Inhalteersteller exponentiell nach oben geschossen ist.”
Es geht darum, dass wir nicht mehr bereit sind, für bestimmte kulturelle Leistungen zu zahlen. Und zwar aus einem einzigen Grund: Weil wir es nicht mehr müssen.
Und während die Hemmschwellen weiter sinken, schustern wir uns nach und nach die “rationalen” Begründungen für unser Verhalten zusammen. Wir klauen Musik? Ja klar,so entdeckt man ja viel mehr Musik von Künstlern, auf die man ja sonst nie gekommen wäre und kauft sich dann von denen auch mal was legales.
Wir kaufen auf einmal gar nichts mehr und klauen sogar die Musik unserer Lieblingsband? Selbstverständlich, ist ja nahezu ein moralischer Akt, denn bisher haben die von der Kohle ja sowieso nix gesehen, hat ja alles die Plattenfirma eingesteckt.
Und obwohl wir gestern ebooks noch als den Anfang vom Ende des Landes der Dichter und Denker gesehen haben, laden wir uns heute 500 gerippte ebooks auf den Kindl? Ja meine Güte,Papierbücher kann man sich ja auch gegenseitig “ausleihen”, das war doch nichts anderes. Und und und.
Und damit dann endlich mal die “Alt Produzenten” aufhören, auf ihre Rechte zu pochen und uns ein schlechtes Gewissen zu machen, müssen wir die ganze Chose mit dem Copyright und geistigem Eigentum eben mal grundsätzlich in Frage stellen.
@ Thomas Knüwer
Es ist natürlich jedem Inhalteersteller erlaubt, seine Inhalte frei zu verteilen und zu verschenken.
“Kernaufgabe jeder Regierung ist der Schutz ihrer Bürger und ihres Eigentums” – einen Artikel, in dem so ein schräger Satz drinsteht, möchte man schon gar nicht mehr kommentieren …
Es ist schade, dass immernoch niemand einen Entwurf für ein “Internetrecht” vorgelegt hat. Wann wollten die Richter des EuGH damit anfangen, 2008? Ich kanns leider nicht mehr genau sagen.
Die Probleme tauchen ja nicht nur im UrhR auf, aber klar, vorallem hier. Vor ca. 2 Jahren habe ich mal einen Artikel gelesen (ich glaube, es war ein Gespräch zwischen 3 Anwälten mit Schwerpunkt IT), die schonmal nahe der CC argumentierten. Hier solle ein Kompromiss gefunden werden, CC und UrhG Hand in Hand sozusagen
War sehr interessant…ich schaue mal, ob ich den Artikel noch irgendwo finde.
Intervie mit Sven Regener zum Thema, sehr hörenswert:
http://www.br.de/radio/bayern2.....ew100.html
Ich warte ja irgendwann auf die Auflösung, dass Artikel wie dieser eine neue SEO-Idee sind. Ein aktuelles Thema anreissen, nichts neues erzählen, und dann darauf warten, dass die Kommentatoren schön einzigartigen Premium-Content einstellen.
Nicht schlecht!
aha: “Genauso wenig wie es ein Grundrecht auf Brot gibt, …”
fyi: http://de.wikipedia.org/wiki/R.....Ernährung
@ Florian Solange hier Links zum den dummen Rumgekotze von Regener gepostet werden, mache ich mir keine Sorgen bezüglich von Usern eingestellten Premiumcontents…
@ Anton
Es war nicht meine Absicht, Premiumcontent einzustellen. Ich habe aber noch nicht ein einziges triftiges Argument gehört, warum Sven Regener denn nun so fürchterlich unrecht haben soll mit dem, was er sagt. Und es “dummes Rumgekotze”, zu nennen, sagt mehr über dich aus als über ihn.Ganz besonders in der Kombination mit deinem Dummdeutsch.
@ martin
“Und zwar aus einem einzigen Grund: Weil wir es nicht mehr müssen.”
damit haben sie recht.ich habe es deshalb auch nicht noetig,mir eine philosophie zurecht zu friemeln,die mein unrechtmaessiges handeln schoenredet.die uhrheber sind mir einfach total egal.das ist nicht schoen,nicht zielfuehrend,nicht gerecht,aber solange die bullen mir nicht die tuer einrennen:scheiss drauf.
@ zero
Dann ist doch alles super, dann sind doch die Fronten klar. Dir sind die, äh, Uhrheber egal. Und die, äh, Uhrheber wünschen dir die Bullen an den Hals.